In der Stadt braucht Christine Lehmann fast kein Auto mehr - sie ist begeisterte Pedelec-Fahrerin. Über ihre Erfahrungen... Foto: Günther Ahner

Wir stellen Stuttgarter und ihre Blogs vor. Diesmal: Christine Lehmann, die über das nicht immer einfache Radfahren in Stuttgart schreibt.

Stuttgart - Diese Stadt macht es ihren radelnden Bewohnern nicht gerade leicht. Schon die Topographie ist eine Sache für sich und eigentlich nur etwas für diejenigen, die fit sind - oder werden wollen. Aber dann kommt noch etwas anderes hinzu.

Etwas, das Christine Lehmann vor einigen Monaten einmal aufgefallen ist und ihr seitdem keine Ruhe mehr lässt: "Als Radfahrer muss man sich in Stuttgart ständig anders verhalten. Mal wie ein Fußgänger, weil man auf dem Gehweg fahren muss, dann wieder wie ein Autofahrer, weil man auf der Fahrbahn unterwegs ist und auf den Radwegen wie ein Radfahrer."

Kein Wunder, so dachte sich Christine Lehmann, dass Radfahrer bei diesem ständigen Konzeptwechsel immer wieder und so oft Regeln verletzen. Und dann packte die Stuttgarter Krimiautorin die Neugier: Sie wollte ihre Stadt aus der Sicht eines Radfahrers erkunden und darüber schreiben. Seit Juni 2013 füllt sie ihren Blog dasfahrradblog.blogspot.de nun mit ihren Erfahrungen.

Das Radfahren an sich war für die 54-Jährige jedoch kein Neuland. "Ich bin seit sechs Jahren begeisterte Pedelec-Fahrerin", erzählt sie. Für sie hat das Pedelec in der Stadt das Auto als Fortbewegungsmittel abgelöst. Auch für den Weg zu ihrer Arbeitsstelle beim SWR benutzt sie das E-Rad. "Ich komme nicht verschwitzt an, kann unterwegs kurz zum Einkaufen halten, habe kein Parkplatzproblem", schildert sie die Vorteile.

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Für ihren Blog schaut sie nun aber genauer hin oder probiert einfach Strecken in Stuttgart aus - und beschreibt diese. Sie will dabei nicht anklagen oder über Autofahrer und Fußgänger schimpfen, sondern einfach nur den Ist-Zustand festhalten. "Ich stecke mir mein Iphone vorne an den Lenker, mache unterwegs Bilder und dann schreibe ich daheim meine Erfahrungen nieder."

Auf diese Weise ist sie beispielsweise schon vom Landtag nach Cannstatt geradelt, vom Marienplatz nach Vaihingen, von Stadtmitte zum Pragsattel oder die Neue Weinsteige hoch. Letzteres sei eine eigentlich wunderschöne Strecke, vor allem für Pedelec-Fahrer - aber fast gänzlich vom Autoverkehr erobert.

Niedliche Oldtimer und schnitte Rennräder

Übrigens erfährt der Leser auf ihrem Blog nicht nur etwas über Routen durch die Stadt, sondern auch etwas über allgemeine Radthemen - wieso Radwege gefährlich sind, den Bußgeldkatalog für Radfahrer und wo welche Regeln für Radfahrer gelten. "Da kannte ich viele Regeln selbst nicht", sagt die Stuttgarterin.

Eine nette Rubrik sind auch die Radpersönlichkeiten. "Dafür fotografiere ich Räder, die mir auffallen. Niedliche, alte Räder genauso wie schnittige Rennräder."

Ein Blog als geeignete Plattform

Einen Blog hält sie übrigens für die geeignetste Form, um ihre Erfahrungen weiterzugeben. "Ich kann schreiben, was ich denke, Fotos hinzufügen - und es gibt die Möglichkeit, die Posts auch zu bearbeiten und auf Kommentare zu reagieren. Es ist einfach ein sehr lebendiges Medium."

Und ein zeitaufwändiges, " vor allem am Anfang, wenn man den Blog erst einmal füllt." Momentan, so schätzt Christine Lehmann, steckt sie etwa drei bis vier Stunden pro Woche in den Blog. Mit den Resonanzen ist sie zufrieden: "Der Fahrradblog ist ja nicht mein erster Blog. Deswegen weiß ich, dass es einfach ein bisschen dauert, bis er bekannter wird." Im vergangenen Monat gab es aber immerhin schon fast 2000 Seitenaufrufe.

Warum weichen Fußgänger aus?

Und Christine Lehmann hat sich auch noch einiges für ihren Blog vorgenommen. "Mich interessieren auch psychologische Aspekte - wieso zum Beispiel Fußgänger ausweichen und damit oft alles noch komplizierter machen." Mehr möchte sie sich auch darum kümmern, wie andere Städte mit Fahrradfahrern umgehen. "Wenn ich im Herbst in Hamburg bin, werde ich dort auch mal genauer hinschauen." Und auch Stuttgarter möchte sie noch weiter erradeln: "Ich war bisher nur in der Innenstadt unterwegs, die Stadtteile fehlen mir noch."

Letztendlich möchte sie mit dem Blog vor allem für mehr Verständnis werben "Ich möchte schreiben, mit was für Problemen Radfahrer zu tun haben - und darüber berichten, wie oft eigentlich unklar ist, was für eine Regel gerade gilt."

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