Stephanie Burck und Rektorin Nadia Bescherer-Zeidan (rechts) sichten das Angebot in der von Müttern geführten Bibliothek der Robert-Koch-Realschule. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ganztagsschulen garantieren die Betreuung bis zum späten Nachmittag – auch wenn Unterricht ausfällt. Das stellt die Schulen vor besondere Aufgaben. Ein Besuch in der Robert-Koch-Realschule in Stuttgart.

Stuttgart - Mintgrüne Ledersessel und cremefarbene Sofas stehen in der Bibliothek der Robert-Koch-Realschule in Vaihingen. Eine mattierte Glasscheibe mit Bambusmotiven erlaubt den Blick auf alte, große Bäume. Kein Wunder, dass die Schülerinnen und Schüler hier gern chillen, in der „Café Lounge“, die von Müttern betrieben wird. Die Frauen gehören zu jenen zehn bis 15 Betreuern, die als Jugendbegleiter im Einsatz sind und den Ganztagskindern den Tag versüßen. Deshalb stehen in den blitzblank geputzten Regalen nicht nur Lexika, sondern auch Donald-Duck-Hefte oder Jugendromane.

 

„Auch das Mittagessen und die Spiele in der Mittagspause gehören zum Programm der Jugendbegleiter, die Schüler können dank der Kooperation mit der Jugendhausgesellschaft über Mittag auch ins benachbarte Jugendhaus gehen“, sagt Stephanie Burck. Sie ist Lehrerin für Deutsch, Französisch, Gemeinschaftskunde und Geschichte, gehört dem Schulleitungsteam an und ist verantwortlich für die Organisation des Ganztags. Im Jahr 2006 hat die Robert-Koch-Realschule das Ganztagsangebot wahlweise eingeführt. „Jeweils die Hälfte der Eltern, die ihr Kind an der Robert-Koch-Realschule in Vaihingen anmelden, entscheidet sich für eine Ganztagsklasse“, sagt Rektorin Nadia Bescherer-Zeidan.

Zeit für AGs geschaffen

Seit der Einführung des Ganztags für die Klassenstufen 5 bis 7 im Jahr 2006 hat sich die Ganztagsstruktur an der Vaihinger Realschule gewandelt. „Anfangs galt der Ganztagsunterricht von 8.30 bis 15.30 Uhr an vier Nachmittagen, nur der Freitag war frei. Die Schüler fanden es allerdings sehr anstrengend, täglich so lange mit 30 anderen Schülern zusammen zu sein“, sagt Stephanie Burck. Und: Kein Ganztagskind habe die AGs belegen können, die traditionell am Mittwochnachmittag stattfänden. Also wurde der Mittwoch zu einem zusätzlichen freien Nachmittag.

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Trotzdem bleiben fünf Vormittage und drei Nachmittage, an denen alle Stunden von Lehrern bestritten werden müssen. „Wir sind eine Realschule mit musischem Profil, mit Kunst und Musik, wir haben das Fächerangebot entsprechend rhythmisiert“, sagt Nadia Bescherer-Zeidan. Die Kinder würden im Wechsel zwischen kognitiv fordernden und haptisch oder körperlich fordernden Einheiten unterrichtet.

Lehrer sind auch ganztags im Einsatz

Andere Ganztagsschulen haben die ergänzenden Angebote samt und sonders auf den Nachmittag verlagert. Wenn ein Lehrer ausfällt, bleibt das nur bis zum Mittagessen ein Problem. Nicht so an der Robert-Koch-Realschule. „Wir müssen die Betreuung bis 15.30 Uhr stemmen“, sagt die Rektorin. Das gehe nur mit klaren Regelungen. „Wenn die Stundenpläne gemacht sind, können die Kollegen ihren freien Tag planen. Es ist aber von anfang an festgelegt, dass sie an ihrem freien Tag notfalls einen kranken Kollegen vertreten müssen. Jeder Ganztagsnachmittag ist mit drei Vertretungen abgesichert.“

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Und wenn ein Jugendbegleiter ausfällt? „Die sprechen sich normalerweise untereinander ab, aber im schlimmsten Fall springen Lehrer ein“, sagt Stephanie Burck, „bei uns geht ja keiner mehr pünktlich um 13 Uhr nach Hause.“ Die zunehmenden Teilzeitverträge würden die Planung zwar erschweren, doch seien sie nötig für jene, die zu Hause selbst Kinder zu betreuen hätten.

Schon zum Schulstart zu wenig Lehrer

654 Jungen und Mädchen werden im Schuljahr 2018/19 an der Robert-Koch-Schule unterrichtet, „eine Klasse mehr als im vergangenen Jahr“, sagt Nadia Bescherer-Zeidan, Chefin über 48 Lehrer. Man starte „ohne Krankheitsreserve und mit einer Personalausstattung unter 100 Prozent“ ins neue Schuljahr. Für keine Kollegin, deren Schwangerschaft erst nach den Sommerferien bekannt würde, sei noch ein Lehrer auf dem freien Markt zu bekommen. Ausstattung und Standort behage außerdem nicht jedem Bewerber. Einen Joker hat die Rektorin allerdings im Ärmel: „Überzeugen können wir mit unserem musischen Profil“.