Die heimischen Wirtschaftsführer Markus Höfliger und Ulrich Viethen (Murrelektronik) bekennen sich in einer Diskussion mit der Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) in Oppenweiler klar zu Windkraft und dem dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien.
Nach Ansicht des Murrhardter Landtagsabgeordneten Ralf Nentwich (Grüne) wird die Diskussion um Windkraftanlagen in Baden-Württemberg zu sehr von mutmaßlichen Risiken oder Nebenwirkungen beherrscht. Er möchte lieber über die Chancen reden. Am Mittwochabend hat er dies in Oppenweiler getan. Im Gespräch mit zwei örtlichen Wirtschaftsführern und der Umweltministerin ging es um den „Wirtschaftsfaktor Windenergie“.
Der schwäbische Unternehmertraum
Markus Höfliger, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Allmersbacher Maschinenbauherstellers Harro Höfliger, hat eine Vision. „Als Schwabe muss ich sagen: Die Vorstellung von einer autarken Fabrik ist absolut cool.“ Der Sohn des verstorbenen Firmengründers weiß, dass dieser Traum unter den hiesigen Voraussetzungen nur schwer zu erreichen sein wird („die Murr gibt bei uns für Wasserkraftturbinen leider nicht viel her“), aber beim Ausbau erneuerbarer Energien sollte seiner Meinung nach jede Möglichkeit genutzt werden. Seine Firma experimentiere vor Ort mit einem Prototyp für die Speicherung von mit Photovoltaik erzeugten Stroms in Wasserstoff und sammle Erfahrungen mit einer Mikrogasturbine. Welcher Baustein letztlich die Lösung bringe, sei noch nicht abzusehen. Aber wichtig sei, dass wir „heute anfangen“.
Das sieht auch die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Thekla Walker (Grüne) so. Die dezentrale Gewinnung erneuerbarer Energien sei nicht nur aus Gründen des Klimawandels ein Gebot der Stunde. Sie sei spätestens seit dem Ukraine-Krieg auch „ein Sicherheitsthema“ geworden – und ein entscheidender Wirtschaftsfaktor: „Die Unternehmen fragen bei Ansiedelungen mittlerweile als erstes: Habe ich hier grüne Energie?“ Aber nicht nur für die Wirtschaft sei erneuerbare Energie vor Ort ein Standortfaktor, auch die Kommunen könnten in nicht unerheblicher Höhe profitieren, etwa über Pachteinnahmen für die Bereitstellung von Windkraftstandorten. Letztlich aber sei die Nutzung aller Potenziale auch eine „große Verantwortung unserer Generation“, so Thekla Walker.
Energiewende „zwingend“
Auch für Ulrich Viethen, Geschäftsführer des in Oppenweiler ansässigen Automatisierungstechnik-Spezialisten Murrelektronik, ist die rasche Energiewende „zwingend“ und die Transformation nur mit einer zunehmenden Elektrifizierung möglich. Zur Erzeugung des benötigten Stroms wiederum sei „Windkraft eine großartige Option“, so der promovierte Ingenieur, der aber auch betont: „Ohne einen Speicher wird das System nicht funktionieren.“ Viethen appelliert in dem Zusammenhang an die Politik, der Wirtschaft viele Experimente zu ermöglichen und deren kreatives Potenzial zu nutzen, ohne dabei eine technologische Vorgabe zu machen.
In der Idealvorstellung von Thekla Walker wird künftig jeder einzelne Haushalt an der Erzeugung erneuerbarer Energien beteiligt sein. Allerdings setzte das eine ungleich stärkere digitale Steuerung voraus. Das Energiesystem der Zukunft werde ein hochkomplexes sein, so die Umweltministerin. Und um dieses in den Griff zu bekommen, habe Deutschland noch einigen Nachholbedarf. Auch im europäischen Vergleich: „Jeder Däne weiß, zu welcher Zeit er am besten die Waschmaschine einschaltet“, so Walker.
Wie profitiert der Bürger?
Ein örtlicher Ingenieur im Ruhestand monierte, dass jene, die die Lasten der Energieerzeugung tragen, nicht unmittelbar am Profit beteiligt würden. Die vier auf Oppenweiler Markung geplanten Windräder seien geeignet, 48 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr zu erzeugen, rechnete er vor. Die 4500 Einwohner der Kommune benötigten im Schnitt 28 Millionen. Da stelle sich schon die Frage: „Wie profitieren die Bürger hier von den Windrädern in ihrer Nachbarschaft?“ Ralf Nentwich ist überzeugt, dass auch das möglich ist. „Alfdorf macht das mit seiner aktiven Bürgerenergiegenossenschaft vor.“ In Oppenweiler hingegen hat am Rande der Veranstaltung der Protest einer Bürgerinitiative den Ton angegeben.
Pläne für den Windpark Oppenweiler-Aspach
Projekt
Die Uhl Windkraft Projektierung GmbH & Co. KG mit Sitz in Ellwangen und die EnBW Windkraftprojekte GmbH planen nordwestlich von Oppenweiler sowie nordöstlich der Gemeinde Aspach einen Windpark mit bis zu acht Anlagen. Diese sollen laut Eigendarstellung eine Nennleistung von je 7,2 Megawatt (MW), einen Rotordurchmesser von 172 Metern und eine Nabenhöhe von 175 Metern haben. Die Gesamtleistung soll bei 57,6 Megawatt liegen. Der jährliche Ertrag könnte demnach bei etwa 96 Millionen Kilowattstunden liegen. Das würde den durchschnittlichen Stromverbrauch von mehr als 20 000 Haushalten decken. Die Projektpartner hoffen auf eine Genehmigung noch in diesem Jahr und eine Inbetriebnahme im Jahr 2026.
Protest
Gegen das Projekt hat sich Widerstand formiert. Die Bürgerinitiative „Walderhalt statt Windindustrie“ betont, keine generellen Vorurteile gegenüber Windkraftprojekten zu haben. Man setze sich in diesem Zusammenhang aber entschieden für den Schutz der heimischen Wälder ein. In dieser Hinsicht spreche man sich strikt gegen den Bau von Windindustriegebieten im Wald aus, da die potenziellen Schäden in einem unverhältnismäßigen Verhältnis zum Nutzen stünden.