Der einst beliebte Baustoff Asbest steht auf dem Index: Er gilt als krebserregend und erbgutschädigend. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Der Chef eines Recyclingunternehmens aus Remseck kommt glimpflich davon. Das Gericht glaubt, er wollte etwas vertuschen, als Kontrolleure vom Landratsamt anrückten.

Remseck - Weil auf seinem Recyclinghof in Remseck Asbest gefunden wurde, musste sich am Mittwoch ein 54-Jähriger vor dem Ludwigsburger Amtsgericht verantworten. Die Platten mit den krebserregenden Stoffen habe ihm bestimmt ein Fremder heimlich über den Zaun geworfen, sagte der Firmenchef. Doch wie zuvor schon die Kontrolleure vom Landratsamt hielt auch das Gericht diese Aussage für eine Schutzbehauptung. Nun muss der Mann aus Beilstein 8000 Euro an den Naturschutzbund zahlen.

 

Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, beteuerte der 54-Jährige. „Was soll ich denn gestehen? Ich wusste ja nicht, dass da asbesthaltige Platten drunter waren.“ Hätte er es gewusst, hätte er die giftigen Materialien unverzüglich bei der benachbarten GWV-Verwertungs- GmbH abgegeben, sagte der Mann. „Das hätte mich vielleicht 30 Euro gekostet.“

Dubiose Aktion auf der Schutthalde

Doch die Unschuldsbeteuerungen des Chefs des Bauschutt-Recyclingunternehmens, der auch noch eine weitere Recyclingfirma bei Dresden leitet, verfingen nicht – nicht zuletzt wegen seines Verhaltens während einer Betriebsprüfung am 19. April 2018, das die Staatsanwältin als „zumindest seltsam“ bezeichnete.

Die Ludwigsburger Behörden waren im Zusammenhang mit einem Umweltdelikt im Kreis Heilbronn auf die Remsecker Firma aufmerksam geworden. Und just in der Dreiviertelstunde, in der die Gewerbeaufsicht und Experten vom Umweltreferat des Landratsamts dessen Betrieb inspizierten, soll der Mann Mitarbeiter angewiesen haben, die asbesthaltigen Platten aus einer Schutthalde herauszuklauben.

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Außerdem soll er zuvor selbst mit einem Radlader versucht haben, den Schutt umzuschichten – bis er von den Kontrolleuren gestoppt wurde. Er habe nie etwas Derartiges angewiesen, und er habe auch nicht versucht, etwas zu vertuschen, sagte der Unternehmer, dem nach der Kontrolle im Vorjahr ein Strafbefehl über 18 000 Euro zugestellt worden war. „Das wäre der Tod für meinen Mandanten“, sagte dessen Verteidiger. Der Vater von fünf Kindern könne eine solche Summe nicht aufbringen. Auch deshalb hatte der Beschuldigte dagegen Widerspruch eingelegt.

Verteidigter beschuldigt Behördenvertreter

Um die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zu entkräften, versuchte der Verteidiger, den Auftritt zweier Behördenvertreter, die auch als Zeugen geladen waren, in Zweifel zu ziehen. So habe sich etwa der 53-jährige Leiter der Kontrollaktion „in obsessiver und aggressiver Weise“ auf den Beschuldigten eingeschossen. Er neige dazu, bloße Vermutungen als Behauptungen in den Raum zu stellen. AMußerdem habe er Druck auf Firmenmitarbeiter ausgeübt. Dazu sei die Mitarbeiterin von der Gewerbeaufsicht bei Entnahme einer Asbestprobe reichlich fahrlässig vorgegangen. Das spreche dafür, dass von den Stoffen keine echte Gefahr ausgegangen sei, solange sie nur auf dem Gelände der Remsecker Bauschuttfirma gelagert waren.

Die 34 Jahre alte Expertin, die Proben von dem giftigen Abfall entnommen hat, tat dies nach eigener Aussage ohne Handschuhe oder Mundschutz. „Ich war achtsam, habe nur ein loses Stück genommen“, sagte die junge Frau. Wirklich gefährlich seien die Asbestfasern erst, wenn etwas davon abgebrochen oder wenn daran gerieben werde.

Der Chef ist verantwortlich

Das wiederum irritierte auch die Staatsanwältin: „Ich finde es ein bisschen widersinnig, wenn jemand von einer Fachbehörde ohne Schutzkleidung eine Probe entnimmt, aber beanstandet, dass ein Firmenmitarbeiter auf den Schuttberg gestiegen ist.“ Das ändere jedoch nichts daran, dass der Beschuldigte gefährliche Stoffe gelagert habe. „Sie sind verantwortlich für das, was auf dem Gelände passiert“, sagte auch die Richterin.

Dass der Unternehmer statt der ursprünglich angesetzten 18 000 Euro nur 8000 Euro zahlen muss, hat damit zu tun, dass im ersten Strafbefehl zwei Fundorte aufgelistet waren. Wie sich später zeigte, befand sich nur einer davon auf seinem Grundstück.