Die Renovierung der Gebäude in Böblingen kostet 42 Millionen Euro. Foto: factum/Archiv

Viele Unterkünfte des Klinikverbunds Südwests sind nicht mehr zu vermieten. Für Krankenhaus-Mitarbeiter fehlen Wohnungen. Die Renovierung der Häuser wird teuer – ihre Zukunft ist ungewiss.

Böblingen - Roland Bernhard hat die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum zur Chefsache gemacht. Im Blick hat der Landrat dabei auch die Heime an den Krankenhausstandorten in Böblingen, Herrenberg und Leonberg, wo der Klinikverbund Südwest Wohngebäude unterhält, die in die Jahre gekommen sind. Der Sanierungsstau ist überall enorm. Allein in Böblingen liegt er bei rund 42 Millionen Euro. Ob die Häuser in der Elsa-Brandström-Straße renoviert oder abgerissen werden, liegt in der Entscheidungsgewalt der Stadt Böblingen. Der Kreis ist zwar Eigentümer, den Stadtentwicklern im Böblinger Rathaus obliegt jedoch die Planungshoheit. Genau darin liegt das Problem.

Die Frage ist: Renovierung oder Abriss

„Der Kreis wird nicht in die Sanierung der Gebäude einsteigen“, sagte Bernhard, „die Planer im Böblinger Rathaus sollen frei sein bei der weiteren städtebaulichen Entwicklung.“ Während der Landrat Verständnis zeigt, dass man sich in Böblingen wie auch in Herrenberg und Leonberg Gedanken darüber machen muss, was mit den Wohnheimen geschehen soll, ging der CDU-Fraktionschef Helmut Noë in der jüngsten Ausschusssitzung des Kreistags noch einen Schritt weiter: „Wir sollten Gas geben“, forderte er und trat im Gegensatz zu Roland Bernhard für eine sofortige Renovierung der Gebäude am Böblinger Krankenhaus ein.

In den drei Heimen auf dem dortigen Klinikareal befinden sich insgesamt 307 Wohneinheiten. Dazu gehören 180 Wohnheimzimmer sowie 127 Wohnungen. „Derzeit können mehr als hundert nicht mehr vermietet werden“, erläuterte Björn Hinck, der Dezernatschef für Steuerung und Service im Landratsamt. Die Wasserleitungen sind veraltet, ebenso wie die Lüftungsanlagen und die Fenster. Manches ist kaputt. Auch die Fassaden und die Dächer müssten erneuert werden.

Dächer müssten wenigstens provisorisch geflickt werden

Momentan wohnen dort noch 28 Personen zur Miete, die im Krankenhaus beschäftigt sind. Die überwiegende Zahl der Bewohner – es handelt sich um insgesamt 276 – sind Menschen, die anderorts keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Um zwei der drei Wohnheime überhaupt weiterbetreiben zu können, müsste laut Hinck sofort mit der Renovierung begonnen werden. Dazu gehört nicht nur die Instandsetzung der Wasserleitungen, sondern auch die Erneuerung des Brandschutzes. Kurzfristig müssten die Dächer provisorisch geflickt und die Elektrik auf Vordermann gebracht werden. Es sei mit Kosten von einigen hunderttausend Euro zu rechnen.

Kräftig investiert werden müsste auch auf dem Klinikareal in Herrenberg, wo von den 170 Wohnungen in den Heimen 29 nicht mehr vermietet werden können, weil sie zu sehr heruntergekommen sind. Ähnlich verhält es sich mit den Wohngebäuden in Leonberg. Dort würde - so hat ein Gutachten ergeben – ein Abriss und ein Neubau weniger kosten als die Sanierung. Viele Pflegekräfte und auch Ärzte finden keine Unterkunft mehr, die in der Nähe ihres Arbeitsplatzes liegt. „Dabei ist gerade der zur Verfügung stehende Wohnraum eine wichtige Voraussetzung, um den Personalmangel in den Kliniken zu beheben“, erklärte der Dezernent Hinck.

Auch weil man mit anderen Krankenhausstandorten – etwa in Stuttgart – in einem harten Wettbewerb stehe, müssten dringend akzeptable Wohnmöglichkeiten geschaffen werden.

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