Die Leonbergerin hat sich über das Online-Portal der Stadt beworben. Foto: dpa/Christin Klose

Eine 60-jährige Leonbergerin, studierte Betriebswirtin, berichtet von ihrer Bewerbungsodyssee bei der Stadt Leonberg im Bürgeramt.

Auf eine ausgeschriebene Stelle im Leonberger Bürgeramt hat sich eine Frau beworben, die es als Chance sah, sich noch einmal beruflich zu verändern. Die größte Enttäuschung war jedoch nicht die Absage, die sie letztendlich bekommen hat, sondern die mangelnde Kommunikation und „das unprofessionelle Bewerbungsprozedere seitens der Stadtverwaltung“, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. Sie möchte gerne anonym bleiben, aber trotzdem von ihren Erfahrungen berichten, die alles andere als wertschätzend gewesen seien. Aus ihrer Sicht habe die Stadt wenig für ihr Image getan.

 

Bewerberin wartet auf Reaktion

Ihre Bewerbung hat die Leonbergerin im August des vergangenen Jahres über das Online-Portal der Stadt abgeschickt. Eine Reaktion oder eine Zwischennachricht habe sie nicht bekommen. Ab der zweiten Septemberhälfte versuchte sie dann, telefonisch jemanden zu erreichen – erst im Bürgeramt, später in der Personalabteilung des Rathauses. Das habe sich als ein mühsamer Prozess herausgestellt. Weil sie immer an Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter verwiesen wurde, die entweder nicht am Platz, krank oder im Urlaub gewesen seien. „Niemand fühlte sich zuständig“. Dann wurde ihr ein Rückruf versprochen. Stattdessen bekam sie im Oktober eine Absage per E-Mail.

Damit wollte sich die Bewerberin nicht zufrieden geben, rief eine Woche später noch einmal bei der Stadt an und bekam die Auskunft, dass man Bewerber habe, die in einem Punktesystem, das man anwende, einen höheren Rang erreicht hätten. „Diese Aussage kann ich natürlich nicht überprüfen, aber die Stellenanzeige war noch mindestens bis Ende Januar online und das Bürgeramt arbeitete weiterhin nur eingeschränkt“, so die enttäuschte Bewerberin. Erst kürzlich hakte sie noch einmal nach, ob es sinnvoll wäre, die Bewerbungsunterlagen noch einmal zu schicken. Doch man habe ihr dieses Mal sehr freundlich erklärt, dass das Bürgeramt und die Ortschaftsverwaltungen mittlerweile wieder voll besetzt seien.

Viel Erfahrung im kaufmännischen Bereich

Die 60-Jährige, die seit neun Jahren im Pflegebereich arbeitet, hätte sich eine Büro-Tätigkeit im Bürgeramt gut vorstellen können. Die studierte Betriebswirtin war früher Handelsvertreterin für Textilmaschinen, übernahm den Betrieb ihres Schwiegervaters nach dessen Tod. Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder wurde ihr dieser Job als Einzelkämpferin irgendwann zu viel. Sie wechselte in die Pflege. „Ich habe zwar keine Erfahrung im öffentlichen Dienst, aber im kaufmännischen Bereich, und ich kann gut mit Menschen umgehen, alles andere in der Verwaltung kann man lernen.“