Im kommunalen Nahverkehr steht infolge der Verdi-Urabstimmung ein zweitägiger Streik bevor. Die Gewerkschaft verspricht jedoch, ihre Möglichkeiten nicht auszuschöpfen. Man muss sie beim Wort nehmen, meint Matthias Schiermeyer.
Dass sich 93 Prozent der Verdi-Mitglieder für einen Erzwingungsstreik im kommunalen Nahverkehr aussprechen, ist keine Überraschung. In solchen Situationen ist der Gewerkschaft der Rückhalt ihrer Basis ziemlich gewiss. Das Votum gibt Verdi die Möglichkeit, fast unbegrenzt öffentliche Bahnen und Busse in sieben Städten lahmzulegen.
Zwei-Tages-Streik als Ausdruck von Besonnenheit?
Wer denkt da nicht an die Lokführer, deren Gewerkschaft ihre Streikmacht bei der Deutschen Bahn auf die Spitze getrieben hatte, um am Ende einen weitgehenden Tarifabschluss zu erreichen. Es erscheint verführerisch, dem Krawallkurs der GdL zu folgen. Doch Verdi verspricht, mit Augenmaß vorzugehen und wertet den Zwei-Tages-Streik am Donnerstag und Freitag als Ausdruck von Besonnenheit – was viele ÖPNV-Kunden vermutlich anders sehen werden.
Der kommunale Arbeitgeberverband sollte aber lieber nicht auf eine Eskalation setzen – und darauf, dass sich die öffentliche Meinung irgendwann gänzlich gegen die Gewerkschaft richten könnte. Aufgrund der vielfältigen Forderungen und Angebote bei den Zulagen und Arbeitszeitelementen ist es beiden Seiten bisher leicht gefallen, die wahre Gefechtslage in diesem Konflikt zu verschleiern. Der nächste Verhandlungstag am 24. April muss daher zur Konzentration auf die Kernpunkte genutzt werden. Auf taktische Spiele zulasten Dritter – hier der ÖPNV-Nutzer – hat nach all den Tarifstreitereien in diesem Jahr kein Betroffener mehr Lust.