In der Krankenpflege ist Teilzeitarbeit besonders gängig. Foto: Marijan Murat/dpa

Der CDU-Wirtschaftsflügel will „Lifestyle“-Teilzeit begrenzen. Dagegen sprechen die Zahlen. Und der Unternehmerverband UBW hält den Vorstoß für realitätsfern.

Die Teilzeitarbeit steht unter Beschuss: Der Wirtschaftsflügel der CDU befürwortet Einschränkungen, will aber wegen des Protests von vielen Seiten den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ nicht mehr verwenden.

 

Nun zeigt eine aktuelle Datenanalyse des Jobportals Indeed, dass Teilzeitstellen maßgeblich von den Unternehmen selbst vorangetrieben werden. Bundesweit sei mehr als jede vierte Stellenausschreibung (26,8 Prozent) mit weniger als der vollen Arbeitszeit ausgeschrieben – ein Plus von 68,7 Prozent seit 2020. Das Angebot an reduzierten oder flexiblen Arbeitszeitmodellen sei fest etabliert. Derweil liege der Anteil der Jobsuchen auf Arbeitnehmerseite, gefiltert nach „Teilzeit“, seit Jahren stetig bei 3,3 Prozent.

Teilzeit dominiert in Mangelberufen

Teilzeit, so Indeed, werde vor allem dort angeboten, wo der Fachkräftemangel am größten sei und vor allem Frauen beschäftigt seien: In der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Altenpflege seien weit mehr als jede zweite Stelle in Teilzeit ausgeschrieben. Ähnlich hoch lägen die Werte in der Kinderbetreuung, im Sozialdienst sowie im Bereich Bildung und Erziehung. Auch in Bürojobs zeige sich ein steigender Bedarf an Teilzeitkräften – wenngleich stark variiert.

Die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) halten das Anliegen des CDU-Wirtschaftsflügels zwar für berechtigt, nicht aber das Vorgehen. „Wir haben in Deutschland ein Problem mit dem verfügbaren Arbeitsvolumen, das zunehmend die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme und unseren Wohlstand gefährdet“, sagte UBW-Hauptgeschäftsführer Oliver Barta unserer Zeitung. „Wir müssen darüber reden, wie wir es schaffen, dass insgesamt mehr produktiv gearbeitet wird.“ In erster Linie gehe es um die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize – „nicht darum, zusätzlich zu bestehenden gesetzlichen Regelungen weitere Vorschriften oder Verbote aufzustellen“. Ein zentraler Stellhebel sei die „überfällige Reform des Arbeitszeitgesetzes, sodass die Menschen Arbeit besser und flexibler mit ihren Lebensumständen – ob familiär, gesundheitlich oder Freizeit – in Einklang bringen können.“

„An der betrieblichen Praxis vieler Menschen vorbei“

Wenn deutlich mehr Menschen in Vollzeit oder vollzeitnah statt in Teilzeit arbeiten würden, würde dies ebenfalls einen großen Beitrag zu mehr Arbeitsvolumen leisten. Dafür brauche es aber etwa tagsüber eine lückenlosen Betreuung von Kindern oder zu pflegenden Angehörigen. „Wer jedoch glaubt, mit dem gesetzlichen Teilzeitausschluss von bestimmten Personengruppen mehr Menschen zur Vollzeitbeschäftigung zwingen zu können, zielt an der betrieblichen Praxis und an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei“, betonte Barta.

Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (IAB) stellt einen Zuwachs an offenen Teilzeitstellen fest: 2023 lag der Anteil bei 22 Prozent und 2024 bei 23 Prozent. Auch ergibt sich ein Plus gegenüber den Jahren davor, deren Zahlen wegen statistischer Änderungen nicht vergleichbar sind.

Kretschmann: Wir müssen wieder zupacken

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kritisiert die Diskussion: „Das Thema über Begriffe wie Lifestyle-Teilzeit einzufädeln, kann ja nur polarisieren“, sagte er. „Die meisten Menschen, die in Teilzeit arbeiten, dürften dafür gute Gründe haben.“ Teilzeitkräfte verdienten auch weniger.

Aber „dass wir insgesamt mehr arbeiten müssen, steht für mich außer Frage“. Alle müssten wissen: „Es muss einen Ruck geben, wir müssen wieder zupacken“, betont er. Die Diskussion müsse aber so geführt werden in der Gesellschaft, „dass wir auch zum Ergebnis kommen und nicht so, dass sie von vorneherein Missverständnisse erzeugt – als würden wir den Leuten Faulheit vorwerfen“, sagt er. Denn das wäre „einfach Quatsch“.