Die Fahrgäste in Stuttgart haben wegen den Verspätungen bei der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr ihr blaues Wunder erlebt. Die Lage für Autofahrer ist in der Stauregion Stuttgart dennoch bedeutend schlechter, meint Redakteur Thomas Durchdenwald.
Stuttgart - Angesichts der Idee, die Fahrzeuge der S-Bahn künftig blau und nicht mehr rot zu lackieren, liegt die Formulierung nahe: Die Fahrgäste haben im vergangenen Jahr ihr blaues Wunder erlebt. Noch nie waren die S-Bahnen in der Region so unpünktlich, in der Hauptverkehrszeit war auf manchen Linien fast jeder dritte Zug mit einer Verspätung von mehr als drei Minuten unterwegs.
Mehr Fahrgäste in weniger Zügen
Diese unbefriedigende Bilanz gründet vor allem auf der bundesweit beklagten Fehlentwicklung im Schienenverkehr. Auf einer in die Jahre gekommenen Infrastruktur soll ein ausgezehrtes Unternehmen immer mehr Fahrgäste in immer mehr Zügen transportieren. Das ist eine Gleichung, die nicht aufgehen kann. Das erleben tagtäglich die Pendler, die in in überfüllten Zügen stehen, auf S-Bahnen warten und ihre Anschlüsse verpassen. Sie fordern zu Recht, dass sich etwas ändern muss. Gerade von Politikern, die unablässig den Umstieg vom Auto in Bahnen und Bussen predigen.
S-Bahnen dennoch zuverlässig
Doch auch das gehört zur Wahrheit: 95 von 100 S-Bahnen sind weniger als sechs Minuten verspätet. Das ist eine Zuverlässigkeit, von der Autofahrer in der Stauregion Stuttgart nur träumen können. Die S-Bahn mit jährlich mehr als 135 Millionen Fahrgästen ist das Rückgrat der Mobilität in der Region Stuttgart. Damit das so bleibt, sind Investitionen in die Infrastruktur nötig. Dies wurde lange versäumt, obwohl immer mehr Züge mehr Menschen transportieren. Nun wird es Jahre dauern, bis endlich neue Technik dichtere Takte im Tunnel der Stammstrecke ermöglicht und Engstellen im Schienennetz beseitigt sind. Solange, und das ist die bittere Wahrheit, ist es schon ein Erfolg, wenn die Verlässlichkeit sich nach dem Negativrekord 2019 wieder dem bescheidenen Niveau der Vorjahre nähert.
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