Einzigartige Konstruktion: Das US-Kipprotor-Wandelflugzeug Bell-Boeing V-22. Foto: dpa/Shawn_Thew

Das auffällige Manöver mit Flugzeugen der Spezialkräfte der US-Luftwaffe im Raum Stuttgart beschäftigt seit Montag viele Anwohner. Vereinzelt gibt es auch Beschwerden wegen des Lärms. Doch ein Ende ist in Sicht.

Die amerikanische Militärübung, die Anwohner rund um die Panzerkaserne in Böblingen, in Leinfelden-Echterdingen sowie in den Stuttgarter Stadtteilen Vaihingen und Möhringen tagelang beschäftigt hat, wird an diesem Samstag abgeschlossen. Das teilte das US-Militär auf Anfrage mit. „Zwei CV-22B Ospreys unterstützen in dieser Woche eine Übungsmission der US-Heeresgarnison“ teilte die Sprecherin Dayna Rowden mit Blick auf das eingesetzte Kipprotor-Wandelflugzeug „Fischadler“ mit.

 

Seilwindenoperation aus 30 bis 45 Metern

Bei dem Training auf dem Übungsgelände in Böblingen sei es darum gegangen, die Bergung von Verletzten aus der Luft zu üben, so die Sprecherin weiter. Dabei übermittle ein Controller am Boden unter anderem „alle relevanten Informationen über den Standort, die Verletzung, wie und wo das Flugzeug landen soll und die Bedrohungslage“, beschreibt Rowden Details der Übung. Das Flugzeugteam, das wie die Flugzeuge zu den Spezialkräften der US-Luftwaffe gehört, plane in der Luft, wie die Bergung durchzuführen sei. Normalerweise erfolgt die Evakuierung per Landung. Sie kann aber auch mit einer Seilwinde durchgeführt werden. Seilwindenoperationen finden nach Angaben des US-Militärs normalerweise in einer Höhe von 30 bis 45 Metern über dem Boden statt. Alles ganz normale Übungsroutine, und eigentlich nichts Besonderes, so Rowden.

Seit Montag waren die ungewöhnlich aussehenden und laut knatternden amerikanischen Fluggeräte zahlreichen Anwohnern aufgefallen. Eine Frau in Stuttgart-Vaihingen beklagte etwa in den sozialen Medien: „Die fliegen so tief, und es ist so laut. Unsere Tiere drehen jedes Mal durch.“

Das US-Militär ist notorisch sparsam mit Informationen zu ihren Militäraktivitäten. „Operationssicherheit“ wird großgeschrieben. Und dafür gibt es Gründe, in Zeiten, in denen gut zwei Flugstunden östlich von Stuttgart der blutige Krieg in der Ukraine tobt. Gerade wurde in London ein Agentenring um den Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek verurteilt, der unter anderem auch US-Militäreinrichtungen in Stuttgart ausspioniert haben soll.

Komplexes Fluggerät

Einiges aber lässt sich auch erschließen: Nahe der Böblinger US-Kaserne existiert ein militärisches Übungsgelände, auf dem die dort stationierten US-Spezialkräfte des Heeres und der Marine, die sogenannten Green Berets und Navy Seals, trainieren. In den vergangenen Jahren haben sich Bewohner rund um den Schießstand der Army immer wieder über den Schießlärm der dort übenden US-Spezialkräfte beklagt. Die beiden Ospreys flogen vom Böblinger Übungsgelände zum Stuttgart Army Airfield.

Die Bell-Boeing V-22 Osprey war zuletzt häufig am Himmel in der Region Stuttgart zu sehen. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Amy Katz

Bei der Bell-Boeing V-22 Osprey (zu deutsch: Fischadler) handelt es sich um ein komplexes Fluggerät mit Rotorblättern über Flügelverlängerungen. Das ermöglicht vertikale Starts und Landungen, aber auch einen schnelleren Flug wie ein Flugzeug mit festen Flügeln. Das US-Militär setzt den Fischadler bei der Bergung abgeschossener Piloten oder eingeschlossener Einheiten ein. Die Osprey wurde aber vor allem für die US-Marineinfanterie entwickelt, die ihn für Truppenverlegungen und Nachschub benutzt.

Wegen ihres besonderen Konstruktionsdesigns blickt die Osprey auf eine Geschichte mit zahlreichen Abstürzen und Toten zurück: Mehr als 60 Tote werden mit Unfällen des Flugzeugs in Verbindung gebracht, seit die US-Marineinfanterie in den frühen 90er-Jahren den Flugbetrieb aufnahmen. Zuletzt starben Ende 2023 bei einem Absturz vor einer südjapanischen Insel acht Spezialsoldaten der US-Luftwaffe.