Venezuelas Präsident Nicolas Maduro bei einer Demo in Caracas: Die US-Regierung will, dass er seine Macht abgibt. Foto: AFP/Juan Barreto

Die USA wollen Venezuela ihren Willen aufzwingen, um damit ein Exempel für die ganze Region zu statuieren, kommentiert Rainer Pörtner.

Mehr als 80 Menschen haben die Vereinigten Staaten bei Angriffen auf Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler in der Karibik bereits getötet. Das US-Militär scheut auch nicht davor zurück, Überlebende auf See, die sich an die Reste ihres zerstörten Bootes klammern, durch einen zweiten Beschuss umzubringen.

 

Washington beruft sich bei den militärischen Einsätzen auf ein vorgebliches Recht „zur Selbstverteidigung“. Die Drogenschmuggler aus Venezuela seien Terroristen und führten Krieg gegen die USA, deshalb sei eine militärische Antwort gerechtfertigt. Diese Argumentation ist hanebüchen. In Wahrheit biegt die US-Regierung das Recht so lange, bis es für sie passt.

Einflussgebiet der USA

US-Präsident Donald Trump setzt seine Soldaten und Waffen ein, ohne einen offenen Krieg gegen Venezuela zu führen. Er will den venezolanischen Diktator Nicolas Maduro entmachten und ein neues Regime in Caracas sehen, das ihm hörig ist. Die Karibik, so signalisiert er damit den anderen politischen Führern in der Region, soll alleiniges Einflussgebiet der USA sein.

Das ist klassische Kanonenboot-Politik, wie sie die Welt aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert kennt: Ein militärisch weit überlegener Staat schickt seine Kriegsschiffe vor die Küste eines schwächeren Staates, um ihm seinen Willen aufzuzwingen. Trump lässt hier ein Exempel statuieren – und die Welt schaut ohne großen Widerspruch zu.