Julian Reitze (links) und Stefan Zender machen Kaffeekapseln aus Holz. Foto: Gottfried Stoppel

Mit der Entwicklung von Holzkaffeekapseln haben Julian Reitze und Stefan Zender angefangen. Nun sind die beiden Jungunternehmer aus Waiblingen dabei, mit ihrer Verpackungstechnologie weitere Branchen zu revolutionieren.

Mit einer Kaffeemaschine in einer Studenten-WG hat alles angefangen. Daraus geworden ist ein europaweit tätiges Unternehmen mit Sitz in Waiblingen, das mit seinen innovativen, nachhaltigen Verpackungslösungen nach dem Kaffeemarkt jetzt noch weitere Branchen für sich erobert. Der Funke für die zündende Geschäftsidee der späteren Firmengründer Julian Reitze und Stefan Zender waren die Kaffeekapseln des Gemeinschaftsgeräts. Als bequeme Art des Kaffeekochens hatten sie die Maschine angeschafft, berichtet Reitze: „Aber wir haben uns dann ziemlich daran gestört, dass die Kapseln aus Aluminium und Kunststoff nicht recyclingfähig waren.“ So hätten sie sich darangemacht, eine Lösung zu suchen.

 

Drei Jahre in Fortbildung und Forschung gesteckt

Ihr Grundgedanke dahinter: „Ganz gleich, wie die Kapseln entsorgt werden, sie sollten keinen Schaden anrichten“, erklärt Reitze. „Knapp drei Jahre haben wir in Fortbildung und Forschung gesteckt.“ Parallel zu ihrem Studium an der Universität Stuttgarter hätten sie angefangen zu tüfteln, um ihre Idee einer Kaffeekapsel aus Holz zu realisieren. „Dadurch hatten wir Zugang zu Technik und Geräten.“ Zwar kamen sie als angehende Wirtschaftsingenieure aus einer völlig anderen Fachrichtung. „Aber wir haben mit Leuten aus dem Bereich der Kunststofftechnik gesprochen.“ Auf diese Weise gelang es ihnen, im Austausch mit der Uni Stuttgart und dem ihr angeschlossenen Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung aus Holzfasern und einem komplett abbaubaren Biopolymer pflanzlichen Ursprungs als Verbundmaterial eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Plastikkaffeekapseln zu entwickeln und ihre Idee zur Marktreife zu bringen.

2016 nach ihrem Studienabschluss machten sich Reitze und Zender mit der Gründung von Rezemo selbstständig. 2019 zogen sie mit ihrem Start-up aus Stuttgart nach Waiblingen ins Ameisenbühl in größere Räumlichkeiten mit eigener Produktionsfläche. Inzwischen beschäftigen die Existenzgründer, die aus dem Kreis Konstanz stammen, acht Mitarbeiter. Zu ihrem nachhaltigen Geschäftsmodell gehört auch ein möglichst regionaler Bezug der Rohstoffe. Das Holz stamme aus Sägewerksverschnitt von der Schwäbischen Alb und der Materialhersteller, der die Holzfasern für sie mit Biopolymer verbindet, sitze ebenfalls in Baden-Württemberg. Lediglich der in einer Manufaktur im Allgäu geröstete Kaffee kommt nicht aus dem Ländle.

Verpackungen möglichst schadstofffrei

Über die Sinnhaftigkeit, eine nachhaltige Kaffeekapsel zu entwickeln, könne man freilich diskutieren, sagt Julian Reitze. Doch ist dieses erste Projekt für den 30-Jährigen und seinen ein Jahr jüngeren Geschäftspartner lediglich der Ausgangspunkt weiterer ökologischer Verpackungslösungen. Natürlich sei es am besten, Verpackungen so weit wie möglich zu reduzieren. Gänzlich vermeiden ließen sie sich indes nicht. „Wo sie als Bestandteil unverzichtbar sind, sollten sie jedoch wenigstens nicht aus fossilen Rohstoffen sein, und am Ende sollten sie möglichst schadstofffrei sein, kein zusätzliches Kohlenstoffdioxid verursachen und kein Mikroplastik in den Naturkreislauf einbringen“, erklärt Julian Reitze. „Die ganze Idee des Recyclings funktioniert nämlich am Ende des Tages nicht.“

Laut Daten der Ellen MacArthur Foundation, deren Ziel es ist, eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen, werden von den jährlich 78 Millionen Tonnen an Plastikverpackung nur zwei Prozent in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwendet. Von weiteren 14 Prozent, die ebenfalls ins Recycling kommen, gehen vier während des Prozesses verloren. Und aus acht Prozent entstehen zwar auch neue Dinge, „aber sie werden downrecycelt, indem etwa aus PET-Flaschen T-Shirts oder eine Parkbank wird“, erläutert Reitze dazu. Ihr Ziel sei es daher, fossilbasierten Kunststoff durch pflanzenbasierten zu ersetzen. „Die Kaffeekapseln waren nur eine Möglichkeit, verschiedene komplexe Prozesse zu erproben und zu entwickeln, um unmittelbar ein Feedback zu bekommen.“

Die Nachfrage nach den Kapseln steigt

Derweil die Nachfrage nach ihren Kaffeekapseln steigt – „die Hotellerie ist unser stärkster Bereich“ – und andere Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Rezemo-Kapseln beziehen, um sie mit ihrem eigenen Kaffee zu befüllen, sind Reitze und Zender bereits an neuen Projekten dran. Dazu haben sie ein weiteres Label gegründet. Forewood haben sie es genannt und erschließen sich damit immer neue Geschäftsfelder. „Für den Agrarbereich haben wir eine Funktionsverpackung entwickelt, die auf dem Feld mitverteilt werden kann, und dieses Jahr starten wir im Kosmetikbereich zusammen mit der Firma Kneipp.“