Der Firmenname K&U wird wohl nur noch wenige Jahre Bestand haben. Foto: K&U

Der in Baden-Württemberg weit verbreitete Backwarenfilialist K&U soll bis Ende 2023 zerlegt werden. Die Gewerkschaft NGG und der Betriebsrat gehen nun an unterschiedlichen Fronten in die Offensive. Das Unternehmen wehrt sich.

Stuttgart - Die Arbeitnehmervertreter bei der traditionsreichen K&U-Bäckerei wehren sich nun an mehreren Fronten gegen den Niedergang der Tochter von Edeka Südwest: Am 22. März will der Gesamtbetriebsrat die Sozialplanverhandlungen aufnehmen, mit denen die angedrohte Zerschlagung abgefedert werden soll. Zugleich ringt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit K&U in Haustarifverhandlungen um höhere Löhne für die rund 3500 Beschäftigten vorwiegend in Baden-Württemberg.

 

Sollen die Filialen für die Übergabe hübsch gemacht werden?

Der zweite Verhandlungstermin wurde am Freitag abgebrochen, nachdem die Arbeitgeber den NGG-Angaben zufolge eine Lohnsteigerung von 1,0 und 1,2 Prozent für dieses und nächstes Jahr angeboten hatten. „Das liegt unter der aktuellen Inflationsrate“, rügt Landesbezirkssekretär Alexander Münchow. Aus seiner Sicht versucht die Arbeitgeberseite, die Lohnkosten möglichst niedrig zu halten und „Niedriglöhne zu zementieren“. Damit sollen die 500 verbliebenen Filialen für die bis Ende 2023 geplante Übergabe an die Edeka-Einzelhändler attraktiv bleiben. Die NGG fordert fünf Prozent mehr Lohn und verweist auf die Aktionsfähigkeit in den Betrieben trotz der schwierigen Rahmenbedingungen – die Beschäftigten seien „zu allem bereit“. Immerhin gehöre die Muttergesellschaft zu den „großen Krisengewinnern“, betont Münchow.

Sozialplanverhandlungen grenzen Unternehmen ein

Schon 2018 hatte der Gesamtbetriebsrat einen Interessenausgleich verhandelt, um die Beschäftigten bei den sogenannten Integrationen abzusichern. Im Gegenzug hätten die Arbeitgeber damals versprochen, dass etwa 500 Filialen erhalten bleiben sollen. Nun plant Edeka Südwest nach eigenen Angaben, den Namen K&U vom Markt zu nehmen. Daher haben die Arbeitnehmervertreter das Unternehmen zu einem neuen Interessenausgleich gezwungen: Solange diese Sozialplanverhandlungen nicht abgeschlossen sind, darf die Arbeitgeberseite keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen und auch keine Kurzarbeit anordnen. Befürchtet wird mit der Zerlegung eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, da viele Edeka-Einzelhändler nicht tarifgebunden sind und keinen Betriebsrat haben.

Zudem wurde eine Petition gestartet. Darin wird die Edeka-Geschäftsleitung aufgefordert, von den Plänen Abstand zu nehmen. Sie solle „diesen Irrweg sofort stoppen und ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden“. Bis Montagnachmittag beteiligten sich mehr als 750 Unterstützer.

Unternehmen widerspricht: Wir sichern Arbeitsplätze

Münchow zufolge werde K&U „beständig defizitär gehalten, um die Kohle zu Edeka rüberzuschieben“. Das Unternehmen wehrt sich gegen diese Darstellung: „Die NGG mobilisiert, indem sie die Situation und unsere Pläne völlig falsch darstellt“, sagt ein Sprecher. „Richtig ist, dass die Verkaufsstellen der Bäckerei K&U seit vielen Jahren defizitär sind“. Ziel sei es, „den Verkauf von Backwaren in unserem genossenschaftlichen Unternehmensverbund zukunftsorientiert auszurichten und Arbeitsplätze zu sichern.“

Bereits 2019 habe man damit begonnen, Verkaufsstellen an interessierte selbstständige Kaufleute des Edeka Südwest-Verbunds zu übergeben, die diese dann als Abteilung im Rahmen ihres Einzelhandelsangebots betreiben und das Sortiment an Backwaren eigenständig zusammenstellen. Das Angebot an Brot- und Backwaren könne so noch stärker an den jeweils örtlichen Kundenwünschen ausgerichtet werden.

„Keine Änderungen für die Produktionsstätten“

Erfolgreiche Beispiele aus anderen Edeka-Regionalgesellschaften hätten gezeigt, dass mit der stärkeren Betonung lokaler Kundenwünsche Umsatzzuwächse erzielt und somit Verkaufsstellen erhalten werden können. „Den Rückschlüssen der Gewerkschaft treten wir damit entschieden entgegen“, so der Sprecher. „Fakt ist vielmehr, dass sich mit unserer Neuausrichtung weitere Perspektiven für die Mitarbeiter an den Verkaufsstellen eröffnen und wir negative Auswirkungen für die Beschäftigten abwenden können.“

Anders als von der NGG dargestellt, ergäben sich durch die Umstrukturierung für die Produktionsstätten auch keine Änderungen. Die Backwaren würden in Produktionsstätten in Reutlingen, Mannheim, Bexbach und Neuenburg gefertigt. Von dort aus werden sowohl von Kaufleuten als auch in Eigenregie betriebene Verkaufsstellen beliefert.