Nach dem schweren Unwetter am Mittwochabend treten mehr und mehr Schäden zutage. Besonders die Landwirte zwischen Großbettlingen und Wernau hat der Hagel stark getroffen.
Kreis Esslingen - Gerhard Knapp war gerade zuhause angekommen, als er das Unheil auf sich zukommen sah. „Ich dachte, wenn wir Glück haben, rutscht das Unwetter bei uns vorbei“, sagt der Weinbauer. Doch er hatte kein Glück. Der Hagel zerstörte seine Rebstöcke in Frickenhausen vollständig. „Die Pflanzen wurden komplett zerhäckselt. So einen Hagel habe ich seit 40 Jahren nicht mehr erlebt.“
Das Unwetter am Mittwochabend richtete große Schäden bei den Landwirtschaftsbetrieben zwischen Großbettlingen und Wernau an. In dem Gebiet hagelte es teilweise Körner mit zwei Zentimetern Durchmesser vom Himmel. Laut Knapp sei vor allem der Einschlagswinkel verheerend gewesen. „Der Hagel kam quer von der Seite und hat das ganze Laub rausgeschlagen“, sagt er.
Ein Unterschied zu den schweren Unwettern von 2013: Es habe viel dichter gehagelt. Zwar seien die Eiskörner nicht so groß gewesen wie vor acht Jahren, jedoch viel großflächiger herunter gekommen. „Damals hatte ich einen Ernteausfall von 25 Prozent, weil es große Abstände zwischen den Einschlägen gab. Jetzt sind 100 Prozent kaputt.“ Weil Knapp auch noch Anbauflächen in nicht betroffenen Gebieten hat, ist er nicht existenziell bedroht. Trotzdem ist der Schaden groß. „Die Pflanzen sind so kaputt, dass wir in Frickenhausen auch nächstes Jahr kaum etwas ernten können. Die Arbeit ist aber die Gleiche.“
Die Heuernte ist ein Totalausfall
Gut zweieinhalb Kilometer weiter, im Frickenhausener Teilort Linsenhofen, ist bei Wengerter Helmut Dolde die Erleichterung groß. „Wir sind durch glückliche Fügung unbeschadet durchgekommen“, sagt er. Im selben Ort hat es den einen Weinbauern komplett „zerhäckselt“, den anderen gar nicht getroffen – ein typisches Phänomen beim Hagel.
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Das, was er von den Bauern gehört hat, gleiche einer Katastrophe, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Esslingen, Siegfried Nägele. Die Heuernte sei ein Totalausfall. Zwar zahle die Versicherung, doch die ganze Arbeit sei umsonst und der erhoffte Verdienst dahin.
Erdbeeren und Kirschen sind kaputt
Das kann auch Tamara Engel bestätigen, die sich auf dem Rammertshof in Raidwangen um das Marketing kümmert. Die Gegend traf es besonders schwer. Der Betrieb baut Obst- und Beerensorten sowie Spargel an. „In Raidwangen mussten bei dem Unwetter vor allem die Erdbeerfelder leiden“, sagt sie. Erdbeeren zum Selbstpflücken gebe es jetzt keine mehr, nur noch Himbeeren. Die wurden verschont, weil sie überdacht waren. „Alles, was nicht geschützt war, ist kaputt“, sagt Engel. Das betreffe vor allem die Erdbeeren und Kirschen, die um den Hof bei Nürtingen wachsen. Immerhin: „Dadurch, dass es ein Bereich war, hat es nur einen Teil unserer Felder getroffen“, sagt Engel. Die Anbaufläche in Neckarhausen sei nicht so schwer getroffen worden, und auf der schwäbischen Alb gab es gar keine Schäden. Die Höhe der Verluste sei noch nicht klar, jedoch würden sie das zu spüren bekommen. „Die Selbstpflückfelder wären sicherlich noch vier Wochen gelaufen. Da fallen jetzt die Einnahmen weg.“