Das Sportgericht des Fußball-Bezirks Stuttgart/Böblingen hat unter anderem Urteile über die Vorkommnisse rund um das Finale des Bernhausener Hallenturniers und des Spielabbruchs zwischen Ermis Metanastis Stuttgart und dem SV Sillenbuch gesprochen.
Vergangene Woche traf sich das Bezirkssportgericht. Auf der Tagesordnung der sportlichen Richter standen die Bearbeitung beziehungsweise Beurteilung mehrerer Vorfälle im Fußball-Bezirk aus der jüngsten Vergangenheit. Unter anderem waren die Vorkommnisse im Endspiel beim Hallenturnier des TSV Bernhausen Ende Dezember sowie der Spielabbruch des Spitzenspiels der Kreisliga A, Staffel 2, zwischen dem GFV Ermis Metanastis Stuttgart und dem SV Sillenbuch im November die Themen. In beiden Fällen bedeutete das Urteil nichts Gutes für die Übeltäter – sie wurden längere Zeit gesperrt, stehen ihren Teams also für viele Spiele nicht mehr zur Verfügung.
Artor Makaj kann sich für die nächsten Monate ein anderes Hobby als Fußball suchen, er hat sonntags frei – zwangsläufig. Für den Routinier des Kreisliga-B-Ligisten FK Kosova Bernhausen ist die Saison gelaufen, er wurde bis Saisonende (29. Juni) von den Bezirks-Sportrichtern gesperrt. Dabei holte er sich seine Strafe nicht auf dem Feld und auch nicht im Trikot ab. Vielmehr war er am 29. Dezember Zuschauer der Finalbegegnung beim Hallenturnier des TSV Bernhausen. Sein Team traf auf den Gastgeber. Nach einem Zweikampf an der Bande gerieten TSV-Akteur Mikail Gümüssu und Kosova-Spieler Dardan Gashi aneinander, woraufhin es zur Rudelbildung kam. Makaj, Gashis Cousin, eilte heran und schlug mit einer Tasche auf Gümüssu ein, traf diesen im Hals-Kopfbereich. Eine Stellungnahme von Kosova, die zudem zu spät beim Sportgericht eingegangen war, war zwecklos.
Auch deshalb, weil sowohl Michael Spörer, der Vorsitzende des Bezirks Stuttgart/Böblingen, als auch Marc Hetzel, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts, im Publikum saßen und das ganze Treiben in unmittelbarer Nähe mitverfolgt haben. Darüber hinaus bekommt Kosova Bernhausen noch eine Geldstrafe in Höhe von 200 Euro aufgebrummt. Übrigens, Kosova gewann das Finale mit 3:2 und wurde Turniersieger.
Glimpflicher kam Rafail Stavridis, der Angreifer des GFV Ermis Metanastis Stuttgart, weg. Er bekam eine Zehn-Spiele-Sperre aufgebrummt, weil er in der Partie am 17. November zuhause gegen den SV Sillenbuch den Schiedsrichter angerempelt hat und dieser daraufhin die Partie abbrach. Was war passiert? In dem hitzigen Spitzenspiel der Kreisliga A, Staffel 2, erzielten die griechischen Gastgeber in der siebten Minute der Nachspielzeit das vermeintliche Tor zur 2:1-Führung. Der Unparteiische entschied aber auf Abseits. „Daraufhin bildete sich eine Spielertraube“, berichtete damals der Bezirksvorsitzende Michael Spörer, der auch bei dieser Begegnung unter den Zuschauern weilte. Im Anschluss kam Stavridis angerannt und rempelte den Unparteiischen mit der Brust an. Dieser setzte die Vorgaben des Verbandes um, die besagt: sobald ein Unparteiischer körperlich angegangen wird, wird abgebrochen. Dementsprechend hat der Ermis-Angreifer wegen „Unsportlichen Verhaltens und des Verschuldens eines Spielabbruchs“, so das Urteil, die Strafe aufgebrummt bekommen. Bei den letzten zwei Partien der Hinrunde stand Stavridis schon nicht mehr auf dem Platz, sodass er nur noch acht Spieltage zuschauen muss.
Übrigens, der Strafenkatalog des Verbandes sieht bei einem tätlichen Angriff, also das Schlagen gegen den Unparteiischen eine Mindeststrafe von vier Monaten vor. Im Fall von Stavridis „lag das aber nicht vor“, sagt Bezirkssportgericht-Chef Marc Hetzel. Folgen hat die selbe Partie auch für Stavridis Mannschaftskameraden Christos Siaminos. Für diesen war die Begegnung bereits nach 76 Minuten beendet – wegen Schiedsrichterbeleidigung bekam er die Rote Karte gezeigt. Die Sportrichter ahndeten sein verbales Vergehen mit einer Sperre von drei Spielen, zwei hat er davon bereits abgesessen. Zudem hat das Urteil auch Folgen für den Club Ermis Metanastis Stuttgart und die Tabelle. Neben der Geldstrafe von 250 Euro wird die Partie als 0:3 verloren gewertet. Bedeutet: drei Punkte gehen auf das Sillenbucher Konto. Damit klettern diese in der Tabelle auf Platz zwei und haben nur noch drei Punkte Rückstand auf den Klassenprimus TSV Jahn Büsnau. Ermis als Tabellenfünfter hat dagegen weiterhin sieben Punkte Rückstand auf die Spitze.
Indes haben Artor Makaj von Kosova und Rafail Stavridis von Ermis eines gemeinsam: Ihnen wurde vom Gericht der Besuch eines Gewaltpräventionskurs noch aufgebrummt.
Einen Platz vor dem griechischen Team von Ermis ist der MK Makedonjia Stuttgart angesiedelt. Auch dieser war Thema beim Treffen des Sportgerichts. 500 Euro muss der Verein berappen. Grund: Zuschauer beleidigten am Rande der Heimpartie gegen Büsnau am 10. November den Unparteiischen. Auch hier war ein Vertreter des Bezirks anwesend, sodass die Zuschauer dem Makedonija-Lager zugeordnet werden konnten.