Ein Kampfhubschrauber der US-Marines landet auf dem amphibischen Landungsschiff USS Wasp im Mittelmeer. Foto: US-Navy

In der libyschen Küstenstadt Sirte sind regierungstreue Soldaten und Milizen auf dem Vormarsch. Die USA unterstützen sie dabei seit Anfang August verstärkt mit Luftschlägen. Dabei haben US-Marines zum ersten Mal Kampfhubschrauber eingesetzt.

Stuttgart - Bei der Operation „Odyssee Blitz“ (Odyssee Lightning) fliegt das US-Militär verstärkt Luftangriffe gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Libyen. Und das obwohl Präsident Barack Obama lange gezögert hat, nach 2011 erneut in dem nordafrikanischen Krisenstaat militärisch einzugreifen. Doch seit dem 1. August wurden nach Angaben des federführenden US-Afrika-Kommandos (Africom) in Stuttgart 77 Terrorziele in der Küstenstadt Sirte angegriffen, um den mit der Einheitsregierung verbündeten Kämpfern dabei zu helfen, den IS zu besiegen. Seit 2014 dient die Küstenstadt als Basis, um in Libyen einen Ableger der islamistischen Extremisten zu etablieren.

Africom setzt dabei vor allem auf die 22. Expeditionseinheit der US-Marineinfanterie vom Stützpunkt Camp Lejeune an der Atlantikküste im Südstaat North Carolina. Der Kampfverband mit 2200 Marineinfanteristen kreuzt für sechs bis acht Monate vor der libyschen Küste. Mit ihren eigenen Luft- und Bodentruppen kann die Expeditionsstreitmacht von ihren drei Schiffen auf See aus militärisch völlig autonom operieren. Bisher flogen die Marines ihre Luftangriffe ausschließlich mit ihren senkrechtstartenden AV-8B Harrier-Bodenkampfflugzeugen von der USS Wasp aus, einem älteren, 260 Meter langen amphibischen Landungsschiff.

Supercobras im Häuserkampf

An diesem Wochenende setzte Africom zum ersten Mal Kampfhubschrauber des Typs AH-1W Supercobra ein, die wesentlich tiefer und langsamer fliegen als die Jets. Am Sonntag hatten regierungstreue libysche Kämpfer gemeldet, sie seien in die letzten Stadtviertel von Sirte eingedrungen, die der IS noch kontrolliert. Der Kampf um Sirte tobt seit Monaten. Regierungstreuen Soldaten und Milizen gelang es in den vergangenen Wochen mit Luftunterstützung der USA, die Extremisten zurückzudrängen.

In dieser städtischen Umgebung ist der Kampfhubschrauber mit seiner 20-Millimeter-Bordkanone wesentlich besser geeignet, seine Ziele direkt anzugreifen als ein hoch im Himmel hunderte Kilometer schnell vorbeifliegender Kampfjet. Die Supercobras finden ihre Ziele am besten, wenn sie ihre Koordinaten von Leitoffizieren am Boden erhalten. Ob dies auch in Sirte der Fall ist, wollte Africom mit Blick auf Sicherheit ihrer Operation nicht preisgeben. In Sirte soll sich auch ein kleiner Trupp amerikanischer Spezialeinheiten aufhalten. Die große Mehrzahl der Zielkoordinaten für die bisherigen US-Luftschläge sollen aber, das berichten US-Medien, von Einheiten der libyschen Regierung stammen.

Rückschlag für politische Bemühungen

Die tief fliegenden Supercobras der Marines gehen ein erhebliches Risiko ein, vom Boden aus abgeschossen zu werden. Vor allem von schultergestützten Raketensystemen, wie sie in Libyen nach den Plünderung der gut gefüllten Waffenkammern des gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi weit verbreitet sind.

Einen herben Rückschlag erlitten unterdessen die internationalen Bemühungen, die Krise in dem zerrissenen Land politisch zu lösen. So hat das international anerkannte Parlament der von den Vereinten Nationen gestützten Einheitsregierung erst am Montag erneut das Misstrauen ausgesprochen.

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