Am Montag beginnt die Schule wieder, doch mancherorts sind Lehrer noch Mangelware. Foto: dpa

Im neuen Schuljahr werden an Stuttgarter Grund-, Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen noch Lehrkräfte gesucht. An Schülern mangelt es hingegen nicht. Im Gegenteil: In vielen Klassenzimmern ist es jetzt noch enger.

Stuttgart - Der Unterricht beginnt wieder, doch an vielen Stuttgarter Schulen muss improvisiert werden. Der Grund: Lehrermangel. Zwar habe man an den öffentlichen Schulen in Stuttgart bis Ende August 321 Lehrer neu einstellen können – aber: „Aktuell sind noch in fast allen Schularten Stellen ausgeschrieben“, berichtet Katja Lumpp, Sprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart. Zudem gebe es, wie sich jetzt herausstelle, viele längerfristige Ausfälle aufgrund von Krankheiten, Mutterschutz und Elternzeiten. Für diese müsse man Ersatzlehrkräfte finden – Pensionäre zum Beispiel.

Besonders zu knabbern haben die Grundschulen: An drei Standorten werden noch Klassenlehrer gesucht. Welche Schulen das sind, mag Lumpp nicht sagen, da sich die Situation ja jederzeit noch ändern könne. Die Grundschulkollegien haben Verstärkung durch Gymnasiallehrer bekommen. Insgesamt 18 dieser Pädagogen haben sich bereit erklärt, im Primarbereich zu unterrichten. An den Gymnasien konnten zwar alle Stellen besetzt werden, jedoch seien Physik und Informatik Engpassfächer. An den beruflichen Schulen konnten Stellen in den Fachrichtungen System- und Informationstechnik, Energie- und Automatisierungstechnik sowie Maschinenbau nicht besetzt werden – „da es keine geeigneten Bewerber/innen gibt“, so Lumpp. Die Schulen versuchten, dies durch interne Umschichtungen und über befristete Verträge abzufedern.

Realschulen suchen noch Englisch-, Französisch- und Deutschlehrer

Auf weitere pädagogische Bewerber hoffen auch die Realschulen: An zwei Standorten werden noch Englisch-, Französisch- und Deutschlehrer gesucht. Auch an vier Werkreal- und Gemeinschaftsschulen fehlen noch Lehrer. Durch befristete Einstellungen und Krankheitsvertretungen könne jedoch der Pflichtunterricht „weitestgehend abgedeckt werden“, so Lumpp. Wie viele Stellen letztlich aber nicht besetzt werden können, könne das Regierungspräsidium derzeit noch nicht abschließend beantworten, da einige freie Stellen auch über Deputatsaufstockungen und durch vorzeitige Rückkehr aus der Beurlaubung ersetzt würden.

An den Sonderschulen gibt es ebenfalls einen Mangel an Bewerbern. Er soll durch 29 befristet eingestellte Lehrkräfte kompensiert werden. Im Unterschied zum landesweiten Trend rechnet man in Stuttgart in fast allen Schularten mit stabilen bis steigenden Schülerzahlen. Die genauen Zahlen stehen zwar erst im Oktober fest, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Andrang auf die Gymnasien auf hohem Niveau stabil bleibt. In den Klassenzimmern dort wird es allerdings noch enger, da deren Zahl nicht so wachse wie die der Schüler. Das ergibt sich vor allem daraus, dass auf die derzeit schwächeren Abijahrgänge die geburtenstarken Jahrgänge folgen. In Klassenstufe fünf seien es bereits im vergangenen Jahr durchschnittlich 27,7 Schüler pro Klasse gewesen, berichtet Philipp Forstner, der stellvertretende Leiter des Schulverwaltungsamts. Allerdings nehme die Klassenfrequenz an den Gymnasien mit dem Aufsteigen der Jahrgänge tendenziell ab, an den Realschulen hingegen eher zu, so Forstner.

Für 330 überforderte Gymnasiasten Plätze an Real- und Gemeinschaftsschulen gefunden

Grund seien die Schulwechsler. Bereits während des vergangenen Schuljahrs hatte sich herausgestellt, dass 330 Gymnasiasten mit dieser Schulart überfordert waren. 23 Schüler konnten noch während des Schuljahrs an eine Real- oder Gemeinschaftsschule wechseln. Nun habe man auch für alle übrigen dieser Schüler einen Schulplatz auf einer Real- oder Gemeinschaftsschule gefunden, teilt Lumpp mit. Dies sei das Ergebnis einer gemeinsamen Sitzung des Schulamts mit den Schulleitungen der Gymnasien und den Schulen der Sekundarstufe I noch im Juli gewesen. Allerdings seien die Anmeldungen noch nicht abgeschlossen.

Räumlich stoßen die Gymnasien schon lange und jetzt eben auch die Realschulen an ihre Grenzen. „Wir beschulen schon seit Jahren über die Kapazität hinaus“, sagt Philipp Forstner. Deshalb werde es weiterhin an etlichen Gymnasien, aber nun auch an Realschulen Wanderklassen geben. Und zu den bestehenden Außenstellen sei jetzt noch eine weitere dazugekommen: Die Schlossrealschule im Stuttgarter Westen bringt die Klassenstufen fünf und sechs – insgesamt sechs Klassen – neuerdings im Gebäude der ehemaligen Friedensschule in der Bismarckstraße unter. Das Gebäude teilt sie sich mit der Schwabschule, die dort während ihrer Sanierung ebenfalls untergebracht ist.

In den nächsten Jahren rechnet Stuttgart mit steigenden Schülerzahlen

Räumliche Entspannung wird es in Stuttgart so schnell nicht geben: „In den nächsten Jahren kommen stärkere Grundschuljahrgänge“, kündigt Forstner an. „Wir müssen von stabilen bis ansteigenden Schülerzahlen ausgehen – während sie im Land rückläufig sind.“ Grund sind Zuzüge, und in den vergangenen Jahren wurden in Stuttgart auch mehr Babys geboren.

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