Die „MS Insel Mainau“ ist nach dem Katamaran-Prinzip gebaut, ist aber ein Elektroschiff. Foto: Bodensee Tourismus /Theresia Keck

Lebensraum, Erlebnisgebiet, Naturparadies: Der Bodensee ist eine besonders schützenswerte Region. Hier engagieren sich schon seit Jahren viele Gastgeber und Anbieter. Und es sollen noch mehr werden.

Mit hektischem Geflatter nähert sich eine Ente dem Seeufer. Sie setzt zur Landung an und klatscht schließlich auf die sanft wogende Wasseroberfläche. Unterdessen nähert sich die „MS Insel Mainau“ ebenfalls dem Seeufer. Hätte man nicht zufällig zum See geschaut, man hätte sie nicht bemerkt. Wie ein Geisterschiff treibt sie heran, kein Motorengeräusch übertönt das Geschnatter der Ente, kein Dieselgestank vertreibt die frische Brise. Die „MS Insel Mainau“ ist das erste E-Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) und wurde im vergangenen Herbst in Dienst genommen.

 

Der Schiffsführer Jürgen Marin löst das Tau und bittet die kleine Besuchergruppe auf sein Schiff. Es wurde nach dem schnittigen Katamaran-Prinzip gebaut. „Oh ja, es irritiert auch mich, dass das Schiff gar keine Geräusche macht“, sagt Jürgen Marin und fügt hinzu: „Das ist wie beim Elektroauto, die Ruhe ist zwar angenehm, aber gewöhnungsbedürftig und man muss sehr gut aufpassen. Gerade jetzt zur Urlaubszeit, wo viele Freizeitsportler auf dem See unterwegs sind.“ Richtig schick ist die „MS Insel Mainau“. Alles ist in Weiß und verschiedenen Blautönen gehalten, das Solardeck sorgt für lebendigen Schatten auf dem Sonnendeck, die Stühle sind bequem, die Gänge breit, die Toiletten riesig. Die gemächliche Fahrt (12 km/h) ist nicht nur umweltfreundlich, sie ist auch eine optische und akustische Wohltat. So möchte man in Zukunft immer über den See schippern.

Zeitenwende auf dem Bodensee

Mit an Deck ist auch Charlotta Skoglund, die Umweltmanagementbeauftragte der BSB: „Das E-Schiff steht symbolisch für eine Zeitenwende auf dem Bodensee“, sagt Skoglund. „Unser Ziel ist, bis zum Jahr 2025 ein Schwesterschiff in Betrieb nehmen zu können. Und bis 2035 wollen wir die gesamte Bodensee-Flotte auf umweltfreundliche Antriebe umstellen.“

Der aufmerksamen Frau ist es wichtig zu sagen, dass für die BSB Umweltschutz alles andere als ein Trendthema sei. Schon seit über 20 Jahren engagiert sich das Unternehmen darin sowie für Artenschutz und Biodiversität. „Wir waren 2002 europaweit das erste Binnenschifffahrtsunternehmen mit einer gültigen Umwelterklärung“, betont Skoglund. Dass die Bodensee-Schiffsbetriebe schon zu einer Zeit auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz gesetzt hatten, als der Klimawandel noch in sehr weiter Zukunft zu liegen schien, hat vielleicht auch damit zu tun, dass man hier am Bodensee mit seiner besonderen Flora und Fauna genauer hinsieht und deshalb auch sensibler und früher auf Umweltveränderungen reagiert als in einer zugebauten Großstadt.

Der kleine Hafen von Immenstaad Foto: Annette Schwesig

Deswegen hat die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH vor einiger Zeit das Netzwerk „Echt nachhaltig“ gegründet. Das Ziel dieser Organisation ist, bestehende Gastgeber, Erzeuger und touristische Angebote zu bündeln und neue zu initiieren. Dadurch soll der Lebensraum und die Urlaubsregion Bodensee geschützt und bewahrt werden. Das Ziel ist, sowohl Gäste als auch Einheimische für das Thema zu sensibilisieren.

Mit dabei ist auch der Überlinger Weltacker. Das Freilichtmuseum befindet sich etwas außerhalb des bekannten Urlaubsortes und ist eines der beliebtesten und eindrücklichsten Umweltbildungsprojekte in Baden-Württemberg. Die Führerin Anette Wilkening sagt: „Wir zeigen auf 2000 Quadratmetern über 40 der weltweit am häufigsten angebauten Kulturen, und zwar maßstabsgetreu zum globalen Flächenverhältnis.“ Der Weltacker kostet keinen Eintritt: „Wir schenken Bildung“, sagt Wilkening und erklärt, dass sich die Besucher – Touristen, Schulklassen, Einheimische – spielerisch, klassisch oder interaktiv über Ackerkulturen, Futteranbau und Lebensmittelverschwendung informieren können. „Viel wichtiger aber ist, dass wir den Menschen vermitteln, dass ihr lokales Handeln weltweit Einfluss hat“, sagt Wilkening.

