Als die Waldenbucher Altstadt Ende Juni unter Wasser stand, hat auch der Bauhof mit dem gesamten Team gegen die Fluten gekämpft. Jetzt werden die Schwachstellen analysiert und erste Lösungen entwickelt.
Waldenbuch - Tief Bernd verursacht aktuell in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schwere Überschwemmungen. In Waldenbuch liegt die dramatische Hochwasser-Nacht knapp drei Wochen zurück. Am 28. Juni standen die Altstadt und Teile der Glashütte unter Wasser. Jetzt stellt sich die Frage: Wo lagen die Ursachen und wie können wir uns auf solche Situationen in Zukunft besser vorbereiten? Das Team des Bauhofs hat mit dem Prozess bereits begonnen. In einer ersten Analyse hat der Zweckverband Dettenhausen-Waldenbuch die Ereignisse aufgearbeitet und nach Lösungsansätzen gesucht.
Sie haben aus den Überschwemmungen 2014 gelernt
Als am 28. Juni gegen 20.20 Uhr in der Notrufzentrale die ersten Anrufe eingingen, waren die Mitarbeiter des Bauhofs schon im Stadtgebiet unterwegs. „Wenn Starkregen droht, rücken wir automatisch aus und kontrollieren die Rechen, Gräben und Schächte. Wir haben aus den Überschwemmungen im Jahr 2014 gelernt und halten die Abflüsse seitdem mit großem Aufwand frei“, berichtet der Betriebsleiter Frank Cottone.
Allein in diesem Jahr hat der Zweckverband Dettenhausen-Waldenbuch Handwerk, Technik, Natur (HTN) in Waldenbuch schon 40 000 Euro in die Pflege von Gräben und Rechen investiert. Alle vier bis fünf Wochen wird routinemäßig kontrolliert. Für den Dettenhausener Kämmerer Hans-Peter Fauser, der die Verbandsgeschäfte führt, steht deshalb fest: „Wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht. Es gab von unserer Seite keine Versäumnisse.“
In der Altstadt stand das Wasser hüfthoch
Frank Cottone war beim Starkregen Ende Juni einer der ersten, die in der Altstadt nach dem Rechten sahen. Was er dabei erlebte, hat nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Bei unserem ersten Kontrollgang waren die Gräben zwar gefüllt, aber das Wasser lief gut ab. Nur zehn Minuten später stand ich in der Altstadt bis zur Hüfte im Wasser. Es ist unglaublich, wie schnell das ging,“ berichtet er.
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Inzwischen kennt der Bauhof-Chef die Ursachen: Die Schaich, die über mehrere Kilometer von Weil im Schönbuch durch Wald und Wiesen Richtung Waldenbuch fließt, hatte große Mengen Holz und Geäst ins Tal gespült, das sich am Rechen hinter dem DM-Markt gesammelt und diesen verstopft hatte. Eine ähnliche Situation gab es in der Glashütte, wo das Wasser in der Brunnenstraße die Asphaltdecke hob. Auch Dettenhausen blieb nicht verschont: In der Schul- und der Talstraße sowie im Bereich Lehräcker kam es zu Überschwemmungen.
Die Wassermassen waren zu groß
Für die 16 Mitarbeiter des Bauhofs begann eine lange Nacht. „Da beide Gemeinden betroffen waren, mussten wir uns aufteilen“, erzählt Hans-Peter Fauser. Der Schwerpunkt lag in Waldenbuch, wo das HTN-Team zunächst versuchte, die verstopften Rechen mit dem Bauhof-Bagger freizubekommen. Dem Druck der Wassermassen war das Gerät jedoch nicht gewachsen. „Wir haben von einer privaten Firma schweres Gerät organisiert. Dann ging’s“, sagt Hans-Peter Fauser. Die Situation habe sich daraufhin entspannt.
Trotzdem bleibt das Gefühl, dass manches vielleicht noch besser geht. „Wir müssen uns auf die Zunahme solcher extremen Wetterereignisse vorbereiten“, sagt Frank Cottone. In der Hochwassernacht habe Waldenbuch auch Glück gehabt: „Die Aich blieb in ihrem Bett und wenn es gehagelt hätte, wäre das Wasser noch viel schlechter abgeflossen.“ Hans-Peter Fauser stellt deshalb klar: „Wir wollen besser werden, damit wir künftig noch schneller und zielgerichteter reagieren können.“
Starkregen und Unwetter bleiben Thema
Als Grundlage dafür dienen die aktuellen Erfahrungen und ein umfassendes Starkregenrisikomanagement. Die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung liegen in Waldenbuch seit Kurzem vor. „Einen solchen Prozess durchläuft man nicht von heute auf morgen. Bis bauliche Maßnahmen umgesetzt werden können, dauert es einige Zeit“, weiß Hans-Peter Fauser.
Bis dahin hofft man auf die Wirksamkeit der geplanten Sofortmaßnahmen. In Kooperation mit örtlichen Unternehmen soll gewährleistet werden, dass im Notfall sofort schweres Gerät verfügbar ist. „Wir denken an einen Deal mit zwei privaten Baggerbetrieben, die bereit sind, ihre Fahrzeuge abends in der Nähe der Rechen zu parken“, sagt Frank Cottone. Ob auch Umbauten an den Rechen und Gräben sinnvoll sind, müsse jetzt mit den Experten des Wasserwirtschaftsamts geklärt werden. Soviel jedenfalls steht für den HTN-Chef schon fest: „Das Thema wird uns noch lange beschäftigen.“