Zwölf Bürgerinnen und Bürger Untertürkheims erzählen in der Ausstellung vom Leben in ihrem „Flecken“. Foto: Ars Narrandi/Sabine Schreiber

Zwölf UntertürkheimerInnen erzählen in einer Hör-Ausstellung in der Stadtbibliothek, was sie mit Heimatort verbinden. Es mögen banale Alltagsgeschichten sein. Sie haben aber eine klare Botschaft.

Untertürkheim - Wie ist das Leben so in Untertürkheim? Wer eine ehrliche, ungeschönte Antwort auf diese Frage bekommen möchte, dem sei die neue Ausstellung in der Stadtteilbibliothek empfohlen. Zwölf Untertürkheimer erzählen darin Geschichten vom Alltag im „Flecken“. Ihre ganz persönliche Sichtweise öffnet einen ungewöhnlichen Blick auf einen Stuttgarter Stadtteil, der zwar dank der Daimler AG bekannt ist, von dem man dennoch wenig weiß. Uta Smolik, Ante Ctond Coric, Elzbieta Mulas, Mustafa Zreik, Liebgunde Liebehenschel, Nelson Viola, Karen Bauer, Sayima Ergün-Pick, Wolfgang Roschmann, Türkan Oturan, Corinne Montoya und Bachtr Ahmad geben dem Ort ein Gesicht. Ganz selbstbewusst lautet der Titel der vom Verein Ars Narrandi erstellten Ausstellung: „Wir sind Untertürkheim“.

Porträts zum Anhören

Rund 16 700 Einwohner leben im Stadtbezirk, gut die Hälfte der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Das Durchschnittsalter der Untertürkheimer liegt bei 42,4 Jahren, der Anteil der Kinder unter 15 Jahren beträgt 15,9 Prozent. Das sind die statistischen Daten. Doch was sind die Geschichten, die sich hinter den Menschen verstecken, die hier wohnen? Das Team von Ars Narrandi hat sie gesammelt. Sie sind Teil des Projekts „Untertürkheim unter uns“, das der Verein 2018 ins Leben gerufen hat, um eine Erzählkultur im Stadtteil zu entwickeln. Coronabedingt konnten viele Veranstaltungen nicht stattfinden, also wurden die Monate im Lockdown dazu genutzt, um mit zahlreichen Einwohnern zu sprechen. Daraus ist diese ungewöhnliche Ausstellung entstanden: Zu sehen gibt es zwölf wundervolle Porträtfotos – aufgenommen von Sabine Schreiber. Daneben findet sich jeweils ein kurzer Textauszug und ein QR-Code, über den man die komplette Geschichte per Smartphone abrufen kann. Drei der Geschichten kann man vor Ort anhören.

Mehr Verständnis, mehr Zusammenhalt

So erfährt man zum Beispiel von Uta Smolik etwas über das riesige Erdbeerfeld, das sich einst direkt neben dem alten Gebäude der Eszet-Schokoladenfabrik befand. Corinne Montoya erinnert sich an ihre erste Weinlese. Ante Ctond Coric an das Haus, in dem er mit seiner Mutter das erste Mal putzen war. Nelson Viola verrät, dass er gern frühmorgens auf dem Rotenberg spazieren geht und Wolfgang Roschmann, dass er fast täglich im Café Sapori anzutreffen ist. Bachtr Ahmad und Türkan Oturan berichten Kindheitserlebnisse. Es mögen banale Alltagsgeschichten sein. Sie haben aber eine klare Botschaft: Wenn wir einander zuhören, kann mehr Verständnis entstehen und dadurch ein besserer Zusammenhalt.

Die Ausstellung ist bis 10. September in der Stadtteilbücherei, Strümpfelbacher Straße 45, zu sehen und danach an weiteren Orten: vom 13. September bis 17. Oktober im Bezirksrathaus Untertürkheim, vom 18. Oktober bis 26. November im Stadtteil- und Familienzentrum Mäulentreff und vom 30. November bis 31. Dezember im Awo-Begegnungs- und Servicezentrum Widderstein.