Der Unverpackt-Laden in Renningen – im Bild Geschäftsführerin Christine Berg (links) und Mitarbeiterin Ute Verstegen – war ein ambitioniertes Genossenschaftsprojekt und wurde ehrenamtlich betrieben. Foto: /Simon Granville

Weil die Umsätze viel zu niedrig waren, hat der Unverpackt-Laden in Renningen jetzt nach knapp zwei Jahren aufgegeben.

Noch brennt das Feuer im Bollerofen und spendet Wärme an diesem letzten Tag vor Weihnachten. Doch die Regale und Behälter, die sonst immer voll mit Bulgur oder Dinkelflocken, mit Maisgrieß, Linsen, Mehl oder vielen anderen haltbaren Lebensmitteln waren, sind weitgehend leer. Und das nicht etwa, weil viele Kundinnen und Kunden kurz vor den Feiertagen noch Großeinkauf im Unverpackt-Laden an der Hauptstraße gemacht hätten, sondern weil dies auch der letzte Öffnungstag dieses besonderen Geschäfts ist. Die Umsätze haben auch nach knapp zwei Jahren für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausgereicht, lautet die Begründung für die Schließung.

 

Rainer Schlotz, der an diesem Vormittag ein Regal aus dem Laden abholt, ist einer von drei Vorständen der Genossenschaft Unverpackt Renningen, die das Ladenprojekt getragen hat. „Wir sind traurig, dass die Idee, Waren ohne Verpackung einzukaufen, nicht so angenommen wurde, wie wir erhofft hatten“, sagt er. Eine Wirtschaftlichkeit hätte sich erst ergeben, wenn man mindestens doppelt so viel Umsatz gemacht hätte. „Man muss halt irgendwann die Reißleine ziehen“, sagt er mit Bedauern. Dass Lebensmittel ohne Verpackung einzukaufen sinnvoll sei, habe er selbst erfahren: Sein Verpackungsmüll sei um zwei Drittel zurückgegangen, was auch die Abfallgebühren verringert habe, so Rainer Schlotz.

Wirtschaftlichkeit hat sich nicht ergeben

Im März 2022, kurz vor Beginn des Ukraine-Krieges, taten sich Interessierte zusammen, um die Idee eines Unverpackt-Ladens auch in Renningen umzusetzen. In anderen Städten gibt es diese bereits – mit unterschiedlichem Erfolg. Sie gründeten die Genossenschaft Unverpackt Renningen, in die die heute 37 Mitglieder Anteile einbrachten. Christine Berg, für die die Zero-Waste-Bewegung eine Herzensangelegenheit ist, war von Anfang an eine treibende Kraft und arbeitete seither als Geschäftsführerin viele Stunden im Laden – ehrenamtlich, so wie andere Helferinnen und Helfer auch. Ziel war es, so viel Umsatz zu machen, dass zumindest kleine Löhne gezahlt werden konnten.

Doch dazu hätten mehr Kunden mehr Waren kaufen müssen. „Erst diesen Sommer war uns richtig klar, dass wir noch nie Gewinn gemacht haben“, sagt Christine Berg rückblickend. Und es sei doch mehr Arbeit gewesen, als man zuerst dachte und dazu nicht genügend aktive Leute. Außerdem seien fast alle ziemliche Quereinsteiger in diesem Metier gewesen. „Der Einzelhandel ist eine auch von mir wahnsinnig unterschätzte Branche“, sagt sie im Rückblick. „Da hängt viel mehr dran, als man von außen sieht.“ Der Cafébetrieb und die Veranstaltungen liefen ebenfalls nicht gut. „Im Grunde hatten wir keine spürbaren Erfolge und das raubt einem die Energie.“

Fehlender Erfolg raubt Energie

Warum sich die Idee des Einkaufs von unverpackten Waren in Renningen nicht besser durchsetzen konnte, sei schwierig zu beurteilen. „Die Kunden sind oft gestresst, sie wollen sich mit dem Selbstabfüllen von Lebensmitteln in mitgebrachten Behältern nicht abmühen.“ Manche würden auch schnell die Geduld verlieren, wenn nicht alles jederzeit lieferbar sei. Man hätte außerdem mehr und bessere Posts in den sozialen Medien gebraucht, um junge Leute anzuziehen. Christine Berg vermutet außerdem, dass auch die Hemmschwelle, einfach mal in den neuen Laden zu kommen, relativ groß sei, weil man von außen nicht gleich erkennen könne, was es da gibt. „Viele gehen vorbei und lächeln freundlich, und das war’s“, so ihre Beobachtung.

Das passt zu der Kundin, die am letzten Öffnungstag noch Verschiedenes einkauft. „Sie waren immer so freundlich, unübertroffen, selbst wenn man nur ein Wasser getrunken hat“, lobt sie Christine Berg überschwänglich. „Wir wollten ja auch ein Wohlfühlort sein“, sagt diese und fügt später mit Resignation in der Stimme hinzu: „Es reicht halt nicht, im Nachhinein zu sagen, wie toll wir sind“.

Unheimlich aufwendige Umsetzung

In der Umsetzung „unheimlich aufwendig“ sei auch die genossenschaftliche Idee gewesen. „Wir haben monatelang an unserer Satzung gearbeitet und sind immer noch in Gründung“, so die Geschäftsführerin. „Wir mussten erkennen, dass wir das Ziel, eine sichere Geldanlage zu bieten, mit unseren Zahlen nicht erreichen.“ Und in puncto Genossenschaftsmitglieder fügt sie noch hinzu: „Wir haben gedacht, dass jeder einzelne als Multiplikator Wellen schlägt, sodass alles mehr gewesen wäre, vor allem mehr Kunden. „Aber da ist einfach der Funke nicht übergesprungen.“