Das erneute Rekordergebnis fällt dem Management der Deutschen Post im Tarifkonflikt auf die Füße – ob es das nun für sachgerecht hält oder nicht, meint Matthias Schiermeyer.
Die Deutsche Post hat ein veritables Kommunikationsproblem. Einerseits kann sie erneut das beste Geschäftsergebnis ihrer Geschichte vorweisen – andererseits muss sie dem Eindruck entgegenwirken, dass sie ihren Beschäftigten nicht einmal einen Inflationsausgleich zahlen wolle. Die Dividende für die Anteilseigner geht hoch, die Motivation der Belegschaft sinkt; das ist keine gute Voraussetzung für die Zukunft.
Also bemüht sich das Management wie nie zuvor um Differenzierung. Dick unterstrichen wird, dass das glänzende Ergebnis fast ausschließlich mit den internationalen Aktivitäten erwirtschaftet wurde – während das Kerngeschäft Post und Paket im Inland schwächelt. Obwohl auch da noch mehr als eine Milliarde Euro hereingeholt wurde.
Man darf davon ausgehen, dass sich die Verdi-Basis davon nicht überzeugen lässt. Mit großer Mehrheit hat sie für den unbefristeten Streik gestimmt. Jetzt muss in den kurzfristig anberaumten Verhandlungen bis zum Wochenende eine deutliche Verbesserung des Arbeitgeberangebots her, sonst kann die Gewerkschaftsführung nicht ohne Gesichtsverlust auf den großen Ausstand verzichten. Zu weit hat sie die Mobilisierung ihrer Mitglieder schon getrieben. Dies alles weiß Verdi-Chef Frank Werneke natürlich. Legt die Post somit nicht deutlich nach, wird er diesem symbolträchtigen und womöglich seit Langem ersonnenen Kampf gegen die Milliardengewinnler nicht ausweichen.