Nach der EZB dürfte auch die US-Notenbank die Zinsschraube lockern. Trumps preistreibende Agenda könnte die Fed aber zu Kursanpassungen zwingen.
Die US-Notenbank Federal Reserve tagt zum letzten Mal in diesem Jahr – eine weitere Senkung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt ist an den Börsen fest einkalkuliert. Spannender ist jedoch, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Hier könnten Fed-Chef Jerome Powell und Co. die Markterwartungen enttäuschen.
„America first“ könnte Inflation wieder anfachen
Ein Grund dafür ist der US-Regierungswechsel. Die auf Zölle, Steuersenkungen, Deregulierung und Abschiebungen ausgerichtete „America first“-Agenda des künftigen Präsidenten Donald Trump könnte die Inflation wieder anfachen. Das würde bedeuten, dass die Währungshüter die Zinsen im kommenden Jahr nicht so stark wie von Anlegern erhofft weiter senken könnten.
Im September hatten die Projektionen der US-Notenbanker für 2025 noch vier Zinsschritte nach unten angedeutet. Nach Trumps Wahlsieg scheint dieses Tempo jedoch zu hoch. Mit Spannung erwarten die Märkte nun die aktualisierten Prognosen. „Da die Inflation weiterhin hartnäckig bleibt und der designierte Präsident Trump eine Stärkung des US-Wachstums anstrebt, dürfte die Fed für 2025 ein vorsichtigeres Profil der geldpolitischen Lockerung signalisieren“, meint ING-Bank-Ökonom James Knightley.
Langsameres Zinssenkungstempo im nächsten Jahr erwartet
Auch Expertin Tiffany Wilding vom Anleiheinvestor Pimco geht davon aus, dass die Fed Zinsfantasien dämpfen wird: „Wir erwarten eine Anhebung der Zinsprognose, um den Weg für ein langsameres Senkungstempo im nächsten Jahr zu ebnen.“ Die meisten Volkswirte rechnen derzeit damit, dass die Notenbank im kommenden Jahr drei weitere geldpolitische Lockerungen beschließt.
Bis zum ersten Zinsschritt 2025 dürfte es aber dauern. „Die Entscheidung im Januar könnte eine Pause sein, da die Inflation hartnäckig über 2,5 Prozent bleibt und die wirtschaftliche Unsicherheit in der Woche zwischen Trumps Amtseinführung und der nächsten Fed-Sitzung wohl höher ist“, sagt Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann.
Entscheidungen nicht nur für Finanzwelt von hoher Bedeutung
Chefanlagestratege Bernd Meyer von der Privatbank Berenberg erwartet sogar, dass die US-Währungshüter über einen deutlich längeren Zeitraum stillhalten. Er sieht den Leitzins Ende 2025 noch immer bei hohen 4,25 Prozent bis 4,50 Prozent – das wäre nur ein Viertelprozentpunkt unter dem aktuellen Niveau. Meyer rechnet damit, dass die US-Wirtschaft im kommenden Jahr weiter boomt und die Teuerung nur langsam sinkt.
Die Entscheidungen der US-Notenbank sind nicht nur für die Finanzwelt von hoher Bedeutung. Die Zinsdifferenzen zwischen den großen Währungsräumen haben großen Einfluss auf die Wechselkursentwicklungen, von denen wiederum abhängt, zu welchen Preisen Exporte verkauft werden können oder wie teuer der Urlaub im Ausland ist.
Starker Dollar belastet US-Außenhandel
Derzeit liegt der Leitzins in den USA deutlich höher als in der Eurozone. Das sorgt tendenziell für Kapitalzuflüsse, die den Dollar aufwerten lassen. Gegenüber dem Euro hat die US-Währung in diesem Jahr bereits um fünf Prozent zugelegt. Für Trump, der die USA mit höheren Zöllen wettbewerbsfähiger im Welthandel machen will, ist das ein Problem. Denn der starke Dollar belastet den Außenhandel, er verteuert US-Güter auf den internationalen Märkten und verringert die Auslandseinnahmen von US-Konzernen.
Sollte die Fed an einem erhöhten Zinsniveau festhalten und Trump damit bei seinem protektionistischen Wirtschaftsplänen in die Parade fahren, dürfte es rasch wieder zu Spannungen kommen. Bereits während seiner ersten Präsidentschaft hatte Trump an der Notenbank kein gutes Haar gelassen.