Der republikanische Polit-Selbstdarsteller Donald Trump mit Gattin Melania Foto: DPA

Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner Donald Trump spaltet sein Land. Und profitiert davon – bisher, beklagt unser Politikredakteur Michael Weißenborn.

Stuttgart/Cleveland - Dieser Parteitag der Republikaner in Cleveland ist einer der seltsamsten der jüngeren US-Geschichte: Viele Vertreter der ersten Parteigarde erscheinen erst gar nicht. Dafür jede Menge C-Promis, die nicht müde werden darüber zu klagen, wie sich ihr Land „rasch auf dem Weg nach unten befindet“. Dazu kupfert Trumps Gattin Melania bei ihrem Auftritt ausgerechnet bei Barack Obamas Gattin Michelle ab. Und „The Donald“ höchstpersönlich fährt bei seiner Kür durch die Delegierten eines der schwächsten Ergebnisse auf den Parteitagen der US-Konservativen ein. Aber ist das noch wichtig? Das New Yorker Immobiliengroßmaul hat es geschafft: Vom weithin unterschätzten Parteirebellen zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. So skurril können einschneidende Momente in der Geschichte einer alten Demokratie daherkommen.

Das stellt zuallererst die Republikaner vor Probleme. Immer noch wirkt Trumps Präsidentschaftskandidatur eher wie eine feindliche Übernahme der altehrwürdigen Partei Abraham Lincolns. Weite Teile der Partei tun sich weiter schwer mit einem selbstverliebten Frontmann, der mit seinem Populismus diametral entgegengesetzt zu den traditionellen Werten der Partei liegt. Jahrzehntelang lautete deren Mantra: Freihandel, schwacher Staat, inklusive Kürzung der Sozialausgaben, und von der Abtreibungsfrage bis zur Schwulenehe sozial konservativ. Trump will dagegen die Konkurrenz aus dem Ausland klein halten mit Schutzwällen in der Wirtschaft und mit einer veritablen Mauer an der Grenze zu Mexiko. Gut möglich, dass der Trumpismus die Republikaner mitreißt, selbst wenn ihr Protagonist – was immer noch wahrscheinlicher ist – im November durchfällt.

Trump macht die USA schlechter als sie sind

Trumps Präsidentschaftskandidatur stellt ganz Amerika vor ein Dilemma. Ist eine Mehrheit der US-Wähler tatsächlich bereit, seinem geradezu unamerikanischen Pessimismus zu folgen? Gewiss hat das Land Defizite, aber bei Weitem nicht so sehr, wie der Immobilienmagnat Glauben machen will. Amerikas Wirtschaft steht gar nicht schlecht da. In der Hightech-Industrie lag das Land nie weiter vor der Konkurrenz als heute. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Reallöhne steigen wieder. Sicher: Die soziale Ungleichheit ist groß, ebenso wie die Not schlecht qualifizierter Arbeitskräfte.Doch dem ließe sich mit der Steuer- oder Bildungspolitik beikommen. Auch die Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß oder den übrigen Minderheiten im großen Schmelztiegel Amerika sind – anders als so manche Schlagzeile suggeriert – besser als je zuvor. Ein Rassenkrieg steht nicht bevor.

Und trotzdem übertreibt Trump maßlos: Als ob Amerika ein rechtsfreier Raum und ohne Grenzen sei, von Schurken regiert, von Einwanderern überrannt und durch Terroristen bedroht. Hintergrund der Ängste – neben wirtschaftlichen Sorgen – vieler weißer US-Bürger: Zur Jahrhundertmitte werden sie zum ersten Mal seit der Gründung der USA in der Minderheit sein. Doch anstatt an Lösungen zu arbeiten, schürt Trump nur Ängste und spaltet das Land weiter. So hat er schon Mexikaner, Muslime, Frauen und den politischen Gegner jenseits jeder Geschmacksgrenze herabgewürdigt.

Angstschüren als Siegesformel

Wird das am Ende zu seiner Siegesformel? Werden die US-Wähler dem vulgären Polterer mit mangelnder Selbstdisziplin auf den Leim gehen? Dann könnte er im Innern wie im Äußeren erst richtig Schaden anrichten. Seine Wahlstrategie will Amerikas Unzufriedene mobilisieren. Doch hängt das auch von seiner ungeliebten demokratischen Rivalin Hillary Clinton ab. Traut ihr Amerika eher zu, Amerika zu einen? Viele US-Bürger zaudern zu Recht. Und die Welt zittert.

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