US-Präsident Trump bei seiner zwiten Rede zur Lage der Nation vor beiden Kammern des US-Kongresses. Foto: AP

Auch seine zweite Rede zur Lage der Nation zeigt: Als überparteilicher Brückenbauer überzeugt US-Präsident Trump nicht, meint unser Kommentator Michael Weißenborn

Stuttgart/Washington - Der große Knall, den Manche in Washington befürchtet hatten, ist ausgeblieben. Gemessen an seinen Standards lieferte US-Präsident Donald Trump bei seiner zweiten Rede zur Lage der Nation eher konventionelle Kost. Wenig Substanz : ein Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Dafür viel Selbstlob, etwa für die starke US-Wirtschaft, für die Trump gar nicht so viel kann. In dieser nervenaufreibenden Präsidentschaft ist auch das schon positiv.

Trumps Appell zur überparteilichen Zusammenarbeit mit den oppositionellen Demokraten klingt hohl: Entweder „Frieden und Gesetzgebung“ oder „Krieg und Untersuchung“, meint er mit Blick auf die zahlreichen juristischen Untersuchungen gegen ihn. Mit anderen Worten: Gebt mir, was ich will. Ich nenn’s Kompromiss! Keinerlei Signal, dass er die Niederlage bei den Wahlen im November und die neue Mehrheit der Demokraten im Abgeordnetenhaus anerkennt. Beim Dauerthema Grenzmauer zu Mexiko verfällt er lieber in den Wahlkampfmodus: „Die Mauer funktioniert und schützt Leben.“ Selbst wenn Experten und Einwanderungsgegner in der eigenen Partei heftig widersprechen.

Den Demokraten geht es jetzt ein wenig wie den ausländischen Verbündeten: Sie müssen Trump Zusammenarbeit anbieten, aber auch einen Plan B besitzen, falls er sie enttäuscht.

michael.weissenborn@stuttgarter-nachrichten.de

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