Seit anderthalb Jahren gibt es die Urkornexperten, ein Zusammenschluss von zwölf Menschen, die einen ganz unterschiedlichen Blick aufs Thema haben. Foto: 7aktuell.de/Oskar Eyb

Die Urkornexperten, zu denen auch Vertreter aus Stuttgart-Hohenheim gehören, haben sich einen besonderen Adventskalender ausgedacht. Mitmachen kann jeder.

Hohenheim - Plätzchen aus Weizenmehl backen, das kann doch fast jeder. Aber wer hat sich in der Weihnachtsbäckerei schon einmal an Emmer- oder Einkornmehl rangetraut? Die Wenigsten, vermutet Friedrich Longin von der Universität Hohenheim. Und er kennt sich aus, denn bei ihm laufen die Fäden zusammen, wenn es um die drei Urgetreide-Sorten geht. Longin gehört auch zu den noch recht neuen Urkorn-Experten; das ist ein zwölfköpfiges Gremium, dem neben Wissenschaftlern Landwirte, Müller, Bäcker, aber auch Foodblogger angehören. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Dinkel, Emmer und Einkorn bekannter zu machen. Die Weihnachtszeit erscheint ihnen dafür wie geschaffen.

Die Urkornexperten haben sich für dieses Jahr einen Adventskalender ausgedacht, der allen eine Freude bereiten, sie aber auch mit Informationen zu den alten Getreiden versorgen soll. Seit dem 1. Dezember wird dafür täglich ein neues Türchen auf Facebook geöffnet, das dann der breiten Öffentlichkeit einen Einblick ins Thema gewährt. In der ersten Dezember-Woche, also aktuell, geht es um Dinkel, dann ist eine Woche Emmer dran, in der dritten Woche folgt Einkorn, die vierte Woche ist noch offen, erzählt Longin. Je nachdem, welche Interessenslagen sich in den ersten drei Wochen zeigen, wollen die Urkornexperten ihr Programm im Endspurt entsprechend anpassen. Die täglichen Türchen-Posts umfassen Rezeptideen, es gibt aber auch Informationen von Bäckern, Müllern oder Landwirten. Diese hätten verschiedene Perspektiven aufs Thema, erklärt der Hohenheimer Wissenschaftler Longin.

„Urgetreide ernährt nicht die Welt“

Urkorngetreide sei auf dem Markt die absolute Nische. Aber eine für die Ernährung durchaus interessante, sagt der Experte. Trotzdem ist ihm klar: „Urgetreide ernährt nicht die Welt“, aber es sei eine gute Ergänzung. Gerade auch für Familienbetriebe entlang der Wertschöpfungskette; diese müssten sich ja zunehmend absetzen von den Großen in der Branche, da könnten Emmer und Einkorn dazu beitragen. Es gehe um die Wertschätzung für eine heimische Wertschöpfungskette. Longin rät, Urkorngebäck zum Premiumprodukt zu machen. Weil es teurer sei, als Weizen und Roggen, dürfte der Kunde auch etwas Besonderes erwarten, findet er.

Auch wenn Urkorngetreide wohl nie in denselben Maßstäben wie bekanntere Getreidesorten angebaut werden, so gebe es doch eine steigende Tendenz beispielsweise beim Dinkel. Der Dinkel-Markt wachse jährlich um fünf bis zehn Prozent, sagt Longin. Übrigens, rund 70 Prozent der Dinkelsorten, die in Deutschland wachsen, seien in Hohenheim gezüchtet worden.

Der Adventskalender der Urkornexperten ist bei Facebook für die Öffentlichkeit zugänglich. Täglich gibt es dort Wissenswertes zu den alten Getreidesorten. Jeweils dienstags soll es ein Live-Gespräch geben, das um 18 Uhr startet. Dann diskutiert Friedrich Longin mit einem Bäcker sowie einem Back-Trainer und Brotsommelier über die drei Urgetreidesorten Dinkel, Emmer und Einkorn. Der Link zu der Facebook-Gruppe im Internet ist: https://www.facebook.com/groups/dieurkornexperten.

Bei der Live-Veranstaltung am kommenden Dienstag, 8. Dezember, geht es um das Urkorn Emmer. Der Link zur Videokonferenz ist:

https://uni-hohenheim.zoom.us/j/82456959052?pwd=eFNvcFc5ZkpvWFFnTE85Tm14M3RGQT09.

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