Das Pentagon will 5000 US-Soldaten offenbar aus Bayern abziehen. Doch US-Präsident Trump will mehr. 2020 wollte er auch die Stuttgarter US-Hauptquartiere in Stuttgart verlegen.
Die Erklärung des Stuttgarter Hauptquartiers der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) stellt nur Offensichtliches fest und ist wenig aussagekräftig: „Derzeit befinden sich rund 80000 US-Soldaten im europäischen Einsatzgebiet, davon etwa 36000 permanente und rotierende Kräfte in Deutschland.“ Die Zahlen schwankten, je nachdem, ob Übungen oder Truppenrotationen stattfänden. „Wir stimmen uns eng mit den Nato-Verbündeten ab, um eine angemessene kollektive Verteidigungsfähigkeit zu gewährleisten“, sagt ein Eucom-Beamter auf Anfrage – erkennbar um Schadensbegrenzung bemüht.
Das Stuttgarter Afrika-Kommando (Africom) verweist gleich auf das Pentagon, das am Freitag verkündet hatte, dass rund 5000 US-Soldaten innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate aus Deutschland abgezogen werden sollten. Grundsätzlich erwägen die USA seit Jahren, ihre Militärpräsenz in Europa zu reduzieren, um sich verstärkt auf den pazifischen Raum zu konzentrieren.
Teilabzug als Bestrafung Deutschlands
Doch hinter vorgehaltener Hand machten hohe Pentagon-Beamte laut „New York Times“ klar, sie wollten den US-Teilabzug auch als Bestrafung Deutschlands erscheinen lassen, nachdem US-Präsident Donald Trump verärgert auf Kritik von Kanzler Friedrich Merz (CDU) am US-Krieg im Iran reagiert hatte. Nun deutet sich an, dass wohl 5000 GIs aus Bayern abgezogen werden sollen. Zumindest wollen der Bayerische Rundfunk und „Bild“ erfahren haben, dass es sich um das 5000 Soldaten zählende Zweite Kavallerie-Regiment im bayerischen Vilseck handeln soll. Auch andere Experten wiesen auf diese Einheit hin. Aber Trump will offenbar tiefere Einschnitte: „Wir werden stark reduzieren, und zwar um weit mehr als 5000“, sagte er auf eine Reporterfrage am Samstag.
Derzeit ist unklar, inwieweit Eucom und Africom in Stuttgart als zwei zentrale Schaltstellen der US-Militärmacht von den aktuellen Abzugsplänen betroffen sein könnten. Von dort werden US-Operationen in Europa sowie Einsätze auf dem afrikanischen Kontinent koordiniert. Führende Republikaner im Kongress machen sich dafür stark, dass die 5000 Soldaten nicht in die USA zurückverlegt werden, sondern an die Ostflanke der Nato, etwa nach Polen.
Truppenabzug seit Jahren ein Thema
Außerdem scheint klar, dass die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen, unter anderem Tomahawk-Marschflugkörper, auf die sich Kanzler Olaf Scholz (SPD) und US-Präsident Biden geeinigt hatten, entfällt. Aus dem Pentagon hieß es, medizinische US-Einrichtungen wie das Landstuhl Regional Medical Center nahe dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein im pfälzischen Landstuhl, seien nicht betroffen. Dort wurden zuletzt im Iran-Krieg verwundete US-Soldaten versorgt.
Bereits vor sechs Jahren wollte Trump 12000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Das Vorhaben wurde nach dem Wahlsieg des Demokraten Joe Biden aber nicht umgesetzt. Das Eucom sollte damals samt dem Kommando der Spezialkräfte in Europa (Soceur) nach Mons zum militärischen Hauptquartier der Nato verlegt werden. Auch das Africom sollte an einen nie genannten Ort umgesiedelt werden.
Fest steht, dass die beiden Stuttgarter Hauptquartiere und auch die zuständige Standortverwaltung der US-Garnison Stuttgart in der Böblinger Panzerkaserne zuletzt immer wieder kostenaufwendig modernisiert und ausgebaut wurden und werden: abhörsichere Gebäude, Kommunikationsanlagen, Wohnungen, Schulen und Supermärkte für Familien. Die Hauptquartiere in Stuttgart aufzugeben, wäre aus US-Sicht eine logistische und auch extrem teuere Mammutaufgabe. Eine Verlegung würde jahrelange Planung, Milliardeninvestitionen und das Schaffen von Ersatzstrukturen anderswo erforderlich machen.
Vor Kurzem haben US-Spezialeinheiten, darunter das Erste Batallion der Zehnten Spezialkräfte-Gruppe“, die sogenannten Green Berets, nach jahrelanger Vorarbeit damit begonnen, von Böblingen nach Baumholder in Rheinland-Pfalz umzuziehen. Zuletzt umfasste die Stuttgarter Militärgemeinde nach US-Angaben rund 28000 Personen, darunter 3500 Soldaten, 4000 Zivilangestellte, 1500 Vertragsnehmer sowie deren Familienangehörige.
Stuttgarts OB Nopper betont „vertrauensvolles Verhältnis“
Das US-Militär unterhält in und um Stuttgart fünf Einrichtungen: Eucom in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen, Africom in den Kelley Barracks in Stuttgart-Möhringen, die US-Standortverwaltung in der Böblinger Panzerkaserne mit dem Hauptquartier der US-Marineinfanterie für Europa und Afrika, das Army Airfield in Leinfelden-Echterdingen und die Robinson Barracks, hauptsächlich ein Wohngebiet.
In einer ersten Reaktion lobte der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) das „sehr gute, enge und vertrauensvolle Verhältnis“ zu den US-Streitkräften. Sie leisteten nicht nur einen wichtigen Beitrag für unsere Sicherheit, sondern stellten auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. „Die Freundschaft zu den Vereinigten Staaten ist für uns von großer Bedeutung. Deutschland braucht die Vereinigten Staaten und die Vereinigten Staaten brauchen Europa“, so der OB weiter. Die Stadtverwaltung teilte weiter mit, von möglichen Abzugsplänen aus Stuttgart habe man keine Kenntnis.
Auch sein Böblinger Amtskollege Stefan Belz (Grüne) hat offenbar keine Signale vom US-Militär erhalten, wie es weitergeht. Er sagte, seiner Stadt lägen „keine belastbaren Informationen vor, ob der Standort Panzerkaserne konkret betroffen wäre“. Auch Belz betonte die engen Bande zur US-Gemeinde: „Böblingen steht in engem, vertrauensvollem und freundschaftlichem Austausch mit der U.S. Army Garrison Stuttgart.“ Und weiter: „Die amerikanische Präsenz hat unsere Stadt über Jahrzehnte historisch, gesellschaftlich und durch viele persönliche und partnerschaftliche Begegnungen geprägt.“