Eine Untersuchung sieht eine hohe Nachfrage für eine Verlängerung der Linie U1 nach Sindelfingen und Böblingen. Diese könnte dereinst über das Eiermann-Areal in Stuttgart-Vaihingen bis ins Sindelfinger Eichholz führen.
Besteht ein Potenzial für die Verlängerung der Stadtbahnlinie U1 bis in den Kreis Böblingen? Diese Frage beantwortete das Verkehrswissenschaftliche Institut in Stuttgart jetzt mit einem klaren Ja. Im Mai des vergangenen Jahres hat der Landkreis Böblingen dort eine vertiefte Potenzialstudie in Auftrag gegeben. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse lassen die Herzen der Verkehrsplaner im Böblinger Landratsamt höher schlagen.
Angedacht ist, die Stadtbahnlinie U1 zunächst von Stuttgart-Vaihingen bis an den Eiermann-Campus zu verlängern. Das Areal der ehemaligen IBM-Deutschlandzentrale befindet sich derzeit in der Phase der Neuentwicklung, die allerdings seit Jahren schleppend vorankommt. Dennoch: Die Landeshauptstadt will die künftige Siedlung besser mit Bus und Bahn anbinden. Wäre das geschafft, ist es nicht mehr weit in den Kreis Böblingen.
In der jüngsten Sitzung des Böblinger Kreistags brachte daher Verkehrsexperte Stefan Tritschler die Ergebnisse der vertieften Untersuchung mit. Eine verlängerte Stadtbahnlinie könnte entlang der Autobahn nach Sindelfingen führen, wo die Haltestellen Messe, Breuningerland, Kaufland, Gottlieb-Daimler-Schule/Ikea entstehen könnten. „Dann könnte sich die Linie verzweigen in einen Ast Richtung Böblingen, der über Mercedes-Werk und die Flugfeldklinik bis an den Böblinger Bahnhof führt“, sagt Tritschler. Ein weiterer Ast reichte bis ins Sindelfinger Eichholz. Das würde im Zehn-Minuten-Takt und in Doppeltraktion realisiert, also mit zwei gegenläufigen Linien, sagte der Verkehrsexperte.
Solch eine Stadtbahn-Verlängerung hätte „sehr hohe verkehrliche Wirkungen.“ Der Grund: Viele Fahrgäste würden vom Bus auf die Schiene umsteigen. Bei Schienenprojekten dieser Art wird auf der Basis von angenommenen Fahrgastzahlen und zu erwartenden Preisen eine standardisierte Bewertung durchgeführt, die sogenannte „Standi“.
Hoher Faktor für Wirtschaftlichkeit
Ergibt diese Standi einen Faktor höher als eins, wird von einem wirtschaftlichen Betrieb ausgegangen, alles darunter wäre theoretisch ein Zuschussgeschäft. Im Falle der Stadtbahn-Anbindung kommt Experte Tritschler auf einen Faktor von 1,2, was sehr hoch sei.
„Dass die Standi ein so gutes Ergebnis hervorbringt, hätte ich ursprünglich nicht geglaubt“, frohlockt auch Landrat Roland Bernhard. Das jetzige Ergebnis sei „sensationell“. Seine Begeisterung ist auch der Tatsache geschuldet, dass von den geschätzten Kosten für dieses Großprojekt in Höhe von 788 Millionen Euro 75 Prozent vom Bund gefördert werden. Von den verbleibenden 25 Prozent übernähme noch mal 57,5 Prozent das Land Baden-Württemberg. Doch bis es soweit ist, dürfte es noch Jahre dauern. Tritschler: „Das Eiermann-Areal dürfte erst in den 2030er Jahren angebunden sein. Für den Kreis Böblingen sind dann erst die 2040er Jahre interessant.“ Davon unbeirrt stellte der Kreistag schon jetzt die Weichen in Richtung einer vertieften Machbarkeitsstudie dieser Stadtbahnlinie.