In Mali wie auch in der Ukraine im Einsatz: die regierungsnahe russische Söldneragentur Gruppe Wagner Foto: imago/Siegra Asmoel

Die Verantwortlichen im Stuttgarter Africom, dem Kommando der US-Streitkräfte für Afrika, beschreiben das Eingreifen russischer Söldner im Sahel als zerstörerisch. Und bauen umso mehr auf ein weiterhin starkes Engagement der Bundeswehr in der Region.

Während Außenministerin Annalena Baerbock die Sahelstaaten Mali und Niger besucht, kommt von amerikanischer Seite Lob für das Engagement der Bundeswehr in diesen Ländern: Botschafter Andrew Young und Generalleutnant Kirk Smith, die Stellvertreter des Kommandeurs im Africom, dem Stuttgarter Kommando der US-Streitkräfte für Afrika, nennen die deutsche Operation im Niger ein „Rollenmodell“. Außerdem sprechen sie über US-Kampfeinsätze in Somalia und die Zukunft des Africom.

 

Wie stark beeinträchtigt der Krieg in der Ukraine Ihr Engagement in Afrika?

Young Dieser Krieg hat unser Engagement nicht verändert, geschweige denn gestoppt. Er hat auch die Ausrichtung von Africom auf Allianzen, unseren Fokus darauf, den Zusammenhalt mit unseren Partnern zu stärken, nicht abgelenkt. Schließlich verweist uns dieser Krieg doch unmittelbar darauf, wie wichtig Allianzen und ihr Zusammenhalt sind.

Seit einiger Zeit teilt sich Africom einen erheblichen Teil seiner militärischen Kapazitäten mit Eucom, dem Kommando der US-Streitkräfte für Europa. Was bedeutet deren Beanspruchung durch die Ukraine-Krise für Ihre Einsatzbereitschaft?

Smith Unsere Einsatzbereitschaft ist an keiner Stelle negativ berührt – auch wenn einige Truppenteile sowohl Africom als auch Eucom zugeordnet sind. Wir haben unser Engagement in Afrika nirgendwo verringern müssen. Vor allem haben die Belastungen in Europa nicht das Geringste an unserer Haltung zu unseren Partnern in Afrika geändert.

Wenn sich Russland einmischt

Africom hat immer wieder Menschenrechtsverletzungen der regierungsnahen russischen Söldneragentur Gruppe Wagner in Afrika angeprangert. Jetzt ist Wagner auch in der Ukraine aktiv. Was verändert das in Afrika?

Smith Leider haben wir, was die Aktivitäten der Gruppe Wagner angeht, in Afrika überhaupt keine Veränderung festgestellt. Was wir gerade in Osteuropa sehen, ist allerdings genau das, was wir in Afrika seit Jahren sehen: Wagner bringt keine Stabilität, keinen Frieden – im Gegenteil.

Young: Wir gehen allerdings davon aus, dass der Einsatz der Gruppe Wagner in der Ukraine noch mehr Menschen und auch mehr Regierungen in Afrika vor Augen führt, was passiert, wenn sich Russland militärisch einmischt. Schauen Sie sich nur die ausgesprochen negativen Anmerkungen zu Wagner an, die zuletzt aus Kenia und aus Nigeria gekommen sind.

Begeistert von den Söldnern

Na ja, die Regierung Malis, das von Deutschland mit dem aktuell größten Einsatz der Bundeswehr unterstützt wird, baut seit vergangenem Jahr stark auf Wagner-Söldner – und äußert sich hochzufrieden.

Young Da geht es Deutschland, Frankreich, der EU, den UN mit ihrem großen militärischen Engagement im Sahel nicht anders als uns: Um einem Land helfen zu können, seine Stabilität und die Sicherheit seiner Bürger zu stärken, brauchen wir willige Partner. Gerade jetzt scheint die seit dem Militärputsch herrschende Regierung Malis kein williger Partner zu sein.

Frankreich zeigt sich frustriert und fährt sein militärisches Engagement massiv zurück. Hat das die Sicherheitslage im Sahel massiv verändert?

