Die Aidbachhexen haben ihren alljährlichen Umzug schweren Herzens abgesagt. Foto: Stefanie Schlecht

Die Absage des Aidlinger Umzugs ist bedauerlich, aber nachvollziehbar – anders als manche Reaktionen darauf.

Meckern ist leicht, machen dagegen mitunter ziemlich schwer. Das gilt insbesondere dann, wenn das mit dem Machen ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis passiert – so wie bei der Narrenzunft Aidbachhexen. Der Fasnetverein muss in diesem Jahr seinen Umzug absagen, weil die am Tag darauf geplante Bundestagswahl ihm einen Strich durch die Rechnung macht.

 

Die wohlgemerkt von dem Verein und nicht von der Gemeinde getroffene Entscheidung ist bedauerlich, zugleich aber vernünftig und nachvollziehbar. Schließlich müsste der Verein – nur wenige Stunden nach einer großen Faschingsparty mit hunderten Gästen in der Sonnenberghalle – womöglich dafür haften, wenn irgendjemand dort rund um das Wahllokal die Wände mit einer politischen Parole beschmiert. Zumindest lässt das Gesetz hier so viel Interpretationsspielraum, dass die Narrenzunft verständlicherweise kein Risiko eingehen möchte.

Schon vor der Absage hatte eine Meldung über den geänderten Streckenverlauf bei diesem Umzug in den sozialen Medien hohe Wellen geschlagen. Allerdings sind auch hier die lautesten Schreier gerade diejenigen, die selbst nicht die leiseste Ahnung haben von dem personellen und finanziellen Aufwand, den der Verein Jahr für Jahr stemmen muss, um die weiträumige Umleitung umzusetzen und auszuschildern.

Meckern statt Machen – das ist wohl symptomatisch für unsere Zeit

Es ist wohl symptomatisch für unsere Zeit, wenn dann nahezu alle in das ewiggleiche Klagelied darüber einstimmen, was in der Gemeinde, im Land oder im Bund vermeintlich alles nicht mehr funktioniert. Dabei liegt die Lösung auf der Hand und wird gerade auf lokaler Ebene überdeutlich sichtbar: Wir Menschen müssen aufhören, alles für selbstverständlich anzusehen und wieder damit anfangen uns mehr einzubringen. Nur so kann eine Gesellschaft funktionieren.

Man muss kein Narr sein, um das zu verstehen – aber es scheint durchaus zu helfen.