Allgaier in Mexiko geht an einen Investor. Der Insolvenzverwalter führt die Allgaier Automotive in Uhingen unverändert fort. Foto: Giacinto Carlucci

Ein weiterer Unternehmensteil der insolventen Allgaier-Gruppe ist verkauft. Die mexikanische Tochter geht an einen italienischen Investor. Alle rund 500 Mitarbeiter behalten ihren Arbeitsplatz. Auswirkungen auf den Uhinger Standort gibt es nicht.

Neue Entwicklung bei Allgaier: Das Pluta-Team vermeldet einen weiteren Unternehmensverkauf im Rahmen des Insolvenzverfahrens der Allgaier-Gruppe. Insolvenzverwalter Fritz Zanker hat die mexikanische Tochtergesellschaft der Allgaier Werke an einen italienischen Investor veräußert. Damit bleiben rund 500 Arbeitsplätze in Mexiko erhalten, teilt die Kanzlei mit.

 

Die Automotive-Gesellschaft Allgaier De Puebla S.A.P.I. De C.V. ist ein Tochterunternehmen der insolventen Holdinggesellschaft Allgaier Werke GmbH. Die mexikanische Gesellschaft befindet sich nicht im Insolvenzverfahren und wird nun an die italienische Proma Group mit Sitz in Caserta, nördlich von Neapel, veräußert. Den Kaufvertrag haben die Verantwortlichen in der vergangenen Woche in Mexiko unterzeichnet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Vollzug der Transaktion wird in den kommenden Wochen erwartet. Die Kartellbehörde muss den Verkauf noch genehmigen.

Die Proma-Group produziert Sitzkonstruktionen und Karosseriebaugruppen

Allgaier ist in Mexiko seit 2009 tätig und hat zwei Standorte in Puebla in der Nähe von Mexiko-Stadt sowie in Aguascalientes und stellt in beiden Produktionsstätten Pressteile und Komponenten für die in der Region ansässige Automobil- und Zulieferindustrie her. Die Proma Group ist ein Automobilzulieferer und auf die Entwicklung und Herstellung von Sitzkonstruktionen, Karosseriebaugruppen und Fahrgestellsystemen spezialisiert und seit 1980 ein zuverlässiger Partner der Automobilindustrie. Mit dem Erwerb setzt das Unternehmen aus Italien seinen Expansionskurs fort.

Pluta-Sanierungsexperte Fritz Zanker erklärt: „Die mexikanische Gesellschaft ist operativ gut aufgestellt und war im Gegensatz zur Holding nicht im Verfahren. Mit dem Verkauf an die italienische Proma Group haben wir im Bieterprozess die ideale Lösung erzielt. Wir haben konstruktive Verhandlungen geführt und sind mit dem Vertragsabschluss sehr zufrieden. Der Investor übernimmt alle rund 500 Mitarbeiter.“ Allgaier war im Juli 2022 mehrheitlich von der chinesischen Westron Group übernommen worden. Knapp ein Jahr nach dem Einstieg meldete der neue Eigentümer Insolvenz an. Seitdem haben die Anwälte der Kanzlei Pluta das Sagen in dem Uhinger Traditionsunternehmen. Das Amtsgericht Göppingen hatte am 20. Juni 2023 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Allgaier-Holdinggesellschaft angeordnet und Fritz Zanker von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Im September 2023 wurde das Verfahren eröffnet und der Rechtsanwalt zum Verwalter bestellt.

Für zwei andere Gesellschaften der Allgaier-Gruppe erzielte das Pluta-Team bereits Ende 2023 Lösungen. Insolvenzverwalter Michael Wahl veräußerte die Firma Allgaier Process Technology an die Firma Siebtechnik. Für die Firma Mogensen erzielte Insolvenzverwalter Christian Heim ebenfalls eine Nachfolgelösung. Die Joest Group übernahm den Betrieb sowie die Tochtergesellschaften in Schweden und Spanien. Die Allgaier Automotive in Uhingen, eine Tochtergesellschaft der Holding Allgaier Werke, führt Rechtsanwalt Michael Pluta mit allen Mitarbeitern unverändert fort. Das ermöglicht eine Vereinbarung mit den wichtigsten Kunden. Der Sanierungsexperte hatte „positive Gespräche“ mit den Autoherstellern geführt. Die Vereinbarung soll den Hauptstandort des Automobilzulieferers im Insolvenzverfahren sichern. „Wir haben nun die Voraussetzungen geschaffen, um einen idealen Investor zu finden, der auch einen fairen Kaufpreis bezahlt. Wir haben keinerlei Zeitdruck, da der Betrieb stabil läuft und die OEMs uns unterstützen“, erklärte Pluta vor einigen Wochen. „Die Vereinbarung für den Standorterhalt werde auch im Falle einer Einigung mit einem Investor gelten“.

Der Allgaier-Betriebsrat zeigt sich hoffnungsvoll

„Grundsätzlich ist es erst einmal gut, dass wir in einer Rezession zwei Jahre Planungssicherheit haben.“ Allgaier-Betriebsratschef Stilianos Barembas gab dem Insolvenzverwalter recht: Der Zeitgewinn gebe der Autosparte des Uhinger Unternehmens die Möglichkeit, weitere notwendige Restrukturierungen anzupacken, nach Einsparmöglichkeiten zu suchen und den Verkaufsprozess in eine gute Richtung zu lenken. „Wir haben nun die Zeit, unsere Hausaufgaben zu machen“, betonte Stilianos Barembas. „Das ist aber keine One-Man-Show, das können wir nur gemeinsam schaffen“, unterstrich der Arbeitnehmervertreter. Er ist überzeugt: „Wenn wir jetzt die richtigen Schritte gehen, kann Allgaier zurück in die Erfolgsspur geführt werden.“

Automotive größte Gesellschaft

Unternehmen
 Die Firma Allgaier Automotive GmbH ist mit rund 730 Mitarbeitern die größte Gesellschaft der Gruppe am Hauptsitz in Uhingen. Die Firma Allgaier war im Juli 2022 mehrheitlich von der chinesischen Westron Group übernommen worden.

Probleme
Knapp ein Jahr nach dem Einstieg meldete der neue Eigentümer Insolvenz an. Seitdem haben die Anwälte der Kanzlei Pluta das Sagen in dem Uhinger Traditionsunternehmen.