Smith Frankreichs Kurswechsel verändert die Lage, aber nicht komplett. Schauen Sie doch nur auf die tatkräftige Rolle, die Deutschland durch seine Beteiligung an der EU-Ausbildungsmission EUTM und an der UN-Friedenstruppe Minusma spielt. Unsere Verbündeten schauen gerade, wie sie sich auf die Veränderungen der Lage in Westafrika am besten einstellen. Und wir reden mit ihnen darüber, wie wir sie dabei am besten unterstützen können.

Robustere Mandate für deutsche Truppen?

Deutsche Generäle sagen, das Mandat für Minusma müsste viel robuster werden, um den Einsatz ohne das starke französische Engagement sinnvoll fortzusetzen. Sehen Sie das ebenso?

Smith Länder wie Deutschland, die sich dort engagieren, prüfen gerade, welche Risiken sie eingehen wollen und können. Das beantwortet dann auch die Frage, wie robust so ein Mandat sein muss.

Im deutschen Militär gilt der Einsatz von Kampfschwimmern als Spezialkräfte-Ausbilder in Malis Nachbarland Niger als Erfolgsmodell – geringe Kräfte, klarer Fokus, vergleichsweise große Wirkung. Auch Africom beteiligt sich an dieser Ausbildung. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?

Smith Die Operation Gazelle der Bundeswehr ist zweifellos zu einem Rollenmodell für diese Art militärischer Unterstützung geworden. Es basiert auf bilateralen Vereinbarungen des Empfängerstaats mit den jeweiligen Unterstützerländern. Das erleichtert Absprachen und Koordination. Vor allem: Der afrikanische Partner führt das Ausbildungsprojekt, nicht das unterstützende Land.

Frankreichs umstrittene Rolle

Frankreichs Militäreinsätze in den Sahelstaaten werden von vielen Bürgern dort eher als Teil der Sicherheitsprobleme, nicht der Lösung beschrieben. Zu Recht?

Young Es gibt darauf keine Schwarz-Weiß-Antwort. Europäer und Amerikaner können afrikanischen Ländern dabei helfen, Bedrohungen zu begegnen. Letztlich ist es aber immer die Bevölkerung, die sich diesen Bedrohungen entgegenstellen muss. Es sind immer die afrikanischen Partnerstaaten, die definieren, wie sie den Schutz ihrer Bürger sicherstellen. In unserem Interesse liegt es, dass sie dabei erfolgreich sind.

Mit Kampftruppe in Somalia

Der Chef Ihres Hauses, General Steven Townsend, hat kürzlich vor dem US-Senat ausgeführt, dass Somalia das einzige afrikanische Land ist, in dem Africom Kampfoperationen führt. Vor 15 Monaten haben Sie Ihre Truppen dort abgezogen. Ist das kein Widerspruch?

Smith Wir hatten von unserer damaligen Regierung den Auftrag, unsere Kräfte in Ostafrika umzugruppieren. Dem sind wir gefolgt, pflegen aber intensiv unsere Beziehung zu unseren somalischen Partnern. Wir unterstützen sie mit Ausbildung und hin und wieder mit dem Einsatz kleiner amerikanischer Kampfverbände.

Warum schenken die USA Somalia so große Aufmerksamkeit?

Young Gerade stimmen wir mit der zivilen Führung in Washington ab, welche Haltung wir da zukünftig einnehmen, haben unseren Rat dazu gegeben. Generell gilt: Wir wünschen uns ein geeintes, friedliches Somalia. Dazu braucht es eine frei gewählte Regierung, die das ganze Land repräsentiert. Der Prozess dahin ist aber ins Stocken geraten. Denn die Sicherheitslage hat sich verschlechtert in den vergangenen Monaten, sobald wir den Fokus etwas weggenommen hatten vom Kampf gegen die Terrororganisation Al-Schabab.

Zukunft in Stuttgart

Wie steht es um den Abzug von Africom aus Stuttgart? Präsident Trump hat ihn befohlen, Präsident Biden auf Eis gelegt.

Smith Das Kommando arbeitet an keinerlei Plänen, von Stuttgart wegzuziehen. Was es dazu gab, ist komplett vom Tisch.