Unterwegs im ewigen Eis, um den Klimawandel zu erforschen: Seit zehn Jahren stellt Heli Service International Hubschrauber für die Polarstern-Expeditionen. Foto: Lukas Piotrowski

Der gebürtige Gerlinger Oliver Freiland leitet den Helikopterdienstleister Heli Service International mit Sitz in Emden. Seine Hubschrauber sind auch bei den Expeditionen des Forschungsschiffes Polarstern im Einsatz.

Gerlingen/Emden - Es ist klirrend kalt. Schneestürme toben, Winde fegen, Eis bricht, immer wieder kommen Eisbären, und während der Polarnacht ist es fast ein halbes Jahr lang zappenduster: Das deutsche Forschungsschiff Polarstern ging im Herbst vor zwei Jahren auf die bis dato größte Arktis-Expedition. Zwölf Monate lang driftete das Schiff eingefroren im Eis durchs Nordpolarmeer.

 

Dabei sammelten Wissenschaftler aus aller Welt viele Daten. Das Ziel der Mosaic-Mission war laut dem Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Kaum eine Region habe sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis, so das AWI, das den Eisbrecher, der auch ein Versorgungsschiff ist, betreibt.

Sechs bis zehn Wochen auf der Polarstern

Teil der Expedition waren je zwei Piloten und Techniker plus zwei Hubschrauber des Helikopterdienstleisters Heli Service International mit Sitz in Emden in Ostfriesland. Sie brachten die Wissenschaftler zu den Forschungsstationen, machten geografische Vermessungsflüge oder Flüge für Bildaufnahmen und Wildtierzählungen. Sie beförderten auch Fracht oder nahmen spezielle Messgeräte ins Schlepptau.

„Die Mitarbeiter sind sechs bis zehn Wochen auf dem Schiff, dann werden sie ausgewechselt“, sagt der Geschäftsführer und gebürtige Gerlinger, Oliver Freiland. Damit wird auch verhindert, dass sich Routine und damit Fehler bei den anspruchsvollen Einsätzen einschleichen. Wenn sie nicht gerade im ewigen Eis sind, fliegen die Piloten Fracht, Material und Service-Monteure von großen Energiekonzernen zu den Offshore-Windparks weit draußen in der Nordsee.

„Das ist eine Riesenehre und ein Privileg“

Oliver Freiland, der heute in Emden sowie in München lebt und Heli Service International vor rund sechs Jahren kaufte, spricht mit Blick auf den Eisbrecher Polarstern bewusst im Präsens. Denn sein Unternehmen stellt seit zehn Jahren dauerhaft Helikopter. Mit einer öffentlichen Ausschreibung hat alles begonnen.

„Das ist eine Riesenehre und ein Privileg. Wir unterstützen die Expeditionen mit Euphorie“, sagt der 44-Jährige, dessen Mutter noch im Strohgäu wohnt. Die Piloten trainierten im Jahr 700 Stunden nur für die Expeditionen. Sollte sich eine Möglichkeit ergeben, wird Oliver Freiland bei einer Überfahrt des Eisbrechers dabei sein.

Reiselustig war er schon während seines Studiums der Elektrotechnik in Aachen und in Japans Hauptstadt Tokio. Danach war er für seine Arbeitgeber immer wieder im Ausland, in den USA, im Nahen und Mittleren Osten, in Skandinavien. Er war dabei im konventionellen Energiesektor tätig. „Das hat mir viel Spaß gemacht, aber der Antrieb war nicht erkennbar“, sagt Oliver Freiland. Er wusste schon immer, dass er „etwas Eigenes“ machen wolle, nämlich ein Unternehmen weiterentwickeln. „Die Idee war früh da, bloß fehlte die Substanz.“

Schnell Begeisterung für die Luftfahrt

Jahrelang suchte Oliver Freiland mit einem Stuttgarter Partner etwas Geeignetes, schaute in der Zeit eine Reihe von Firmen an. Er habe aber nicht nur geschaut, sondern sich auch viel ausgetauscht, gelesen, gelernt. „Die Kunst liegt im Anfang“, sagt Oliver Freiland. Sobald die Entscheidung falle, etwas zu tun, folge alles andere und man bekomme ein Gefühl dafür.

Nachdem er auf Heli Service gestoßen war, gegründet anno 1987, dauerte es zwei Jahre bis zum Kauf. Für die Luftfahrt sei er einfach zu begeistern, sagt Oliver Freiland, ebenso für regenerative Energien. „Wir fliegen mit modernsten Helikoptern aufs offene Meer.“ Der Unternehmer nennt Offshore hochattraktiv. „Offshore-Wind ist eine der wenigen regenerativen Energiequellen, die einen wesentlichen Beitrag leisten kann, damit wir andere Energieträger wie Erdöl und Kohle reduzieren können.“ Der Ausbau sei unerlässlich für die Energiewende.

In England werden Menschenleben gerettet

Oliver Freiland beschäftigt mittlerweile 150 Mitarbeiter und hat sein Unternehmen ausgebaut. Es gibt vier Geschäftsbereiche, einen fünften hat der 44-Jährige bereits im Sinn. Zum Kerngeschäft, den Versorgungsflügen zu den Offshore-Windenergieanlagen und Plattformen, gehört auch das Abseilen von Technikern auf die Turbine eines Windrades. Emden sei das Offshore-Zentrum von Deutschland, sagt Oliver Freiland.

Jene Forschungsflüge im ewigen Eis sind ein weiterer Geschäftsbereich. Außerdem wartet Heli Service inzwischen auch Fremd-Helikopter. Und seit diesem Jahr retten die Piloten mit Ärzten und Sanitätern an Bord in England Menschenleben. Auf die „fliegenden Krankenwagen“, vergleichbar mit der Luftrettung von DRF und ADAC hierzulande, sei er sehr stolz, sagt der 44-Jährige. „Die Rettung ist eine tolle Sache.“ Künftig will er auch technische Dienstleistungen an Windparks anbieten. Das sei eine logische Erweiterung der jetzigen Dienstleistungen.

Deutschland hinkt beim Ausbau hinterher

Oliver Freiland bedauert, dass andere Länder wie England beim Ausbau erneuerbarer Energien Deutschland weit voraus seien. Dabei sei die Bundesrepublik ein Pionier bei der Offshore-Energie und -Technik. Doch technische Kompetenz und Wertschöpfungen würden ins Ausland gehen. „Das ist traurig und bitter.“ Mit ein Grund: Hier werde der Ausbau stark limitiert durch den Staat. „Und bis man einen Windpark endlich bauen kann, vergehen fünf, sechs Jahre. Das ist sehr lange“, sagt Oliver Freiland.

Und trotzdem: Der 44-Jährige hat seinen Antrieb nun gefunden und behalten. Seine Motivation sei, ein gut funktionierendes Unternehmen auf- und auszubauen – „und die Freude am Tun, die eintritt, wenn ich diese Ziele erreiche“.