Von bizarr bis präsidial: In den USA wurde der Auftritt Trumps mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un kontrovers diskutiert. Foto: AP Pool

Trumps Auftritt beim Gipfel in Singapur spaltet die USA. Republikaner fordern die Mitsprache des Kongresses beim nächsten Schritt.

Washington - Seit seinem unehrenhaften Abgang als Kurzzeit-Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses war es ruhig geworden um Anthony Scaramucci. Doch in der Nacht zum Dienstag meldete sich der Trump-Fan mit einer fulminanten historischen Analogie zurück. Am 12. Juni 1987 habe Ronald Reagan den Abriss der Berliner Mauer gefordert, twitterte er: „Genau 31 Jahre später macht der Präsident da weiter, wo dieser Halunke aufgehört hat.“ Ein paar Stunden später saß Scaramucci im Fernsehstudio. „Präsident Trump hat Geschichte geschrieben“, schwärmte er bei „Fox & Friends“, der Lieblingssendung des Regierungschefs, und die Moderatoren nickten begeistert. Den Zuschauern wurde zum Frühstück eine endlose Lobeshymne serviert. „Der Präsident war nie präsidialer als heute“, rapportierte Moderator Sean Hannity nach dem Gipfel aus Singapur. Noch vor der Pressekonferenz hatte Trump ihm ein Exklusivinterview gegeben.

Der Präsident war nie präsidialer, meint Fox-News

Trump als Staatsmann, der mit selbstbewusster Stärke und genialem Verhandlungsgeschick schafft, was keinem vor ihm gelungen ist – das war die Botschaft der machtvollen Bilder und Untertitel bei Fox. Doch ganz konnte der Sender nicht ausblenden, dass die gemeinsame Erklärung von Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un relativ luftig formuliert ist. „Die Leute fragen: Haben sie auch über dieses geredet oder über jenes?“, verteidigte Moderatorin Ainsley Earhardt das Ergebnis. Nicht für alles sei Zeit gewesen: „Das ist erst der Anfang. Es wird noch viele Gespräche geben.“ Nicht alle konservativen Amerikaner sind so überzeugt. Die Vereinbarung erinnere ihn sehr an das Abkommen von 1994, merkte Ari Fleischer, früher Sprecher von George W. Bush, kritisch an: „Nordkorea gab sein Wort, seine Nuklearwaffen zu vernichten. Und dann hat es sein Wort gebrochen.“ Noch schärfer ging die konservative „Washington Post“-Kolumnistin Jennifer Rubin mit dem Nordkorea-Deal ins Gericht: „Eine komplette Farce. Wir haben nichts bekommen. Kim hat ein Ende der Militärmanöver erreicht und einen PR-Coup gelandet“, twitterte sie und forderte den Rücktritt von Sicherheitsberater John Bolton.

Der Gipfel kann nur ein erster Schritt gewesen sein

Im Vergleich dazu urteilte Ex-CIA-Direktor Michael Hayden geradezu milde. „Es gibt Gutes und Schlechtes“, resümierte er. Trotzdem sah er Nordkorea „nach Punkten eindeutig vorne“. Kopfschütteln löst bei liberalen Experten in den USA vor allem aus, dass Trump in seiner Pressekonferenz völlig überraschend ein Ende der amerikanisch-südkoreanischen Militärmanöver ankündigte und diese als „provokative Kriegsspiele“ bezeichnete. „Das hat mich sehr überrascht“, umschrieb Christopher Hill, der frühere US-Botschafter in Südkorea, sein Befremden. Die gemeinsame Erklärung sei schwach, Trump fehle offenbar jegliche diplomatische Strategie. „Unsere Verbündeten in Zentral- und Osteuropa haben bestimmt gehört, wie Trump die Manöver in Korea (. . .) bezeichnet“, twitterte Julianne Smith, eine frühere Sicherheitsberaterin von Ex-Vizepräsident Joe Biden: „Was heißt das für die Manöver, die wir in diesem Teil der Welt durchführen?“

Weitgehende Einigkeit herrscht zwischen Kritikern und Unterstützern der Trump-Politik darüber, dass der Gipfel nur ein erster Schritt zur Abrüstung der Koreanischen Halbinsel sei und mit den Verhandlungen über die Details nun die kritische Arbeit beginnt. Offenbar will Trump die Vereinbarung dem Kongress erst ganz am Ende zur Abstimmung vorlegen. Dagegen regt sich Widerstand aus den eigenen Reihen. „Ich stehe zum Präsidenten“, erklärte der republikanische Senator Lindsey Graham, „aber ich will die Details sehen und darüber abstimmen.“

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