Die Kundin Irene Sperl-Schreiber legt eine Sachspende in einen Sammelkorb im Sillenbucher Laden Tante M, die Inhaberin Maarit Schneider-Penna freut sich. Foto: Holowiecki

Über die „Aktion Einkaufswagen“ können Kunden gekaufte Waren Bedürftigen zukommen lassen. Der Unverpacktladen Tante M. in Stuttgart-Sillenbuch ist der erste Markt in der Landeshauptstadt, der mitmacht. Wie funktioniert das Ganze?

Sillenbuch - Irene Sperl-Schreiber hat sich für Cola-Fläschchen entschieden. Nach und nach befüllt sie ihre braune Papiertüte mit den kleinen Süßigkeiten, aber nicht, um es sich am Abend damit auf dem Sofa gemütlich zu machen. Die Sillenbucherin möchte irgendeinem wildfremden Menschen mit dem Snack eine Freude bereiten, und deswegen verstaut sie ihren Einkauf im Unverpacktladen Tante M. nicht in ihrer eigenen Tasche, sondern legt ihn in ein Körbchen an der Kasse. Auf einem grünen Schild steht „#aktioneinkaufswagen – zeig Herz und mach mit!!!“. Die Waren, die in diesem Korb landen, sind nämlich für Bedürftige bestimmt.

Nanette Peithmann ist die Initiatorin der Aktion. Das Prinzip ist einfach: Jeder, der anderen etwas Gutes tun möchte, kann haltbare Lebensmittel oder Hygieneprodukte kaufen und vor Ort in einem dafür bereitstehenden Korb oder Einkaufswagen ablegen. Die Sachspenden werden gesammelt und gehen an lokale Partner. In Stuttgart ist das der Förderverein Helfende Hände mit Sitz in Heslach. Er versorgt Menschen, die wenig Geld oder kein Dach über dem Kopf haben, mit dem Nötigsten.

Tante M. ist der erste Laden in Stuttgart, der mitmacht

Nanette Peithmann geht auf die Läden zu, um sie für die gute Sache zu gewinnen. Ihre primäre Zielgruppe: Geschäfte, die ohnehin schon ein soziales Profil haben. Maarit Schneider-Penna, die Inhaberin von Tante M., findet das Konzept gut. „Das hat sich für mich total schlüssig angehört“, deswegen habe sie schnell ihre Unterstützung zugesagt. Und auch bei den Kunden kommt die Sammlung an. „Ich finde es schön, wenn man helfen kann“, sagt Irene Sperl-Schreiber, während sie die Fruchtgummis in die Tüte packt.

Die „Aktion Einkaufswagen“ ist noch jung. Entstanden ist die Idee während der Zeit des Lockdowns, in der unter anderem Tafelläden vorübergehend schließen mussten, erklärt Nanette Peithmann. Sie wollte helfen, „aber Geldspenden sind immer schwierig, wenn man nicht weiß, wo es hingeht“. Ihre Überlegung: Wenn jeder ein Produkt gibt, kommt viel zusammen, und durch die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bleibt die Hilfe im Ort. In Nordrhein-Westfalen machen bereits drei Lebensmittelmärkte mit. Obwohl die „Aktion Einkaufswagen“ eine Stuttgarter Erfindung ist – Nanette Peithmann lebt in Zuffenhausen –, ist Tante M. in Sillenbuch der erste Stuttgarter Laden, der sich an der Aktion beteiligt. Dabei soll es aber nicht bleiben. „Ich mache auf jeden Fall weiter“, sagt Nanette Peithmann, denn sie wünscht sich, dass es sich „ausbreitet, wie wenn ein Stein ins Wasser fällt und Kreise zieht“.

Weitere Infos zur Aktion Einkaufswagen gibt es hier.

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