Das griechische Urlaubsflaggschiff Mykonos scheint in Schieflage geraten zu sein. Foto: dpa/Andrea Warnecke

Auf der griechischen Schickeria-Insel deutet sich eine Tourismusflaute an. Es kommen weniger Besucher als im Vorjahr. Das könnte die Quittung für die Wucherpreise sein, die viele Wirte von ihren Gästen verlangen.

Mykonos gehört zu den griechischen Postkartenmotiven schlechthin: die weiß getünchten Kykladenhäuser, die Kapellen mit ihren rot gestrichenen Kuppeln, das tiefblaue Meer, der wolkenlose Himmel, die malerischen Strände. Aber der Ruf der Insel hat gelitten. Jahr für Jahr drehten Hoteliers, Tavernenwirte und Barbesitzer an der Preisschraube. Jetzt ist die Schmerzgrenze erreicht.

 

Abgezockte Reisende berichten in den sozialen Medien von Horrorerlebnissen. Ein Snack und ein Glas Bier, und schon sind 50 Euro weg. „Nie wieder Mykonos“ – immer öfter sind im Internet solche Warnungen zu lesen.

700 Euro pro Tag für zwei gepolsterte „VIP-Luxusliegen“

Für Normalurlauber ist die Insel kaum mehr erschwinglich. Im Juli kostet selbst ein bescheidenes Doppelzimmer in einer Zwei-Sterne-Pension um die 150 Euro pro Nacht. Für die Unterkunft in einem der Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels werden oft zwischen 400 und 800 Euro pro Übernachtung aufgerufen.

Richtig zur Sache geht es an den Stränden. Für eine Liege und einen Sonnenschirm muss man pro Tag rund 50 Euro bezahlen. Viele Strandbars verlangen für gepolsterte Luxusliegen in der ersten Reihe mehrere Hundert Euro. Eine bekannte Beach-Bar am Strand von Psarou berechnet Tagesmieten von bis zu 700 Euro pro Tag für zwei gepolsterte „VIP-Luxusliegen“ aus Mahagoni. Davon entfallen 200 Euro auf die Liegen und 500 Euro auf Snacks und Getränke. Diese „Pauschale“ muss man bezahlen, auch wenn man weniger verzehrt. Ein lohnendes Geschäft für den Unternehmer: Er zahlt an die Gemeinde Mykonos für die Pacht von rund 1000 Quadratmeter Strand knapp 90 000 Euro in der Saison. Diesen Betrag kann er mit der Vermietung der Liegen spielend an ein, zwei Tagen einnehmen.

Wer es sich auf seinem eigenen Handtuch bequem machen möchte, muss mitunter lange nach einem Plätzchen suchen, denn die meisten Strände sind mit Liegen zugestellt. Immer wieder machen Urlauber auf Reiseportalen wie Tripadvisor ihrem Ärger über die Wucherpreise in den Bars und Restaurants Luft – unter Überschriften wie „Abzocke“, „Touristenfalle“ oder „griechische Gauner“. Darunter sind dann Quittungen wie diese abgebildet: 25 Euro für ein gezapftes Bier, 18 Euro für einen Tomatensaft, 70 Euro für ein Glas Prosecco, 98 Euro für eine Portion Calamari.

Zu den angesagtesten Vierteln auf der Insel gehört Little Venice. Hier genießen viele Urlauber den malerischen Sonnuntergang. Billig ist das Vergnügen aber nicht: Ein Cocktail in den Bars mit Ausblick aufs Meer kostet selten weniger als 30 Euro. Ein Reisender berichtete nach einem Besuch in einem bekannten Restaurant am Strand von Platys Gialos: „Für ein Abendessen haben wir 654 Euro bezahlt – eine Speisekarte hat man uns nie gezeigt.“ Ein anderer Gast erinnert sich: „Der Wirt wollte für drei Cocktails und eine Portion Pommes 417 Euro haben.“ Ein beliebter Trick vieler Restaurant- und Barbesitzer ist es, den Gästen keine Speise- und Getränkekarte vorzulegen, sondern die Bestellung gleich aufzunehmen. Die böse Überraschung kommt dann beim Bezahlen.

Gewalt- und Drogenkriminalität im Paradies

Mykonos macht auch in den griechischen Medien Schlagzeilen – aber anders, als es sich Tourismusunternehmer auf der griechischen Promi-Insel wünschen würden. Wo um diese Jahreszeit eigentlich gut betuchte Urlauber chillen und an einem Cocktail für 70 Euro nippen sollten, rücken jetzt Bulldozer an. Zwei bekannte Strandbars, das Nammos und das Principote, müssen illegal errichtete Gebäude abreißen. Beiden Unternehmen drohen empfindliche Strafen und sogar die Schließung. Auch bei anderen Strandrestaurants auf Mykonos sprechen jetzt Kontrolleure der Bauaufsicht vor, nehmen Maß und machen Fotos.

Jahrelang wurde auf Mykonos wild gebaut. Oft über Nacht nahmen Barbesitzer ganze Strandabschnitte in Beschlag und zogen immer neue Anbauten hoch. Polizei und Baubehörden sahen untätig zu – Stichwort: Korruption. Das änderte sich, als im März unbekannte Schläger den Archäologen Manolis Psarros bis zur Bewusstlosigkeit prügelten. Psarros hatte zuvor illegale Bauten zur Anzeige gebracht. Die brutale Attacke war ein Weckruf. Die Regierung hat jetzt Spezialermittler nach Mykonos entsandt. Die bisherigen Nachforschungen deuten auf mafiöse Strukturen hin, in die Barbesitzer, Mitarbeiter der Baubehörden, Lokalpolitiker und Polizeibeamte verwickelt sind.

Ein neuer Polizeichef soll jetzt die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen aussortieren und auf der Insel für Ordnung sorgen. Wachsende Sorge bereiten auch die zunehmende Gewalt- und Drogenkriminalität auf Mykonos. Die Insel zieht nicht nur den Jetset an, sondern in seinem Gefolge auch kriminelle Banden aus den Nachbarländern Albanien, Türkei und Italien. Das Ministerium für Bürgerschutz in Athen entsandte deshalb jetzt 100 Polizisten aus anderen Landesteilen sowie mehrere Zivilbeamte der Kriminalpolizei auf die Insel. Sie sollen dort als verdeckte Ermittler arbeiten.