Zuversicht schenken

An einem Ende der Ausstellungsfläche liegen zwei Felder nebeneinander. Das eine ist sehr klein, das andere deutlich größer: Die kleine Fläche benötigt ein hungriger Mensch, der sich Spaghetti mit Tomatensoße machen möchte; die deutlich größere Fläche benötigt der Mensch, der dazu noch Hackfleisch essen will. Dieser Größenunterschied ist so einprägsam, dass das schwere Thema Klima und Ressourcenverbrauch auf einmal ganz leicht scheint. „Ja, wir können etwas tun. Wir wollen unseren Besuchern zeigen, dass sie sehr wohl etwas ändern können. Wir geben ihnen Handlungssicherheit und schenken Zuversicht“, sagt Anette Wilkening und lächelt.

Zum Netzwerk „Echt nachhaltig“ gehören auch Erzeuger, Restaurants und Hotels. Auch hier fällt auf, dass die meisten der Betriebe schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, umweltbewusst leben und produzieren. Zum Beispiel auf dem Burgunderhof in Hagnau. Seit rund 30 Jahren werden das kleine, hoch über dem Bodensee gelegene Hotel sowie das Weingut und die Destillerie komplett ökologisch bewirtschaftet.

Obstbaumeister Heiner Renn erzählt, dass seine Frau Andrea schon immer Wert auf umweltfreundlichen Anbau gelegt habe. „Meine Frau ist die erste ökologisch arbeitende Winzerin am Bodensee gewesen“, erzählt der 72-Jährige. Auch das Umweltbewusstsein der Renns hat viel mit der Verbundenheit zur Region, der Liebe zur Heimat zu tun. Wer ein so traumhaftes Stück Land besitzt, der will es schützen und bewahren.

Der Burgunderhof hoch über Hagnau Foto: Annette Schwesig

Auch der Biolandhof Kelly in Herdwangen hat vor 15 Jahren auf Biolandwirtschaft umgestellt. Und auch hier sind es vor allem die Frauen in der Familie, die den Umbau betrieben haben. Tochter Linda Kelly hat vor einigen Jahren durch Zufall entdeckt, wie vielfältig und gesund die Süßlupine ist. Die Hülsenfrucht ist vor allem als Kaffee-Ersatz bekannt, doch der schmackhaft geröstete Lupinenkaffee von Linda Kelly ist alles andere als ein labbriger Blümchenkaffee. Er schmeckt fein, hat kein Koffein, und er kommt im Unterschied zu richtigem Kaffee aus der Region.

Lupinenprodukte sind eine Alternative zu Soja Foto: Annette Schwesig

Die junge Unternehmerin, 2019 als „Landwirtin des Jahres“ ausgezeichnet, ist voller Ideen. „Die Lupine ist eine sogenannte Leguminose wie die Erbse oder Bohne und vielfältig einsetzbar“, sagt die 40-Jährige. Man könne aus ihr Porridge, Brot, Würze machen. Zudem könne sie importiertes Soja ersetzen. „Damit verringern wir die CO2-Belastung deutlich“, erklärt Kelly. Echt nachhaltig eben.

BODENSEE

Anreise
Mit der Bahn nach Überlingen oder Friedrichshafen. www.bahn.de. Dann weiter mit dem Bus.

Übernachten
Immenstaad: Ganz nah am See und am Jachthafen gelegen ist das Traditionshotel Seehof. Die Zimmer sind dezent im maritimen Stil eingerichtet und die meisten haben Seeblick. DZ/F ab 140 Euro. Sehr empfehlenswert ist auch das Restaurant, das vorwiegend mit regionalen Produkten kocht. www.seehof-hotel.de Friedrichshafen: Das Naturresort Gerbehof liegt etwas abgelegen, dafür ist es sehr ruhig und legt Wert auf Nachhaltigkeit. Die Zimmer im Haupthaus sind modern, die im Nebengebäude etwas altbacken, dafür günstig. Zu empfehlen ist das leckere Frühstück. DZ/F ab 90 Euro. www.gerbehof.de.

Essen und Trinken
Überlingen: Im Guten Taco gibt es regionales Fleisch und Gemüse in Bioqualität. Die Inhaber fördern gute landwirtschaftliche Praktiken und sorgen nebenbei für gute Stimmung im hübschen Gastraum. www.gutentaco.de Im Restaurant der Fischerfamilie Knoblauch kann man Fisch aus dem See sowie nachhaltig zugekauften genießen. www.knoblauch-bodensee.de Friedrichshafen: Im Hotel Maier gibt es frisches und regionales Slow Food auf hohem Niveau. www.hotel-maier.de

Aktivitäten
Den Überlinger Weltacker entdeckt man am besten mit einer Führung. Infos unter: www.ueberlinger-weltacker.de