Bewohner eines benachbarten Hochhauses beobachten mehrere Tage lang merkwürdige weiße Objekte hoch über den Stuttgarter Kelley Barracks. Es könnte eine ganz einfache Erklärung geben – doch sicher ist das nicht.
Die Bewohnerin der Hochhaussiedlung Asemwald ist ratlos. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt sie. Aus den oberen Stockwerken seien vor etwa einer Woche zwei auffällige weiße Objekte am Himmel zu erkennen gewesen. Hoch über den Kelley Barracks der US-Armee nebenan. „Die beiden runden Objekte waren die ganze Nacht über zu sehen, aber auch bei Tag, nur schlechter. Sie haben sich dabei kaum von der Stelle bewegt.“ Nach einigen Tagen seien sie verschwunden.
Auch Nachbarn haben die Erscheinung entdeckt. Man könne sich das nicht erklären, heißt es im Asemwald. Und es kommt schnell die Frage auf, ob es sich möglicherweise um Spionageballons gehandelt haben könnte. Schließlich seien die Objekte direkt über einer wichtigen Militäreinrichtung gesichtet worden. Und sie wurden fotografiert – zwar unscharf, aber erkennbar. Auf dem Bild ist die Ähnlichkeit mit entsprechenden Ballons tatsächlich groß.
Bei der Suche nach Antworten stellt sich zumindest eines schnell heraus: Falls es tatsächlich einen solchen Vorfall in Deutschland geben sollte, wäre er wohl vorüber, bevor überhaupt die Zuständigkeiten geklärt sind. In der Zentrale der Deutschen Flugsicherung, die auch am Stuttgarter Flughafen präsent ist, weist man darauf hin, dass man in erster Linie den Flugverkehr überwache. Zuständig sei das Luftfahrtamt der Bundeswehr. Dort verweist man darauf, dass für den Luftraum über US-Kasernen die Amerikaner Auskunft geben müssten.
Die geben sich erwartungsgemäß zugeknöpft. „Wir haben leider keine Informationen über die Objekte. Daher möchten wir Sie darauf verweisen, die lokalen hierfür zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland zu kontaktieren, die für die Überwachung von Aktivitäten im Luftraum zuständig sind“, sagt eine Sprecherin der US-Garnison Stuttgart.
Gerangel um die Zuständigkeit
Bei der Stuttgarter Polizei und bei der Deutschen Flugsicherung berichtet man ebenfalls, keine Kenntnis über die Objekte zu haben. Allerdings machten die Luftverkehrsexperten in den vergangenen Wochen eine interessante Beobachtung. „In jüngerer Zeit bekommen wir relativ viele solche Anfragen über vermeintliche Spionageballons. Das hat angefangen, als in den Medien über den Abschuss über dem US-Luftraum berichtet wurde“, sagt ein Sprecher. Bestätigt hätten sich solche Beobachtungen bisher aber nicht. Auch nicht im Luftraum über Stuttgart. Zumal sich Spionageballons eigentlich bewegen müssten.
Bleibt also ein Verdacht. Und der lautet: Es hat sich nicht um Flugobjekte, sondern schlicht um Planeten gehandelt. Diese Theorie halten Fachleute für die wahrscheinlichste. „Von der Beschreibung, Himmelsrichtung, Helligkeit und auch Ausrichtung im Bild bin ich mir sehr sicher, dass es sich bei dem beobachteten Phänomen um die enge Konjunktion von Venus und Jupiter gehandelt hat“, sagt Andreas Eberle, Vorsitzender der Schwäbischen Sternwarte. Kommt dies vor, sind die beiden Planeten auch ohne Fernglas zu sehen: sehr nah beieinander und auffallend hell.
Eine besondere Planetenkonstellation?
Das allerdings passt nicht zu den Aussagen, die Objekte seien die ganze Nacht über sichtbar gewesen, hätten sich kaum bewegt und seien nach einigen Tagen wieder verschwunden gewesen. Dafür hat Andreas Eberle eine mögliche Erklärung parat: „Hier ist meine Erfahrung, dass ungeübte Beobachter sehr häufig den beobachteten Zeitrahmen und die damit einhergehende Erdrotation falsch einschätzen. Da fühlt sich ein Zeitraum von zwei Stunden, in denen man das gut sehen konnte, schnell wie die ganze Nacht an“, sagt er.
Die Beobachter aus dem Asemwald allerdings bleiben dabei, die Objekte seien nicht nur für wenige Stunden zu sehen gewesen. Eine Verwechslung mit besonders hellen Planeten? Oder doch etwas ganz anderes? So ganz aufklären lässt sich das Phänomen derzeit wohl nicht.