Ein Demonstrant blockiert eine Straße in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri nachdem bekannt wurde, dass keine Anklage gegen den Todesschützen von Michael Brown erhoben wird. Foto: EPA

Im Fall des erschossenen Teenagers Michael Brown wäre es besser gewesen, es wäre zu einer Anklage gegen den weißen Polizisten gekommen. Dann hätte aber nicht nur dessen individuelle Schuld im Fokus gestanden, sondern auch die sozialen Missstände im heutigen Amerika.

Stuttgart/Ferguson - An dem Verfahren der Geschworenen in Missouri ist erst einmal wenig auszusetzen: Nach intensiven Beratungen ist das US-Gericht zu folgender Auffassung gelangt: Die glaubwürdigsten Augenzeugen sahen, wie der 18-jährige Schwarze auf den weißen Polizisten losging, bevor dieser ihn in Notwehr erschoss. Ganze 90 Sekunden dauerte in dem Städtchen Ferguson die tragische Episode vom Sommer, die damals wie heute wieder zu schweren Ausschreitungen führte.

Ja, es ist verständlich, dass viele Amerikaner über die Entscheidung aufgebracht sind. Präsident Barack Obama drückte das so aus: Überall im Land würden Recht und Gesetz noch immer „auf diskriminierende Art und Weise angewandt“. Damit meint er etwa die Tatsache, dass obwohl der Drogenkonsum unter Weißen und Schwarzen in etwa gleich verteilt ist, Schwarze dafür viel öfter im Gefängnis landen. Die harte US-Justiz trifft arme Schwarze mehr als Mittelklasse-Weiße: Drogen­konsumenten werden häufiger auf Jahre weggesperrt, ihre Familien auseinandergerissen. Eine Chance auf Wiedereingliederung – Fehlanzeige.

Doch auch das rechtfertigt nicht den Krawall. Die Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung zeigt, wie sich die Dinge friedlich zum Besseren wenden lassen. So gesehen wäre es besser gewesen, es wäre zu einer Anklage gegen den weißen Polizisten gekommen. Dann hätte aber nicht nur dessen individuelle Schuld im Fokus gestanden, sondern auch die sozialen Missstände im heutigen Amerika.

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