er Künstler Eberhard Scheihing betrachtet die Maserung im Holz so lange, bis er darin ein Motiv erkennter Künstler Eberhard Scheihing betrachtet die Maserung im Holz so lange, bis er darin ein Motiv erkenntDer Künstler Eberhard Scheihing betrachtet die Maserung im Holz so lange, bis er darin ein Motiv erkenn Foto: Leihenseder

Eberhard Scheihing und Andrej Fast stellen ihre Intarsien-Werke in der Stadtteilbibliothek aus.

Untertürkheim - Intarsien kennt man meist von Biedermeier- oder Jugendstilmöbeln. Aber damit will Eberhard Scheihing nichts zu tun haben: „Die moderne Bild-Intarsienkunst ist nicht vergleichbar mit den Schränken von damals“, betont der 76-Jährige. Davon kann man sich derzeit in der Stadtteilbibliothek überzeugen. Dort hängen Scheihings Holzbilder neben denen seines kasachischen Künstlerfreundes Andrej Fast und den in Schichttechnik gemalten Impressionen von Walter Greiner. „Andrej Fast und ich gestalten nicht mit Farbe sondern mit Holz“, betont Scheihing. Seine Bilder sind von dem Holzfurnier inspiriert, das er beim Schaffen seiner Kunstwerke in die Hände bekommt. Er betrachtet die Maserung, die Muster so lange, bis er darin ein Motiv erkennt. Dann arbeitet er es heraus. Besonders eindrücklich ist das bei seinem vierteiligen Werk „Tanz der Moorgeister“ zu sehen. Zwei verdrehte Figuren tanzen quasi auf einem ausbrechenden Vulkan, zwei weitere Geister – einer davon mit Astlöchern als Augen – tanzen auf einer Scheibe, die im Raum zu schweben scheint. Ein rötliches Furnier aus Schlangenholz inspirierte Scheihing zu einem bedrohlich-roten Weltuntergangshimmel. Der Boden ist aus Platane und zeigt eine tote Landschaft. Passend dazu sitzt eine verschlungene Figur auf einem Stein mit der Inschrift: „Die Bäume starben zuerst.“ Holz sieht der Autodidakt als Impulsgeber der Kunst, Scheihing versucht das Holz zu lesen und ihm nicht seine bereits vorhandene starke Ausdruckskraft zu nehmen: „Aus dem Holz wächst die Motivation, ein Motiv zu gestalten“, sagt der Künstler mit Untertürkheimer Wurzeln.

Sein Freund und Kollege Andrej Fast hat da eine ganz andere Herangehensweise. „Fast hat ein Motiv im Kopf und versucht, es mit Hölzern umzusetzen“, erklärt Scheihing. Er spiele mit den Helligkeiten in einem Bild und gestaltet damit seine Motive. So schafft der aus Kasachstan stammende Deutschrusse mit einer unglaublichen Anzahl kleinster Intarsienstücke ein Porträt von Jesus Christus, bringt die Queen Elisabeth II. gemeinsam mit ihrem Sohn Charles und ihrem Enkel William auf sein Bild oder arbeitet auch mal ein trabendes Pferd in Holz heraus.

Auf den ersten Blick passen die Werke des Kunstmalers Walter Greiner nicht zu den Intarsien; Eberhard Scheihing erklärt, warum doch: wenn man ein Holzbild ölt, dringt das Licht in die verschiedenen Schichten des Holzes ein. „Das ergibt einen weicheren Ton“, sagt Scheihing. Greiner arbeitet mit einer Mehrschichtentechnik, die bereits die großen Meister wie Rembrandt verwendet haben. „Das Licht bricht an den verschiedenen Schichten.“ Das sei das Geheimnis der alten Meister, betont Scheihing. Und: „Greiner will die Natur nicht darstellen, wie sie zu sehen ist, sondern das Unsichtbare vermitteln.“ Das passe zum Thema der Ausstellung „Mysterium Natur“.

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