Noch gibt es ihn, den Briefmarkenautomaten am Eingang zur Postfiliale Untertürkheim. Seine Gnadenfrist währt bis zum technischen Defekt. Foto:  

Noch gibt es ihn, den Briefmarkenautomaten am Eingang zur Postfiliale Untertürkheim. Doch immer mehr Automaten verschwinden. Sie sidn anfällig und eine Reparatur aufwändig.

Untertürkheim - Nein, tritt Postsprecher Hugo Gimber entsprechenden Gerüchten entgegen, es gebe zurzeit keine konkreten Pläne, den Briefmarkenautomaten am Eingang der Untertürkheimer Postfiliale abzubauen. Keines der letzten 14 in Stuttgart noch verbliebenen Geräte stehe aus heutiger Sicht vor dem Aus. Gleichwohl räumt Gimber ein: „Wie jedes andere Unternehmen ist auch die Deutsche Post darauf angewiesen, nachhaltig wirtschaftlich zu arbeiten, sowie ihre Investitionen und laufenden Kosten immer wieder zu überprüfen.“

Von Zeit zu Zeit kämen daher auch die gelben Automaten auf den Prüfstand. „Dabei wird immer wieder festgestellt, dass an vielen Standorten, deren Nutzung erheblich zurückgegangen ist“, räumt der Sprecher der Deutschen Post für Baden-Württemberg ein. Grund dafür sei ein verändertes Kundenverhalten beim Briefmarkenkauf – viele Kunden würden die Postwertzeichen nicht mehr einzeln nach Bedarf, sondern auf Vorrat in einer der bundesweit 28 000 Verkaufsstellen oder im Internet erwerben.

Immer weniger Postwurfsendungen

Zudem werden im Zeitalter digitaler Kommunikation immer weniger Postwurfsendungen verschickt – was den Briefmarkenautomat zum Auslaufmodell werden lässt. E-Mail und SMS haben handschriftliche Nachrichten im Privaten nahezu vollständig abgelöst. Die Folge: Bundesweit nimmt das Briefaufkommen nach Angaben der Post jährlich um etwa zwei bis drei Prozent ab. Rund 18 Milliarden Briefe wurden im vergangenen Jahr verschickt. Nur ungefähr jeder zehnte Umschlag ist noch mit einer herkömmlichen Briefmarke beklebt, der Rest kommt mehrheitlich von Großeinlieferern, die ihre Briefe maschinell frankieren.

Noch 14 Briefmarkenautomaten in Stuttgart

Vor 30 Jahren gab es bundesweit noch fast 30 000 Briefmarkenautomaten, vor 15 Jahren waren es 6000 Geräte, inzwischen sind es nach Angaben der Post nur noch 1400. Auch in Stuttgart geht die Zahl der Standorte langsam, aber stetig zurück: Vor drei Jahren waren es 16 im Stadtgebiet, vor sechs Jahren immerhin noch 22. Der Abbau liegt nicht nur daran, dass der Unterhalt aufwendig und teuer ist – so ein Briefmarkenautomat will gewartet werden und regelmäßig befüllt sein. Vor allem sind die in die Jahre gekommenen Geräte ziemlich reparaturanfällig. „Wenn der Betrieb eines Automaten deutlich mehr kostet, als sich durch die geringe Nutzung und den damit verbundenen Umsatz erwirtschaften lässt, ist es aus kaufmännischen Gründen nicht vertretbar, diesen Automaten weiter zu betreiben, öfter zu reparieren oder gegebenenfalls sogar zu erneuern“, räumt Gimber ein.

Ersatz für die wegfallenden Automaten gebe es reichlich, heißt es bei der Post. Denn neben den 14 Briefmarkenautomaten in Mitte, Ost, Süd, West, Feuerbach, Zuffenhausen, Bad Cannstatt, Untertürkheim, Degerloch und Vaihingen könnten die Stuttgarter Postkunden Gimbers Angaben zufolge derzeit in 172 Anlaufstellen – Postfilialen, Paketshops, Geschäfte und Kioske – die Möglichkeit, Briefmarken kaufen. „Elf von ihnen haben auch sonn- und feiertags geöffnet.“

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