Das Ende naht: Die Villa Bolz am Killesberg soll abgerissen werden Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält das Haus des früheren württembergischen Staatspräsidenten Erwin Bolz nicht geeignet für eine Gedenkstätte. Er will dafür den Neubau beim Staatsministerium nach Eugen Bolz benennen.

Stuttgart - Ende der Debatte: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich festgelegt, dass das Land die Villa Bolz – von 1932 bis 1944 Wohnhaus des früheren württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz (1881–1945) – nicht erwerben wird. In Briefen an Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) und den Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, schrieb er, das Gebäude biete „keine Anknüpfungspunkte für die historische Betrachtung mehr“.

Charakter und Geist seien durch Umbauten „unwiederbringlich verändert“. Teufel und Fürst hatten sich neben zahlreichen anderen Persönlichkeiten für den Erhalt des 1906 errichteten Gebäudes und die Einrichtung einer Gedenkstätte engagiert. Als „Zeichen“ und „Geste“ kündigte Kretschmann an, den Neubau des Staatsministeriums nach dem von den Nazis ermordeten Zentrumspolitiker zu benennen. In der Villa Reitzenstein habe Bolz „tatsächlich gearbeitet und politisch gewirkt“. Besuchergruppen solle dort künftig das Leben und Wirken von Bolz nahegebracht werden. Die von unserer Zeitung angestoßene Diskussion um die Zukunft der Villa Bolz bezeichnete Kretschmann als „in sich wertvollen und wichtigen Prozess“.

Nach Kretschmanns Entscheidung steht den Plänen für einen Abriss der Villa Bolz und dem Neubau von Eigentumswohnungen durch ein Stuttgarter Wohnungsbauunternehmen praktisch nichts mehr im Wege. Das Unternehmen hatte die Villa 2014 von den Bolz-Enkeln für einen Millionenbetrag erworben. Der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann reagierte mit deutlicher Kritik: „Ministerpräsident Kretschmann und die Regierung handeln geschichtsvergessen und gegen die Meinung führender Historiker.“ Ein authentischer Erinnerungsort könne nicht durch die bloße Benennung eines Gebäudes ersetzt werden.

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