Sie sprachen mehr als eine Stunde: US-Milliardär Elon Musk und AfD-Chefin Alice Weidel. Foto: dpa/Evan Vucci,Kay Nietfeld

Zwei Stühle, eine Meinung: So lief der Talk von US-Milliardär Elon Musk und Alice Weidel ab. Weidel war schwach, die AfD dürfte aber profitieren. Das Format steht für einen bedenklichen gesellschaftlichen Trend, kommentiert unser Redakteur Tobias Peter.

Zum Lügen gehören immer zwei: einer, der lügt, und einer, der es glaubt. Es ist eine hochproblematische Entwicklung, dass Menschen sich zunehmend nur in ihrer eigenen Blase austauschen. Es fehlt an Widerspruch, wenn die Unwahrheit verbreitet wird. Aus Unsinn wird schnell Unsinn hoch drei, weil Menschen sich gegenseitig in einer kruden Weltsicht bestätigen.

 

Der US-Milliardär Elon Musk und AfD-Chefin Alice Weidel haben dieses Phänomen in ihrem Gespräch auf der Social-Media-Plattform X vorgeführt. Musk, Besitzer von X, hat Weidel die Chance gegeben, für ihre Partei zu werben, ohne dass er kritische Fragen gestellt hätte. Man braucht keinen Geschichtsprofessor, um zu wissen, dass Weidels Behauptung, Hitler sei Kommunist gewesen, hanebüchen ist.

Es ist, nebenbei bemerkt, auch eine seltsame Auffassung von Patriotismus, dass Weidel vor internationalem Publikum über ihr eigenes Land lästert und behauptet, die jungen Leute würden in der Schule und der Universität nur etwas über Gender Studies lernen. Es gibt einiges an deutschen Schulen, was sich verbessern muss. Aber für diese anstrengende politische Arbeit interessiert Weidel sich nicht, sondern in erster Linie dafür, mit billigen Sprüchen ein paar schnelle Propagandapunkte einzusammeln.

Das Startgeschenk des Elon Musk

Kann Weidel also von ihrem Auftritt mit dem US-Milliardär profitieren? Sie hat ihre Chance schlecht genutzt. Musk macht Weidel in dem Gespräch ein Startgeschenk, indem er sie einfach nur darum bittet, das Programm der AfD vorzustellen. Die leicht gestammelte Antwort erinnert an jemanden, der sich auf ein Referat schlecht vorbereitet hat. Ob Weidels unterwürfige Schwärmerei für den Amerikaner bei allen potenziellen AfD-Wählern wirklich gut ankommt, darf man bezweifeln.

Doch fraglos profitiert die AfD davon, dass sie von Musk, einem erfolgreichen Unternehmer und engem Berater Donald Trumps, unterstützt wird. Um Musks Gunst hatte auch FDP-Chef Christian Lindner gebuhlt. Wichtige Vertreter der deutschen Wirtschaft wissen, wie gefährlich Erfolge der in Teilen rechtsextremen AfD für die Exportnation Deutschland sind. Zumal das Land Fachkräfte aus dem Ausland braucht. Musks Unterstützung hilft der AfD, über diese Zusammenhänge hinwegzutäuschen.

Was im Fußballverein passieren muss

Langfristig bleibt die große Frage, wie der Trend zur immer stärkeren Aufspaltung der Gesellschaft in eigene Welten – gerade, aber nicht nur am rechten Rand – aufgehalten werden kann. Eine einfache Antwort und erst recht einen einfachen Weg gibt es nicht.

Gefordert sind Politiker, die auch jenseits von Wahlkämpfen ständig das Gespräch mit den Menschen suchen. Es stimmt aber auch: Jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten. Auch im Fußballverein unter der Dusche sollten extreme Sprüche zurückgewiesen werden. Der Kampf gegen Fake-News beginnt am Tresen in der Kneipe. Wichtig ist, das Gespräch nicht abzubrechen – eben solange Menschen für die Demokratie nicht verloren sind.

Ein Problem ist nicht ohne Weiteres lösbar. Da die Algorithmen großer Kommunikationsplattformen oft entscheiden, was die Nutzer sehen und was nicht, haben Menschen wie Elon Musk eine Riesenmacht, und das ohne demokratische Legitimation. Die Politik kann und muss Regeln setzen. Der Einzelne kann und muss sich das Problem bewusst machen.

Unternehmerisches Genie bringt gesellschaftliche Verantwortung mit sich. Wenn Menschen wie Musk oder auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg diese Schuhe zu groß sind, können Gesellschaften darüber gehörig ins Stolpern geraten.