An den US-Vorwahlen kann man auch in Stuttgart teilnehmen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Bis zum 10. März können im Ausland lebende Amerikaner weltweit ihre Stimme bei den US-Vorwahlen geltend machen. Die Anhänger der Demokraten hoffen, dass Donald Trump als Präsident abgelöst wird.

Stuttgart - Für Anhänger der Demokratischen Partei in den USA gibt es in diesem Jahr allerhand Gründe, wählen zu gehen. Den für viele gewichtigsten Grund hat die Auslandsorganisation der Partei, die Democrats Abroad, auf einem kleinen Kärtchen zusammengefasst. Es zeigt den amtierenden republikanischen Präsidenten Donald Trump als Clown. „Elect A Clown, Expect A Circus“ steht auf der Karte. Frei übersetzt: Wer einen Clown wählt, landet im Zirkus. Im Hotel Silber haben am Dienstag in Deutschland lebende Amerikaner ihre Stimme abgegeben, um den Zirkus zu beenden, den Trump seit seiner Wahl vor dreieinhalb Jahren im Weißen Haus aufführt.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Global Presidential Primary statt. Bei der Präsidentschaftsvorwahl haben im Ausland lebende Amerikaner eine Woche lang Zeit, in hunderten Wahllokalen weltweit ihre Stimme abzugeben. In den Vereinigten Staaten selbst fand am Dienstag der sogenannte Super Tuesday statt. Er gilt als richtungsweisend, weil Wähler in 14 Staaten gleichzeitig für ihren Favoriten im parteiinternen Rennen stimmen können, darunter so bevölkerungsreiche Staaten wie Texas und Kalifornien.

Trump hat viele politisiert

James Reaves ist so ein Auslandsamerikaner, der am Dienstag in Stuttgart gewählt hat. Der 68-jährige New Yorker mit dem Holzfällerhemd und der roten Baseballmütze kam in den Siebzigerjahren durch die Army nach Deutschland, zunächst in die Pfalz, später nach Stuttgart. Reaves kann noch immer nicht glauben, dass Donald Trump US-Präsident ist. Ihn selbst habe die Wahl politisiert, sagt Reaves, für den es früher keineswegs selbstverständlich war, wählen zu gehen. „Hör‘ auf, dich immer nur zu beschweren und tu endlich was“, hätte ihm seine Frau eines Tages gesagt. Ob es die Demokraten in diesem Jahr schaffen, Donald Trump abzulösen, sei aber lange nicht klar.

Lesen Sie hier: Das bedeutet der Ausgang des Super Tuesday für die Kandidaten

„Trumps Anhänger sind äußerst motiviert. Es wird schwierig für die Demokraten“, glaubt Reaves. Vieles hänge vom Kandidaten ab. „Ich glaube, dass Bernie Sanders die Vorwahlen für sich entscheidet. Aber im Rennen gegen Trump hätte Joe Biden die besseren Chancen, weil ihn die Leute schon kennen“, sagt er und ergänzt: „Ich weiß nicht, ob die USA schon bereits sind für Bernie Sanders.“ Der 78-jährige Sanders bezeichnet sich selbst als „demokratischer Sozialist“ und gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nominierung auf dem Parteitag der Demokraten im Juli. Der ehemalige Vize-Präsident Joe Biden vertritt den gemäßigten Parteiflügel.

Sanders oder Biden, das ist die Frage

Mark Neel glaubt an ein knappes Rennen zwischen Sanders und Biden bis zum Schluss. Der Super Tuesday werde keine Vorentscheidung bringen, so der Leiter des Stuttgarter Wahlbüros. „Diese Präsidentschaftswahl ist die wichtigste der letzten 20 Jahre“, sagt Neel, wohl wissend, dass bereits die Wahl 2016 mit allerlei Superlativen einher gegangen war. Trotzdem: In diesem Jahr gehe es um nichts weniger als die Verteidigung der liberalen Demokratie. Nach der letzten Wahl hätten die Demokraten viele neue Mitglieder verzeichnet. „Man spürt großen Enthusiasmus bei den Leuten“, so Neel. Aufgabe von Democrats Abroad ist es nicht zuletzt, die eigenen Landsleute an die Urnen zu bringen. „Im Ausland lebende Amerikaner können und sollten sich an jeder Wahl beteiligen! In der Tat sind unsere Stimmen bei knappen Wahlen oft die entscheidenden“, wirbt der Verein auf einem Flyer. Eine Empfehlung für einen Kandidaten gibt Mark Neel indes nicht ab. Im Hotel Silber war sogar ein Wahlbeobachter zugegen, der sicherstellte, dass keinerlei Beeinflussung zugunsten des einen oder anderen Bewerbers stattfand.

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