Auf dem Parkplatz am Ostfilderfriedhof in Sillenbuch werden Wohnmodule für Geflüchtete aufgebaut. Im Stadtbezirk stellt man sich jetzt die Frage: Wo sollen Trauergäste künftig parken?
Es wird ernst am Höhenringweg in Sillenbuch. Der große Parkplatz am Ende der Wohnstraße wird mit einer neuen Großunterkunft für geflüchtete Menschen bebaut. Wie Oliver Hillinger, ein Sprecher der Stadtverwaltung, mitteilt, wurde die Baugenehmigung Ende Februar erteilt.
Die bauvorbereitenden Maßnahmen wie das Aufstellen eines Bauzauns, die Anschlussarbeiten für Abwasser, Wasser und Strom von der Straße sowie die Fundamentierung können starten. Schon lange ist bekannt, dass die Stadt auf dem Parkplatz des Ostfilderfriedhofs 23 Wohnmodule à jeweils 42 Quadratmeter sowie ein Büromodul für in Summe 92 Menschen aufstellen lassen will.
Pendler aus Esslingen belegen Parkplätze
Auf dem Ostfilderfriedhof, einem 7,4 Hektar großen parkähnlichen Gelände, finden im Mittel 160 Beerdigungen pro Jahr statt. Obwohl es neben dem geräumigen Friedhofsparkplatz unmittelbar daneben noch einen zweiten kleineren P+R-Parkplatz am Stadtbahnstopp Schemppstraße gibt, sind die Kapazitäten bei größeren Trauergesellschaften regelmäßig erschöpft.
Das liegt unter anderem daran, dass beide Parkplätze bei Pendlerinnen und Pendlern von auswärts beliebt sind. Der Bezirk Sillenbuch liegt an der VVS-Zonengrenze, die Fahrkarte wird ab hier günstiger. Das weiß auch der Bezirksvorsteher Hans Peter Klein. „Da stehen viele Autos mit Esslinger Nummer“, sagt er.
Durch die neue Unterkunft fallen nun gut 60 Parkplätze am Friedhof weg. Zwar will die Stadt nach Beendigung der Baumaßnahme knapp ein Drittel wiederherstellen, doch Ortskundige befürchten Engpässe. „Ich bin sehr besorgt wegen der Parksituation“, sagt Klein. „Die alte Oma mit 90 kommt halt nicht mit der Bahn.“ Er befürchtet ebenso ein Parkchaos wie Ulrich Storz, der dienstälteste Bezirksbeirat. In seinen Augen ist das Problem von den Planern nicht ausreichend berücksichtigt worden. Er geht davon aus, dass vor allem Trauergäste von außerhalb mit der Situation überfordert sein werden. „Wir haben große Bedenken geäußert“, sagt er fürs Gremium.
Stadt verweist auf Park-and-Ride-Platz
Im Rathaus rechnet man indes nicht mit einem Chaos, „das verursacht durch die Stadt Stuttgart aufgrund der Reduzierung der Friedhofsparkplätze entsteht“. Und überhaupt macht man darauf aufmerksam, „dass bislang viel mehr Parkplätze zur Verfügung gestellt worden sind, als für einen Friedhofsparkplatz gesetzlich vorgeschrieben ist“. Oliver Hillinger verweist als Alternative auf den kleineren P+R-Parkplatz, obwohl der faktisch schon morgens voll ist. „Nutzer der Stadtbahn, die in Sillenbuch parken, um günstiger in die Stadt zu gelangen, können die öffentlichen Verkehrsmittel für die Gesamtstrecke nutzen“, erklärt er.
Die Wohnmodule sollen erst im Januar 2027 fertig sein. Ursprünglich hätte die Unterkunft Anfang dieses Jahres in Betrieb gehen und dann für drei Jahre bleiben sollen. Denn die Fläche ist eigentlich verplant. Ende 2028, so der ursprüngliche Plan, hätte auf dem Friedhofsparkplatz der Bau der neuen Feuerwache beginnen sollen, doch im Doppelhaushalt 2026/2027 erfolgte nicht die erforderliche Finanzierung. „Sobald die Feuerwehr für den Bau des Feuerwehrhauses die Baugenehmigung vorliegen hat, wird der Standort geräumt“, einen Zeitplan gibt es jedoch nicht.
Bürgerzentrum kommt frühestens 2030
Ebenso in die Ferne gerückt ist ein weiteres Sillenbucher Großprojekt: der Bau des Bürgerzentrums samt Tiefgarage für Friedhofsgäste auf dem P+R-Parkplatz. Hierfür waren der Baustart Anfang 2027 und die Fertigstellung Ende 2028 vorgesehen gewesen. Mit dem aktuellen Haushalt wurden weitere Planungsschritte jedoch nur in Teilen beschlossen. Neuer Stand: Bauzeit 2030 bis 2031.