Die gut gefüllte Steinturnhalle bei der Infoveranstaltung zum Neubaugebiet Unterer Schützenrain. Foto: Jürgen Bach

Bei einer zweiten Infoveranstaltung zur Bebauung des Plangebiets Unterer Schützenrain stellt sich die Stadtverwaltung erneut den Fragen der Anwohner. Diese hegen Zweifel an einigen Aussagen in Analysen von unabhängigen Fachleuten.

Es ist ein idyllisches Stück Natur an den Toren Leonbergs, parallel zur Feuerbacher Straße gelegen. Obstbäume, Wiesen und Hecken bestimmen das Bild derzeit am Unteren Schützenrain, zumindest unterhalb der Bestandsbebauung. Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern, denn der Gemeinderat hat für 0,8 Hektar dieses Geländes am 19. November 2019 auf Basis eines interfraktionellen Antrags unter Schonung der dort vorhandenen Biotope einen Aufstellungsbeschluss gefasst – das ist der förmliche Startschuss des Bebauungsplanverfahrens.

 

Wichtig für Stadtentwicklung

Leonberg braucht Wohnraum. Das Plangebiet Unterer Schützenrain wurde im Rahmen einer Alternativenprüfung als Potenzialfläche ermittelt. Die Lage am Ortsrand und die dennoch gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums sowie die Anbindung an den ÖPNV machen nach Angaben der Stadtverwaltung die Bedeutung dieser Fläche für die Stadtentwicklung Leonbergs aus. Kriterien für das Investorenauswahlverfahren waren unter anderem ökologische, stadtklimatische und energetische Aspekte, gestalterische Aspekte, Innovation und Zukunftsfähigkeit sowie die Schaffung und Integration bezahlbaren Wohnraums. In einer zweiten Informationsveranstaltung wurde jetzt der Siegerentwurf des Investors Weisenburger Projekt GmbH aus Karlsruhe und der Werkgemeinschaften HHK Architekten GmbH erneut vorgestellt. Insbesondere bisher eingegangene offene Fragen der Anwohner zu den mittlerweile vorliegenden artenschutzrechtlichen Gutachten, Klima- und Verkehrsgutachten standen auf der Agenda. Einige Aussagen in diesen von unabhängigen Fachleuten erstellten Expertisen werden von den Anwohnern in Frage gestellt. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn verwahrt sich gegen die Unterstellung der Anwohner, es handele sich um Gefälligkeitsgutachten. Bezweifelt wird beispielsweise die Aussage in zwei unterschiedlichen Einschätzungen zum Artenschutz aus den Jahren 2020 und 2021, dass keine Zauneidechsen zu finden waren bei den Begehungen. Anwohner hatten die Gutachter beobachtet, die angeblich mit einem Stock im Unterholz stocherten und damit die Eidechsen und andere Tiere wohl verscheucht hätten.

Zweifel am Verkehrsgutachten

Auch die Aussage in den Verkehrsgutachten zur künftigen Breite der Straße, diese sei an einer bekannten Engstelle mit fünf Metern Straßenquerschnitt ausreichend, wird bezweifelt. Auch an der Ecke Herder/Goethestraße käme es schon heute zu Problemen. Das Verkehrsgutachten geht dagegen von einem regelkonformen Ausbau und damit der Leistungsfähigkeit dieser Straßen aus. Die reine Erschließung des Geländes über die Goethestraße sei laut Anwohnern schwierig für den Begegnungsverkehr. Es wird erneut eine Anfahrtsalternative über die Feuerbacher Straße aufgeworfen. Bereits in der ersten Infoveranstaltung hatte die Stadt mitgeteilt, dass das Regierungspräsidium dies ausgeschlossen habe. Hier sagte Oberbürgermeister Cohn zu, diese Frage erneut aufzugreifen. Ausgeschlossen werden müsse aber ein Schleichverkehr zur Umgehung der Sonnenkreuzung durch eine solche Zufahrt.

Weiterhin wird bemängelt, der Hol- und Bringverkehr der geplanten Kita sei im Verkehrsgutachten möglicherweise nicht ausreichend bedacht worden, es steht die Frage im Raum, ob das Gutachten vielleicht in der verkehrsarmen Zeit des Corona-Lockdowns erstellt worden sei und damit die Lageschilderung verfälscht wurde. Ebenfalls bezweifelt werden von den Anwohnern die Aussagen der Analysen zu den Frischluftschneisen in diesem Gebiet.

Dialog geht weiter

Oberbürgermeister Martin Georg Cohn sagte zu, dass offene Fragen insbesondere zur Entwässerung, der Erschließung der engen Fahrwege, den Frischluftschneisen, den Abständen zu den Habitaten und zu der Gutachtenqualität nachfolgend nochmals geprüft werden. Außerdem sollen die Gutachten, soweit rechtlich möglich, auf der Homepage der Stadt veröffentlicht werden. „Der Dialog geht weiter“, verspricht Cohn. „Die Transparenz ist mir wichtig. Es wird eine dritte Informations- und Diskussionsveranstaltung geben, sobald die Gutachten öffentlich sind.“ Wesentliche Anregungen sollten laut Cohn aber immer schriftlich der Stadt eingereicht werden, so zum Beispiel die von Anwohner René Fuchs aufgezählten möglichen Ersatzflächen im Hasensaul, eine bereits abgelehnte Alternativfläche, die durch den möglichen Fortgang des Helikopters Christoph 41 laut Fuchs vielleicht wieder als Baugebiet in Frage käme, allerdings in Privatbesitz ist, und eine Fläche in der Nähe des Berufsschulgeländes, die jedoch dem Land gehört. Fuchs und seine Mitstreiter fordern, die Bebauung des Unteren Schützenrains zu überdenken, dieses Stück Natur solle ihrer Ansicht nach der Stadt erhalten bleiben.