In Deutschland sind rund 23 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Foto: dpa

Immer noch sind weniger Frauen als Männer in Führungspositionen. Wir haben mit Unternehmen auf der Filderebene gesprochen, wie sie mit diesem Thema umgehen.

Filder - Am 8. März war Internationaler Frauentag, und am 18. März ist Equal Pay Day: Vom 1. Januar bis zu diesem Tag arbeiten die Frauen quasi umsonst, da sie laut der Gewerkschaft Verdi durchschnittlich 21 Prozent pro Stunde weniger verdienen als Männer. Auch bei den Führungspositionen liegen die Frauen noch weit hinter den Männern: 2018 waren rund 23 Prozent der Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt. Grund genug, einmal bei Unternehmen auf der Filderebene nachzufragen, wie es bei ihnen aussieht.

Die Geschäftsführung des Flughafens besteht aus einem Mann und einer Frau, Walter Schoefer und Arina Freitag. „Hier haben wir also die 50/50 erreicht“, sagt Sprecherin Beate Schleicher. Die Problematik der wenigen Frauen in Führungspositionen habe man beim Flughafen erkannt, sagt sie. „Vor Jahren waren viele Abteilungen reine Männerrunden, jetzt sollen nach und nach auch mehr Frauen zum Zug kommen.“ Genaue Zahlen abseits der Geschäftsführung mag sie nicht nennen, es gebe aber interne Vorgaben, den Frauenanteil zu erhöhen. „Bei uns gibt es viele technische Bereiche“, erklärt Beate Schleicher. „Drei Viertel unserer Mitarbeiter sind Männer, ein Viertel sind Frauen.“ Alleine diese Verteilung mache es schon schwer, dafür zu sorgen, dass Frauen auch auf den Führungsebenen adäquat vertreten sind. „Es dauert eben“, sagt Schleicher. Mittlerweile gebe es aber auch bei der Flughafenfeuerwehr oder bei den sogenannten „Ramp Agents“, die die Flugzeuge auf dem Rollfeld für den Abflug vorbereiten, weibliche Mitarbeiter.

26 Prozent Frauen auf der zweiten Führungsebene

Bei der Landesmesse sind 60 Prozent von den rund 480 Mitarbeitern weiblich. „Der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland liegt in Unternehmen der Größenordnung 101 bis 500 Mitarbeiter bei etwa 13 Prozent“, sagt Markus Vogt, der Sprecher der Landesmesse. „Mit knapp 21 Prozent liegt die Messe Stuttgart deutlich darüber.“ Die Landesmesse habe 49 Mitarbeiter in Führungspositionen, zehn davon seien Frauen.

Anmerken muss man dabei, dass auf der Internetseite der Landesmesse die Geschäftsführung abgebildet ist – ausschließlich Männer. Auf der Ebene der Geschäftsleitung gebe es aber eine Frau, erklärt Markus Vogt, nämlich die Prokuristin der Messe-Tochter Retro Messen GmbH. Auf der zweiten Führungsebene betrage der Frauenanteil 26 Prozent.

Man sei aber sensibilisiert für das Thema: „In den vergangenen Jahren haben wir zahlreiche Maßnahmen gestartet, um die Bewerbung von Frauen auf Führungspositionen innerhalb der Messe Stuttgart zu fördern“, berichtet Markus Vogt. Beispielsweise habe man ein Talent-Management eingerichtet, in dem gezielt Frauen, die für Führungspositionen qualifiziert sind, gefördert werden sollen. Das zeige Erfolg: „In den vergangenen vier Jahren seit Einführung wurden auf insgesamt zehn freie Führungspositionen fünf Frauen berufen.“

Drei von sechs Abteilungen werden von Frauen geleitet

Beim Naturkosmetikhersteller Speick in Leinfelden-Echterdingen hat man einen vergleichbaren Frauenanteil, ebenfalls rund 60 Prozent. „Wir haben keine Probleme, Frauen in Führungspositionen zu bekommen“, sagt Gudrun Leibbrand, die Leiterin von Marketing und Produktmanagement, einfach aufgrund des „weichen Themas“ Naturkosmetik, für das sich viele Frauen interessierten. Neben dem Geschäftsführer Wikhart Teuffel werden drei der sechs Abteilungen von Frauen geleitet.

Ähnlich wie beim Flughafen stellt sich auch die Situation bei Lapp-Kabel in Stuttgart-Möhringen dar. „Wir sind in der technischen Branche unterwegs, darum arbeiten bei uns weniger Frauen als Männer“, sagt Sprecher Markus Müller. „Aber es ist für uns natürlich von Belang, dass auch Frauen auf allen Führungsebenen vertreten sind.“ Das sei ein wichtiges Thema im Betrieb, dessen Umsetzung auch von Vorstandschef Andreas Lapp ausdrücklich gewünscht werde, so Müller.

Aktuell werde beispielsweise die Lapp Systems GmbH, eine Tochterfirma, von einer Frau, Stefanie Heine, geleitet, auch der Lapp-Personalabteilung stehe eine Frau vor. „Wir haben schon einige Frauen bei uns in der Firma und in Führungspositionen“, sagt Müller, „aber wir arbeiten daran, dass es mehr werden“. Gegründet worden sei die Firma schließlich auch von einer Frau, von Ursula Ida Lapp, die die U. I. Lapp KG 1959 erstmals anmeldete. „Oskar Lapp, ihr Mann, war ihr erster Angestellter“, so Müller.

Eine neue Kollegin in der Rösterei

Auch Hochland-Kaffee in Degerloch hatte zu einer Zeit, in der das nicht üblich war, eine Frau als Chef: Das Gründerpaar Antonie und Gustav Hunzelmann hat im Jahr 1930 ihre erste Kaffeerösterei an der Stuttgarter Königstraße eröffnet. Gustav Hunzelmann starb 1933, und seine Witwe führte die Firma weiter und zog die beiden Söhne auf. „Dass sie das hinbekommen hat, ist beeindruckend“, sagt Hochland-Sprecherin Birgit Krauße. Heute sitzen Martina Hunzelmann, die Enkelin von Antonie und Gustav, und Josue Ruiz im Chefsessel. 80 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen. „Büroleiterin, Personalleiterin – wir haben einige Frauen in Führungspositionen zu bieten“, sagt Krauße. Vor allem in Läden und Cafés arbeiteten hauptsächlich Frauen. Lediglich in den Bereichen Rösterei und Vertrieb gäbe es, wohl aufgrund der schweren körperlichen Arbeit, vorrangig Männer, so Krauße. Aber auch das scheint sich zu ändern: „Seit kurzem haben wir eine neue Kollegin, die erste Frau in der Rösterei.“

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