Der alte und der neue Africom-Kommandeur: General Thomas Waldhauser (links), General Stephen Townsend (rechts) mit dem amtierenden stellvertretenden US-Verteidigungsminister Richard Spencer. Foto:  

Beim Stuttgarter US-Africom hat General Waldhauser das Kommando an General Townsend übergeben. Der neue Befehlshaber freut sich auf Deutschland.

Stuttgart - Afrika wird immer wichtiger in der Welt, nicht zuletzt wegen seines wachsenden Anteils an der Weltbevölkerung. Staaten und Unternehmen aus allen Teilen der Welt beeilen sich derzeit, sich mit diplomatischen, ökonomischen und militärischen Mitteln ihren Teil vom afrikanischen Kuchen zu sichern. Experten sprechen schon von einem neuen Wettlauf um Afrika.

Auch der aus Washington angereiste amtierende stellvertretende US-Verteidigungsminister Richard Spencer betonte am Freitag die zunehmende Bedeutung Afrikas, als er die Befehlsgewalt über das in Stuttgart beheimatete US-Afrika-Kommando (Africom) von Marineinfanteriegeneral Thomas Waldhauser an den Heeresgeneral Stephen J. Townsend übergab. „Afrika, das sind heute 1,3 Milliarden Menschen, 40 Prozent davon jünger als 14 Jahre.“ Bis 2050 werde sich die Bevölkerungszahl verdoppeln, so Spencer mit Blick auf Prognosen der Vereinten Nationen. „Dann wird jeder vierte Erdenbewohner in Afrika leben.“

Vorsichtiger Optimismus für Somalia

Rund 7000 US-Soldaten und Zivilangestellte kümmern sich in zahllosen Missionen um die vielen Sicherheitsprobleme auf einem Kontinent dreieinhalb mal so groß wie die USA. „Zu sagen, wir verlangen viel von Africom, ist eine Untertreibung“, sagte der Mann aus dem Pentagon. Und auch wenn die Antiterroreinsätze meist die größte Aufmerksamkeit erhalten, zählten 80 Prozent der Africom-Aktivitäten zur „stillen Arbeit“ – zu Übungen und Ausbildung afrikanischer Soldaten, so Spencer.

Auffallend bei der Kommandoübergabe in den Patch Barracks, eigentlich Gelände des US-Hauptquartiers für Europa (Eucom): die zahlreich vertretenen hochrangigen Militärs etwa aus Nigeria, Mauretanien oder dem Senegal. Ein Zeichen der Wertschätzung für den Marineinfanteriegeneral Waldhauser, der sich nach 43 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedete.

Seine dreijährige Amtszeit war vor allem geprägt von Antiterrormissionen von der Sahelzone über Libyen bis nach Somalia. In diesem Jahr haben die USA bereits 46 der umstrittenen Luftschläge in dem Krisenstaat gegen die Terrormilizen Al-Shabaab und Islamischer Staat am Horn von Afrika geflogen. Zum Vergleich: 2018 waren es insgesamt 47. „Der schrittweise Fortschritt gibt uns Grund zu vorsichtigem Optimismus“, sagte Waldhauser zur Lage in Somalia.

Partner Deutschland

In seine Zeit fiel auch der Tod von vier US-Soldaten im Niger im Oktober 2017 und die politische Debatte danach über den Sinn dieses Einsatzes. Ende 2018 verkündete US-Präsident Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton eine neue Strategie für Afrika: Mit Blick auf China und Russland sprach er von einer neuen Ära der „Konkurrenz der Großmächte“. Gleichzeitig plant Africom, sein Personal in Afrika bis 2022 um 10 Prozent zu reduzieren. Und trotzdem: „Die von Africom aufgebauten starken und vertrauensvollen Beziehungen verstärkten den US-Einfluss“, so Waldhausers Bilanz auch mit Blick auf humanitäre Einsätze.

Nachfolger Townsend, zuletzt Befehlshaber des Ausbildungskommandos des Heeres in Fort Eustis, Virginia, wird Trumps neue Afrika-Strategie konkret umsetzen müssen. „Wir werden weiter mit unseren afrikanischen und internationalen Partnern kooperieren“, sagte er. Dazu zählte er ausdrücklich Deutschland. Der energiegeladene Offizier freute sich fast wie ein kleiner Junge, dass es ihm nach vielen Jahren gelang, in dem Land zu dienen, in dem er 1959 geboren wurde.

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