Auch Klavierunterricht findet derzeit nur online statt. Foto: picture alliance / dpa/Jens Kalaene

Die Lehrer der Musikschulen steigen in der Corona-Krise auf Online-Unterricht um. Die meisten Eltern zeigen sich sehr solidarisch

Marbach/Bottwartal - Auf dieses Wochenende hatten die Chormitglieder der Groovin’ Foxes lange hingefiebert: Am Samstag und Sonntag hätten sie in Großbottwar und Leingarten zwei Konzerte mit der Gospel-Legende Calvin Bridges aus Chicago geben sollen. Doch auch diese Veranstaltungen fielen der Corona-Pandemie zum Opfer. „Calvin Bridges war in Dänemark und hat es glücklicherweise einen Tag vor der Grenzschließung durch Präsident Donald Trump noch zurück in die USA geschafft“, erzählt Chorleiter Ulrich Staudenmaier.

Die Konzerte sollen im Frühjahr 2021 nachgeholt werden. Rund 1000 Euro haben die Chorsänger bereits vorgestreckt. „Der Anteil am Vorschuss kann angerechnet bleiben. Aber die Kosten für Flyer und Plakate sind weg, die müssen nächstes Jahr neu gedruckt werden“, erzählt Staudenmaier. Die verlegten Konzerte sind nicht sein einziges Problem. Seine Musikakademie MAKS in Großbottwar ist wie alle anderen Schulen auch seit dem 17. März geschlossen. „Ich bin der Einzige, der derzeit in der Musikakademie die Stellung hält“, erzählt er.

Der Musikunterricht geht jedoch weiter. „Die Lehrer haben sich sehr kreativ gezeigt und geben den Unterricht meist via Skype“, berichtet Staudenmaier. Für die meisten Kinder gehöre das Handy ohnehin zum Alltag, und auch alle Musiklehrer hätten eines. „Es gibt Live-Unterricht, oder die Lehrer versorgen die Kinder mit Musikvideos“, führt Staudenmaier weiter aus. Etwas umfangreicher falle die Nachbereitung aus: „Ich muss die Hausaufgaben oft noch per E-Mail schicken oder ein Übungsstück aufnehmen“, erläutert er.

Das würden jedoch alle Lehrer sehr gerne machen. „Musik kann den Kindern vielleicht ein Stück Normalität geben in Zeiten, wo sie so viel zu Hause sein müssen“, so Staudenmaier. Lediglich den Elementarunterricht „Klangwelten“ habe er einstellen müssen, da dieser sich an Gruppen richte. Die Eltern würden sich in diesen Zeiten sehr solidarisch zeigen. „Bisher hat noch niemand den Vertrag gekündigt“, freut sich Staudenmaier.

Solche positiven Erfahrungen hat auch Schulleiterin Bärbel Häge-Nüssle von der Musikschule Marbach-Bottwartal gemacht. „Wir haben rund 300 bis 400 Telefonate mit Eltern geführt. Sie waren alle sehr verständnisvoll, da hat kaum einer gemotzt“, erzählt sie. Vereinzelt habe es Anfragen gegeben, ob die Gebühren zurückerstattet würden. „Wenn Corona vorbei ist, wird es eine Entscheidung des Vorstands geben, die alle zufrieden stellt“, sendet sie positive Signale.

Auch die Musikschule in Steinheim ist geschlossen, nur die Geschäftsstelle ist besetzt. Auch hier bieten die Lehrer digitalen Unterricht an. „Die Kinder haben ja Zeit und Lust“, sagt Häge-Nüssle. Die Musiktheorie könne man beispielsweise durch Rätsel, die per E-Mail verschickt werden, oder mit Fotos aufs Handy vermitteln. „Auf Dauer braucht Musizieren aber den persönlichen Kontakt“, ist sich die Musikschulleiterin sicher.

Auch an der Jugendmusikschule Affalterbach sind die Lehrer auf Online-Unterricht umgestiegen. „Das ist besser als nichts. Vielleicht holen wir den Unterricht auch in den Pfingst- oder Sommerferien nach“, sagt Schulleiter Chris Burgmann. Auch er hat die Eltern seiner Schüler als überaus solidarisch erlebt. „Abmeldungen gab es noch nicht, im Gegenteil. Ein Vater hat uns sogar seine beheizbare Scheune für Unterricht angeboten“, sagt er.

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