Foto: Horst Rudel

Mit ihrer Schweineschule fährt Kerstin Gronbach regelmäßig durch das Land und besucht Kindergärten oder Schulen – und hinterlässt dabei nachhaltige Eindrücke.

Urbach - Da! Es grunzt! Und es raschelt. In dem Anhänger von Kerstin Gronbach bewegt sich etwas: Vier kleine Ferkel sind mit der 54-jährigen Bauernhofpädagogin nach Urbach gekommen. Aufgeregt stehen die Kinder der Kitas Arche Noah und Kinderschüle für die Tiere Spalier. Werden die Babyschweine rausrennen? Oder nur aus ihrem Anhänger spazieren? Die Kinder können es kaum erwarten, die kleinen Borstentiere zu sehen.

Lerneffekt: Kein Stress

Endlich geht die Klappe auf und die Ferkel kommen ans Tageslicht. Neugierig schnuffeln sie herum. Die Kinder, die Erzieherinnen und Kerstin Gronbach müssen gemeinsam schauen, dass die Schweinchen in ihrem Kurzzeitgehege auf der kitaeigenen Wiese am Theodor-Bäuerle-Weg landen. Die Tiere lassen sich Zeit: „Die machen keinen Stress, das können wir von ihnen lernen“ sagt Gronbach und dirigiert das Quartett sanft in die richtige Richtung.

„Riecht ihr schon, wie die riechen?“, fragt sie die Kinder. Und schon schnuppern sie in die Luft: „Ja“, sagt ein Mädchen und nickt. „Mmm“, ist aus vielen Mündern zu hören. „Uh, die riechen gut“, sagt Kerstin Gronbach. Überhaupt nicht gut riechen allerdings die Würste, die die Ferkel gleich auf der Wiese hinterlassen. „Ich habe keinen Windeleimer, ich habe einen Stinkereimer“, erklärt Gronbach den staunenden Kindern, die ihre Augen nicht von den Schweinen nehmen können. Endlich sind die Ferkel in ihrem Gehege. Je vier Kindergartenkinder dürfen zu ihnen hinein: „Jetzt könnt ihr sie streicheln, das Schwänzle fühlen“, sagt die Landwirtin mit dem roten Tuch im Haar.

Unschlüssig stehen die Kinder zwischen den Tieren. „Der ist mir auf den Fuß getreten“, sagt ein Junge mit blauem T-Shirt. Ein blondes Mädchen traut sich schließlich, ein Schwein anzufassen. Im Gehege wuselt es, die Ferkel schnuffeln und wühlen unbeeindruckt von ihren zweibeinigen Besuchern unter dem Stroh. „Kann man die melken?“, fragt eine Vierjährige. Ein anderes Kind ist vor dem Gehege stehen geblieben: „Schweine sind so eklig“, sagt das Mädchen etwas angewidert. Doch schließlich traut auch sie sich hinein zu den Ferkeln und geht sogar mit ihnen auf Tuchfühlung.

Ein Holzpuzzle mit Schweinemotiv

Für die Kinder, die gerade nicht im Gehege sein können, hat Kerstin Gronbach noch weitere Stationen aufgebaut. In einer großen Kiste voll mit Getreide sollen die Kinder Maiskörnchen heraussuchen. In einer Ecke liegt ein großes Holzpuzzle mit Schweinemotiv. Und an zwei Tischen können die Kleinen eine Mühle sowie eine Quetsche bedienen und so sehen, wie aus den Körnern entweder Mehl oder Haferflocken werden – und das Endergebnis sogar noch probieren.

Das beeindruckt die Kinder: „Das Mehl hat mir am besten gefallen“, sagt die sechsjährige Fiona. Dass man daraus Brot backen kann, findet das Mädchen toll. Und zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie ein Schwein angefasst: „Die sind voll warm“, sagt Fiona begeistert. Aaron hat sich das allerdings nicht zugetraut: „Ich bin nicht ins Gehege“, sagt der Fünfjährige zurückhaltend. Viel besser fand er die Station mit der Mehlmühle. Julian ist von den Ferkeln ganz fasziniert: Zum ersten Mal in seinem fünfjährigen Leben hat er echte Schweine gesehen. Und wie die gebuddelt und gewühlt haben, das hat ihn ganz beeindruckt.

Völlig unbeeindruckt vom Trubel sind die Ferkel selbst. Ihren Tagestripp vom Kerstin Gronbachs Bauernhof haben sie gut verkraftet. Nach ein paar Stunden in Urbach geht es zurück in den Hänger.

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