Der Fernsehauftritt von US-Notenbankchefin Janet Yellen spiegelt sich auf einem Börsenterminal. Foto: dpa

Nach der zweiten Zinserhöhung in zwei Jahren will die US-Notenbank die Straffung ihrer Geldpolitik beschleunigen. Die Aussicht darauf lässt den Dollar steigen, der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 2003. Das ist gut für die deutschen Exporteure – und für den Dax.

Frankfurt -

Wie beeinflusst die Entscheidung die Zinsen?
Die Aussicht auf eine rasche Folge weiterer Zinsschritte in den USA bewegt die Finanzmärkte: Der US- Dollar und der Deutsche Aktienindex (Dax) legten am Donnerstag kräftig zu, der Euro und der Goldpreis stürzten dagegen ab. Ein Überblick über die Auswirkungen der US-Notenbanksitzung.Der Leitzins bestimmt die Kosten des Geldes für die Geschäftsbanken. Wenn er steigt, geben sie diese Erhöhung an ihre Kunden weiter. Dadurch steigen die Zinsen für Darlehen an Unternehmen und Verbraucher, umgekehrt allerdings auch die Zinsen auf Bankeinlagen. Dies gilt in erster Linie für die USA, denn der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt bei null.
Ändert sich in Europa also nichts?
Doch. Auch diesseits des Atlantiks dürften die Zinsen moderat steigen, denn sie werden nicht ausschließlich von der EZB bestimmt. Das zeigt sich bereits seit einigen Monaten: Obwohl die EZB an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhält, haben sich die Zinsen beispielsweise von Bundesanleihen seit dem Sommer von ihrem Rekordtief entfernt. Ein Grund dafür ist die Straffung der US-Geldpolitik: Wenn die Zinsen auf amerikanische Staatsanleihen anziehen, kaufen Investoren lieber US-Schuldtitel als Bundesanleihen. Die sinkende Nachfrage bewirkt, dass der Bund Anleger wieder mit etwas höheren Zinsen locken muss. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken, nachdem die US-Notenbank angekündigt hat, 2017 gleich mehrmals den Leitzins anzuheben.
Was heißt das für Sparer?
Bewegen dürften sich vor allem die Zinsen auf langfristige Einlagen wie für mehrere Jahre angelegtes Festgeld oder Sparbriefe. Mittelbar profitieren Verbraucher außerdem bei der Altersvorsorge: Der gesetzlich festgeschriebene Garantiezins auf Lebensversicherungen wird 2017 zwar weiter sinken. Bei einem insgesamt steigenden Zinsniveau besteht aber Hoffnung, dass die Versicherer über die Garantie hinaus wieder höhere Renditen erwirtschaften.
Müssen sich Kreditnehmer Sorgen machen?
Wer bereits ein Darlehen abgeschlossen hat, ist auf der sicheren Seite: In Deutschland werden Kredite in aller Regel mit einer Zinsbindung vergeben, die Sätze ändern sich also nicht. Wer jetzt eine Anschlussfinanzierung benötigt oder ein komplett neues Darlehen aufnehmen will, muss dagegen damit rechnen, etwas mehr zu zahlen als noch vor wenigen Monaten. Baudarlehen mit einer Zinsbindung von zehn Jahren beispielsweise haben sich laut Vergleichsportalen gegenüber dem Rekordtief im Oktober etwas verteuert. Im historischen Vergleich sind Bauzinsen allerdings immer noch sehr niedrig.
Sind Negativzinsen jetzt Geschichte?
Negativzinsen, also praktisch Gebühren für das Parken von Geld bei einer Bank, mussten bislang vor allem große Unternehmen zahlen. Nur einige wenige Banken führten Strafzinsen auch für Privatkunden mit sehr großen Guthaben ein. An diesem Phänomen dürfte sich so schnell nichts ändern: Solange die Geschäftsbanken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken, bleiben kurzfristige Einlagen von Großkunden eine Belastung für die Kreditinstute. Sie dürften sich daher weiter bemühen, solche Kunden unter Androhung von Strafzinsen von anderen Anlageformen zu überzeugen.
Nützt den Banken die Fed-Entscheidung?
Ja. Wie oben bereits beschrieben dürften in Europa vor allem die langfristigen Zinsen steigen. Das bedeutet für die Banken, dass sie mit langfristigen Darlehen mehr Geld einnehmen können – während sie auf die überwiegend kurzfristig angelegten Kundengelder auf Giro- und Tagesgeldkonten vorerst weiter niedrige Zinsen zahlen. Nicht ohne Grund waren die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank am Donnerstag die größten Gewinner im Dax.
Warum steigt der Dollar?
Die Entscheidung der Fed verschärft das Zinsgefälle zwischen den USA und dem Euroraum: In den Vereinigten Staaten liegt das Zielband für den Leitzins jetzt zwischen 0,5 und 0,75 Prozent, in der Währungsunion bleibt der Satz dagegen bei null. Da der Leitzins alle anderen Zinsen beeinflusst, werfen Geldanlagen in den USA tendenziell mehr ab als diesseits des Atlantiks. Dieser Umstand dürfte Investitionen in Dollar beflügeln – in Erwartung darauf decken sich Anleger schon jetzt mit der US-Devise ein. Währungsspekulationen sind aber riskant.
Hilft der schwache Euro-Kurs der Wirtschaft?
Für die stark von Exporten abhängige deutsche Wirtschaft ist die Talfahrt des Euro gegenüber dem Dollar zumindest kurzfristig von Vorteil. Denn in Euroland gefertigte Waren werden für Verbraucher außerhalb der Währungsunion günstiger, was die Absatzchancen der Exportunternehmen erhöht. Geschmälert wird dieser Vorteil allerdings, wenn ein Unternehmen viele Vorprodukte auf dem Weltmarkt kaufen muss. Öl und viele andere Rohstoffe etwa werden in Dollar gehandelt, ihre Einfuhr wird durch den starken Dollar also teurer.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Die steigenden Kosten für Öl-Importe bedeuten, dass die Preise für Sprit und Heizöl weiter steigen dürften. Wenn Unternehmen erhöhte Produktionskosten an ihre Kunden weitergeben, werden auch die Verbraucherpreise insgesamt zulegen. Außerdem werden Reisen in die USA teurer.
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