Von rechts: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), EnBW-Chef Frank Mastiaux und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eröffnen an der Stuttgarter Keplerstraße den ersten innerstädtischen Schnellladepark für E-Autos. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Landesregierung baut mit der EnBW den ersten urbanen Schnellladepark für E-Autos auf. EnBW-Chef Frank Mastiaux will den Ausbau des Schnellladenetzes beschleunigen und setzt dabei auf die eigene App.

Stuttgart - Baden-Württemberg drückt mit der Eröffnung des nach eigenen Angaben „deutschlandweit ersten öffentlichen urbanen Schnellladeparks für Elektroautos“ bei der E-Mobilität aufs Tempo. In der Stuttgarter Innenstadt sollen Autos binnen fünf Minuten so geladen werden, dass sie bis zu 100 Kilometer weit fahren können. „Mit Blick auf die Ladezeiten schließen wir dicht auf zum Tanken an der Tankstelle und zeigen: Bei uns besteht die Elektromobilität den Praxistest!“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann laut Manuskript am Donnerstagnachmittag zur Eröffnung in der Keplerstraße am Campus der Universität Stuttgart. „Damit wird die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu einem Teil des Stadtbilds – und zu einem Stück Alltag.“

 

Schnellladeparks sollen in den Innenstädten von 15 Großstädten im Land entstehen

Die Station hat zwölf High-Power-Ladesäulen, die Elektroautos mit einer Leistung von bis zu 300 Kilowatt mit Strom versorgen können. Sie ist Teil des Projekts „Urbane Schnellladeparks in Baden-Württemberg“ (USP-BW), mit dem das Land und der Energieversorger EnBW bis 2021 insgesamt 16 Pilotstandorte in 15 großen Innenstädten aufbauen wollen. Das Land fördert dabei ein Drittel der Kosten in Höhe von neun Millionen Euro. Mit der Eröffnung sei ein Meilenstein für „unseren strategischen Schwerpunkt E-Mobilität“ erreicht, sagte EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux im Gespräch mit unserer Zeitung. Erfreulich sei, dass das Projekt, von der Planung bis zum Bau, in weniger als einem Jahr realisiert werden konnte. Die EnBW will mit den Schnellladeparks gleichzeitig ihr deutsches Schnellladenetz, das zurzeit aus rund 400 Standorten besteht, bis 2021 auf etwa 1000 Standorte ausbauen.

Die urbanen Ladeparks sind vor allem für Stadtbewohner gedacht, die nicht über Haus oder Garage für das Aufladen eines Autos verfügen. In diesem Jahr sollen am Stuttgarter Rotebühlplatz und der Innenstadt zwei weitere Schnellladeparks entstehen. Die weiteren sollen 2021 in Betrieb gehen – im Großraum Stuttgart in den Innenstädten von Esslingen, Ludwigsburg, Sindelfingen, Reutlingen und Tübingen. Weitere Standorte sind in Freiburg, Friedrichshafen, Konstanz, Ulm, Heidelberg, Heilbronn, Pforzheim und Mannheim geplant. Das Projekt soll auch Erfahrungen mit dem Ladeverhalten der Autofahrer sammeln. Das Stuttgarter Fraunhofer IAO und das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart wollen damit die Datengrundlage für ein effizientes gleichzeitiges Laden mehrerer E-Autos schaffen.

Mastiaux betonte die Bedeutung des eigenen Schnellladenetzes für die EnBW: „Wir eröffnen im Durchschnitt jeden Tag einen Schnellladestandort. 2025 werden wir damit etwa die Zahl führender konventioneller Tankstellenbetreiber erreichen.“ Auch in Österreich baue man derzeit in einem Joint Venture ein Schnellladenetz auf. Großes Potenzial sieht der EnBW-Chef dabei bei der hauseigenen App: Die EnBW mobility+ navigiere die Kunden zu jeder Ladestation in der Umgebung und zeige auch an, ob sie frei ist oder nicht. „Sie können damit auch den Ladevorgang starten und die Abrechnungsdaten einsehen. Die App ermöglicht den Zugang zu mehr als 100 000 Lademöglichkeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Frankreich, Italien und den Niederlanden. Wir sind der festen Überzeugung, dass die App das Referenzmedium für die Nutzung von E-Mobilität ist“, so Mastiaux.

Auch andere Energieversorger, Autobauer, Tankstellen, Supermärkte errichten Ladesäulen

Neben der EnBW verfügen auch andere Energieversorger über Ladesäulen, so hat Eon bundesweit mehr als 2500. Auch Parkhäuser, Hotels oder Supermärkte bieten Stromtankstellen an, teils auch als Schnellladesäulen. Zudem planen Autobauer wie Daimler, BMW und VW eigene Netze. Außerdem wollen unter anderem Aral und Shell Ladesäulen in ihre Tankstellen integrieren.

Im Südwesten sind derzeit rund 30 000 Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb gemeldet. Ziel der Landesregierung ist es, die Zahl bis 2030 auf zwei Millionen E-Autos zu steigern. Dazu soll auch die Ladeinfrastruktur deutlich ausgebaut werden.